Ich gebe es zu. Ich hatte von Hell is Us irgendwie bis zur Gamescom 2025 überhaupt nichts mitbekommen. Daher war ich sehr gespannt, was mich beim neusten Titel von Nacon erwartet. Nun, nach einiger Zeit in der Welt von Hadea kann ich sagen, es lohnt sich mal reinzuschauen in die harte Welt, durch die sich unser Protagonist Remi schlagen muss. Dabei verzichtet Hell is Us bewusst auf Komfort, um uns mehr Freiheit, aber auch Verantwortung zu geben. Aber dazu später mehr.
Wo sind wir denn hier gelandet?
Hell is Us ist ein Action-Adventure, in dem wir Remi aus Third Person-Perspektive durch Hadea steuern. Dieses Land ist geprägt von Bürgerkrieg, Gewalt und übernatürlichen Bedrohungen. Eine düstere Welt, die durch die schwere und beklemmende Atmosphäre bestimmt wird. Remi kehrt zurück in diese versehrte Gegend, um mehr über sich und seine Vergangenheit zu erfahren.
Dabei mischt das Spiel Action, Rätsel, Erkundung und eine Erzählung, die auf Zwischentöne, Beobachtung und allmähliches Entschlüsseln setzt. Man merkt, dass viel Zeit in die Entwicklung der Geschichte geflossen ist. Es fühlt sich an wie eine Mischung aus Resident Evil und Dark Souls, um euch mal eine grobe Vorstellung zu geben – was ein dickes Kompliment ist.
Und wo geht's hier lang?
Was sehr schnell klar wird: Hell is Us lässt uns allein. Fast. Denn es verzichtet nahezu vollständig auf Hilfsmittel. Keine Karten, Questmarker, Kompass oder klare Wegführung. Ihr müsst entscheiden, was ihr als Nächstes tun wollt. Irgendwie fühlt sich genau das auch so verdammt frisch an.
Immerhin gibt es eine Art Tablet, das Remi mit sich führt, und das als Inventar und vor allem als Questlog fungiert. Darin werden alle Hinweise, die wir im Spiel z. B. in Gesprächen mit NPC sammeln, fein säuberlich katalogisiert. So stehen sie uns jederzeit zur Verfügung, teils in Mind-Maps, die die Verbindungen zwischen Orten und Personen visualisieren. Eine clevere Lösung, denn so haben wir jederzeit die Informationen, die wir brauchen, aber eben nur dann, wenn wir sie haben wollen.
Coole Detektivarbeit
Den Hinweisen nachgehen müssen wir schon selbst. Und das funktioniert in der Praxis tatsächlich sehr gut. Das ist auch bitter nötig, denn Erkundung und Rätsel spielen eine große Rolle in Hadea. Dabei variieren die Rätsel von eher simplen Hinweisen bis zu komplexeren Aufgaben. Nebenquests sind oft nicht sofort lösbar, wir müssen langsam zusammensetzen, was von Bedeutung ist.
All die versteckten Orte und Geheimpfade, ganz zu schweigen von den Nebenquests, sind häufig nur durch Hinweise in der Umwelt und in Dialogen zu finden. Mir persönlich gefällt das sehr gut, denn diese Art des Gameplays führt zu wirklich intensivem Erleben. Allerdings bietet es auch ein gehöriges Frustrationspotential, wenn wir nicht wissen, wo und wie es weitergeht. Doch gebt dem Ganzen unbedingt eine Chance.
Angriff ist die beste Verteidigung, oder?
Ein weiteres Element der Welt von Hadea ist die Frage, ob wir uns den teils übernatürlichen Gegnern stellen oder nicht. Häufig, aber natürlich nicht immer, gibt es Wege und Mittel, um Kämpfen aus dem Weg zu gehen. Kommt es dann doch einmal zu handfesten Auseinandersetzungen, so stellen wir schnell fest, dass die Herausforderung nicht geringer wird.
Wobei die Kämpfe nie unfair werden, die Balance ist gut gelungen. Elemente wie Ausweichen, Parieren und verschiedene Waffentypen, die zudem noch mit Emotionen verstärkt werden können, garantieren ein abwechslungsreiches Gameplay.
Und keine Angst, besiegte Feinde bleiben besiegt und die gut platzierten Rücksetzpunkte sorgen für ein überschaubares Maß an Frustration. Mit zunehmender Spielzeit fällt jedoch auf, dass sich Gegnertypen und Kampfmechaniken wiederholen, die Variation leidet mit der Zeit etwas. Kurz gesagt: In Sachen Kampf wird es etwas monoton.
Bisschen düster, aber ansonsten ganz schön
Hadea leidet. Und zwar seit Langem. Das zeigt sich nicht nur in den beklemmenden Kriegs- und sonstigen Leidensgeschichten, die die NPCs und die Umgebung erzählen, sondern wird vor allem durch die Optik und das Spieldesign transportiert. Es wimmelt von Zeugen der zahlreichen Konflikte, seien es Bewohner mit herzzerreißenden Berichten, zerstörte Landschaften oder Kriegsüberreste.
All das wird flankiert durch düstere und geheimnisvolle Orte bis hin zu Tempeln und Kathedralen, die die Fantasy-Elemente der Geschichte unterstreichen. Hinzu kommt der packende Soundtrack, der gemeinsam mit den Umgebungsgeräuschen, aber auch den gezielten Momenten der Stille ein zunehmendes Gefühl von Unbehagen schafft.
Die Welt von Hadea lässt uns spüren, wie lebendig und gefährlich sie ist. Die Atmosphäre, das Erzählen über Umwelt und Details, das Zusammenspiel von Realismus und fantastischen Elementen machen Hell is Us dabei zu einem sehr spannenden Titel. Und vielleicht sind die Entwickler der Meinung, dass wir auch ein bisschen unter mangelndem Komfort leiden müssen, damit wir das Leid des Landes und seiner Bewohner nachvollziehen können.
Fazit
Hell is Us trifft einen Nerv. Es packt und lädt zum Entdecken ein. Allerdings müssen wir dazu bereit sein, uns mit der Welt, der Geschichte und den Bewohnern aktiv auseinander zu setzen. Wer hier seine Zeit investiert, der wird mit einer unglaublich dichten Atmosphäre und einem tollen Erlebnis belohnt. Wer nur kurz zocken will, der ist hier eher nicht so gut aufgehoben.
Erhältlich für: PS, Xbox, PC
Website: nacongaming.com/de-DE/hell-is-us