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Hellboy Web of Wyrd

Ein Action-Comic zum Durchspielen – stylish mit kleinen Schönheitsfehlern.

Wenn es um Hellboy geht, bin ich ein großer Fan der erschienenen Filme. Insbesondere der zweite Teil von Regisseur Guillermo del Torro fand ich atemberaubend. Dass es dazu auch eine Comic-Heft-Reihe gibt, hatte ich zwar mal gehört, aber leider nie gesehen. Warum ich das erzähle? Weil Hellboy Web of Wyrd auf eben dieser basiert. Dark Horse Comics und Hellboy-Schöpfer Mike Mignola haben sich für das Spiel von Upstream Ar-cade zusammengetan, um eine neue Geschichte zu erzählen. Mal sehen, was sie so erschaffen haben.

Ein Comic zum Spielen?

Das Erste, das mir auffällt: Der Grafikstil ist sehr eigenwillig. Die Comic-Vorlage trifft sie wohl ganz gut. Mir persönlich ist sie zu dunkel, zu abstrakt und teilweise etwas irritierend. In den Levels muss man sich stark daran gewöhnen, wenn man sich orientieren will. Manchmal fehlen Teile des Bodens oder der Wände, was spielerisch keinerlei Bedeutung hat. Ich dachte, dass man durch diese Spalten fallen oder gehen kann – aber nein, es ist nur das Design des Spiels. Gegner hingegen sehen ganz gut aus und heben sich vom Rest deutlich ab. Aber dazu komme ich später. Sprechen wir zunächst über die Story.

Alles beginnt mit dem Verschwinden eines Agenten der B.U.A.P.: Hellboy soll herausfinden, was es damit auf sich hat. Zudem finden auf dem gesamten Erdball immer wieder merkwürdige Dinge statt und Monster tauchen auf. Ob das alles zusammenhängt? Jedenfalls werden mir schon im Intro genügend Namen und Begriffe an den Kopf geworfen, um festzustellen, dass ich von den Comics keine Ahnung habe. Als Außenstehender fühle ich mich leicht ausgegrenzt. Aber die Geschichte verstehe ich auch so zum größten Teil. Hellboy steigt hinab in der Reich Wyrd, in dem andere Regeln herrschen als auf der Erde. Zusätzlich tummeln sich dort viele Monster herum. Ein prima Ort, um seiner Wut freien Lauf zu lassen.

Teuflisches Gebaren

Hellboy Web of Wyrd dreht sich immer wieder um diesen Ort, an den ihr hinabsteigt, um mächtige Artefakte zu suchen. Diese könnten nämlich die Apokalypse aufhalten. Nur leider wisst ihr nicht genau, wo sie sich befinden. Außerdem ändert das Wyrd immer wieder seine Struktur, so dass ihr es bei Hellboy Web of Wyrd mit einem Rogue-Like-Action-Spiel zu tun habt. Wobei ich Action etwas spezifizieren muss: Es handelt sich nämlich tatsächlich viel mehr um einen Brawler als um einen Shooter. Und das war eine von vielen Überraschungen.

Wenn ihr Hellboy kennt, macht das auch tatsächlich Sinn. Mit seiner roten Faust schlägt der Dämin mächtig zu. Und ab und an nutzt er seine Pistole, um Gegner aus der Ferne zu attackieren. Bis zu diesem Punkt steht Hellboy Web of Wyrd auf einem guten Fundament. Ihr ahnt es schon: es gibt ein Aber. Und nicht nur eins …

Steuerung Diavoli

Keine Ahnung, ob sich das Team von Upstream Arcade mal andere Spiele mit ähnlichem Fokus angeschaut haben. Jedenfalls macht die Steuerung nicht den Anschein. Denn irgendwie fühlt sich das hier merkwürdig an. Die Knopfbelegung ist stark gewöhnungsbedürftig. Meine nervigste Erfahrung habe ich mit dem Anvisieren von Feinden gemacht.

Normalerweise kenne ich das so, dass ich eine Taste oder den rechten Analogstick drücke, und schon ist ein Gegner anvisiert. Bei Hellboy muss ich die linke Schul-tertaste dafür drücken und halten. Sobald ich loslasse, ist der Fokus weg. Das ist besonders nervig, wenn ihr zusätzlich blocken wollt. Da ich die Schultertaste hielt, dachte mein Gehirn, dass ich schon längst blocke. Dem war leider nicht so. Auf diese Weise habe ich unnötig viele Schläge kassiert. Wie gesagt: sehr nervig.

Und es gibt da noch was: Scheinbar stammt auch die Kamera aus dem gleichen Höllenloch wie Hellboy. Zum einen ist sie viel zu nah am roten Hünen dran, sodass die Übersicht darunter leidet. Zum anderen liebt sie die Rückseite von Hellboy etwas zu sehr. Wie oft hatte ich einen Gegner im Visier, ließ dann die Schultertaste los und – schwupps – war die Kamera direkt hinter mir und die Orientierung damit für ein paar Augenblicke dahin. Das hat mich nicht nur Nerven, sondern auch Lebenspunkte und Spaß gekostet.

Durchschimmerndes Potenzial

Im Grunde ist Hellboy Web of Wyrd eigentlich ein cooles Spielchen. Die Nahkampfattacken kombiniert ihr mit ein paar Schüssen und vermöbelt eure Gegner sehr atmosphärisch. Wäre da nicht die Kamera und das nervige Anvisieren, könnte hier ein echter Flow entstehen. So werden die vielen kleinen Arenen, in denen ihr nach und nach landet, zur Geduldsprobe und Glücksspiel.

Typisch für Rogue-Like-Action-Spiele bekommt ihr während eures Versuchs ein paar zufällige Boni, die ihr selbst auswählen könnt. Wie wäre es mit mehr Lebenspunkten oder Rüstung? Vielleicht auch zusätzliche Erfahrung? Oder soll euer Schlag die Gegner zurückstoßen? All das wird euch auf der Reise im Wyrd begegnen.

Habt ihr euch dann durch die schlauchigen und teils verschachtelten Levels ein paar Ebenen nach unten gekämpft, wartet ein dicker Boss auf euch. Es waren insbesondere diese Kämpfe, die mir leidvoll die merkwürdige Steuerung vor Augen führten. Wenn es schnell gehen muss, verfällt mein Gehirn in gewohnte Muster bei solchen Spielen. Mit anderen Worten: Bei Hellboy Web of Wyrd bedeutet das meist den virtuellen Tod für euch, da die Steuerung hier einfach anders ist.

Fazit

Damit endet mein Eindruck von Hellboy Web of Wyrd. Das actionreiche Spiel birgt eine Menge Potenzial, steht sich aber größtenteils selbst im Weg mit der Steuerung, der Kamera und einigen Design-Entscheidungen. So landet der rote Teufelsbraten leider nur im soliden Mittelfeld an Rogue-Like-Action-Spielen. Wenn ihr jedoch die Comics liebt und über die technischen Belange hinweg seht bzw. wenig Spiele dieser Art jemals gespielt habt, dann könnte dieser Höllenritt tatsächlich etwas für euch sein.

Erhältlich für: PC, Xbox, PS, Switch
Website: hellboywebofwyrd.com