Wer hat sich das noch nicht gefragt: Würde es nicht unheimlich Spaß machen, mal so nebenbei in einer fremden Wohnung herumzustreunen und zu sehen, was die Leute in ihren vier Wänden so treiben? In „Hello Neighbor“ dürft ihr nun genau das in Angriff nehmen. Das Werk von Dynamic Pixels versetzt euch in die Rolle eines jungen Teenagers, der einen Nachbarn bei einer „Sache“ beobachtet. Was diese Sache letztlich ist, müsst ihr nun herausfinden. Filme wie „Das Fenster zum Hof“ oder die Neuauflage „Suburbia“ lassen grüßen.
Zeit für einen Plausch, Herr Nachbar?
Also dann: Als Ball spielender Junge laufe ich durch die Nachbarschaft – der kunterbunte Grafikstil erinnert stark an einen Disney-Film. Aber lasst euch von der Optik ja nicht täuschen: Es wird noch ziemlich nervenaufreibend werden. Als ich dann vor einem etwas merkwürdigen Haus zum Stehen komme – die Story möchte dies so – erblicke ich durchs Fenster einen Nachbarn, der irgendetwas Komisches in seiner Wohnung treibt.
Still und heimlich schleiche ich zum Fenster, um gerade noch zu sehen, wie er eine Tür verriegelt und aufgeregt durch die Gegend schaut – und mich dabei ertappt, wie ich spicke. Prompt lande ich auf meinen vier Buchstaben inmitten der Straße vor dem Haus. Das Katz-und-Maus-Spiel beginnt. „Hello Neighbor“ erklärt euch übrigens rein gar nichts, was bei mir für leichte Verwirrung sorgte.
Welche Tasten kann ich also benutzen und was muss ich machen? Ein Blick ins Menü zeigt mir, dass es nicht gerade viele Optionen gibt: Laufen, springen, interagieren. Das war es auch schon. Also dann: Versuche ich mich doch mal an dem Kerl vorbeizuschleichen, um hinter sein Geheimnis zu kommen. Leichter gesagt, als getan.
Denn sobald ich mich auf dem Grundstück des Nachbarn befinde und dieser mich sieht, rennt er mir direkt hinterher, um mich zu schnappen. Eingesammelte Items wie Müllbeutel oder Kartons kann ich nach ihm werfen und ihn damit kurz aufhalten, aber meist hilft nur die Flucht auf die Straße. Dort folgt er euch nämlich nicht mehr hin. Erwischt er euch hingegen, dann landet ihr ebenfalls auf der Straße – und die Tageszeit ändert sich.
Start Kurioso
Ein mysteriöser Bug bei meinem ersten Versuch führte dazu, dass ich das Spiel anfangs keinen Deut verstand: Ich konnte weder Türen öffnen, noch mich irgendwo im Haus verstecken. Da ich nicht wusste, dass es sich dabei um einen Bug handelte, verzweifelte ich schier. Wie zur Hölle soll ich mich im Haus umschauen, wenn ich nicht einmal normale – im Gegensatz zu den offensichtlich verschlossenen – Türen öffnen kann?!
Erst als ich einen Tag später, zufällig gab es auch einen Patch, wieder einen Anlauf startete, erschien wieder ein kleiner Cursor in der Mitte des Bildschirms, der einen Tag zuvor dort definitiv nicht war. Plötzlich funktionierte alles, wie es sollte. Stück für Stück konnte ich mich nun durchs Haus bewegen, immer wieder verstecken, wenn der Nachbar in der Nähe war und mich auf die Suche nach Geheimnissen machen.
Der Reiz des Ganzen liegt natürlich darin nicht entdeckt zu werden. Sobald der freundliche Herr in der Nähe ist, beginnt euer Gamepad zu vibrieren und die Ecken des Bildschirms pulsieren mit schwarzen Rändern. Dadurch steigt unweigerlich euer Adrenalinspiegel im Blut und, ja, ihr werdet euch sicherlich das ein oder andere Mal ordentlich erschrecken, wenn plötzlich eine Hand nach euch greift.
Macht euch auf was gefasst
Spielerisch war es das grob gesagt auch schon – bis auf eine Sache: Die KI in Form des Nachbarn lernt mit: Sobald ihr erwischt werdet, ergreift der mysteriöse Kerl Gegenmaßnahmen. Ihr seid durchs Fenster ins Wohnzimmer gestiefelt? Macht euch darauf bereit, dass dort bald eine Bärenfalle lauert. Ihr habt euch durch die Hintertür geschlichen? Vielleicht ist diese beim nächsten Mal abgesperrt.
Ihr habt euch zu lange im Flur getummelt? Da werden sicherlich schnell Kameras installiert werden. Dadurch wird das Spielchen bei jedem neuen Anlauf noch eine Ecke schwieriger. Am meisten Spaß hat „Hello Neighbor“ allerdings mit Kumpels gemacht. Nein, es gibt keinen Mehrspielermodus – was eigentlich ganz interessant sein könnte.
Ich meine folgende Situation: Ladet einen Freund zu euch ein, schnappt euch ein kühles Getränk und genießt die Show, während einer spielt und ihr euch gemeinsam einen Plan zurechtlegt. Der Gruselfaktor sinkt dadurch erheblich, die Unterhaltung stimmt jedoch.
Fazit
„Hello Neighbor“ ist schon eine ganz spezielle Angelegenheit: Das Grusel-Versteckspiel lebt von seinen zufällig generierten Situationen und dem Umstand, dass der offensichtlich nicht so freundliche Nachbar euer Verhalten studiert. Doch was hat dieser Kerl nur zu verbergen? Wenn ihr euch auf den virtuellen Hausfriedensbruch einlasst, werdet ihr es sicher bald herausfinden – und euch das ein oder andere Mal erschrecken. Viel Spaß dabei.
Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC, Switch, iOS, Android
Website: helloneighborgame.com