Was waren das früher für spannende Tage: Ich erinnere mich noch lebhaft daran, wenn ich als Kind genug angespart hatte, um ein neues Videospiel zu kaufen. Dann bin ich mit einem Elternteil in das nächste Elektronikgeschäft gewandert und habe mich dort spontan entschieden. Von den meisten Spielen, die dort im Regal standen, hatte ich nie zuvor gehört. Das machte die Sache gleich noch aufregender. Jedes Spiel war quasi ein fertiges Abenteuer, ohne irgendeine Art Vorbericht oder Hype. Heutzutage fast undenkbar – aber zum Glück nur fast …
Höre ich da Jet Set Radio?
Denn mit Hi-Fi Rush fühle ich mich ein Stück in meine Jugend zurückversetzt - und das in vielerlei Hinsicht. Tango Gameworks und Bethesda haben dieses launige Third-Person-Actionspiel einfach mal ohne große Vorankündigung auf den Markt geworfen. Von jetzt auf gleich war das Spiel verfügbar. Gut, das passiert bei vielen Indie-Spielen auch immer wieder, aber Hi-Fi Rush ist eine größere Nummer und im AA-Titel-Bereich anzusiedeln. Also das war schon mal die erste dicke Überraschung. Es sollten noch weitere folgen.
Denn Hi-Fi Rush ist nicht nur ein lieblos dahin geklatschter Zeitvertreib, sondern hat hohes Spaßpotenzial. Die Geschichte dreht sich um den jungen Chai, der gerne Rockstar werden will. In einer futuristischen Welt scheint dieses Vorhaben allerdings nur schwer zu realisieren sein. Daher schreibt sich Chai an einem fragwürdigen Versuchsprogramm ein, bei dem er zu einer Art Super Mensch werden könnte.
Dies soll durch die Symbiose mit maschinellen Teilen geschehen. Allerdings läuft etwas bei Chais Transformation schief: Nach dem Versuch wacht er mit seinem Musikspieler in der Brust wieder auf. Fortan reagiert die gesamte Umgebung von ihm auf den Beat, der von Chai ausgeht.
Auch ein bisschen Guitar Hero
Allein dieses Setting ist schon absurd genug, um mein Interesse zu wecken. Als ich dann aber mit einem Gitarrenschwert im Rhytmus des Beats auf Gegner einschlagen darf, bin ich Feuer und Flamme - und das, obwohl ich Rhytmus-Spiele nicht sonderlich mag. Bei Hi-Fi Rush sieht das aber anders aus: Treffe ich Gegner im richtigen Moment, mache ich Bonusschaden. Aber auch ohne Taktgefühl richte ich genug Schaden an. Ich werde für meine unmusikalische Ader also nicht bestraft, sondern belohnt, wenn ich im Takt treffe.
Und bei Hi-Fi Rush ist das gar nicht schwer. Tango Gameworks hat mehrere optische sowie musikalische Hinweise darauf, wann ihr zuschlagen solltet. Alles um euch vibriert im Takt, zudem könnt ihr eine Leiste einblenden, die euch hilft. Oder ihr hört auf das leise Metronom im Hintergrund. Bei mir hat es jedenfalls nicht lange gedauert, bis ich fast immer perfekt getroffen habe.
Nicht nur das Kampfsystem ist äußerst spaßig, auch das Drumherum. Chai ist ein derart sympathischer Charakter, dass man ihn gerne auf seiner Reise begleitet. Der Humor trifft ebenfalls meistens in Schwarze, weil ich mich oft beim Grinsen erwischt habe. Hinzu kommt eine zeitlos hübsche Optik, die Dank Cell-Shading wie eine animierte Zeichentrickserie aussieht. Kurz gesagt: Hier passt einfach alles perfekt zusammen.
Völlig im Flow
Spielerisch schickt euch Hi-Fi Rush in streng lineare Levels, die aber dennoch das ein oder andere Secret beherbergen. Manchmal müsst ihr Levels später wieder erneut besuchen, wenn ihr die entsprechenden Fähigkeiten habt, um an gewisse Stellen zu gelangen. Ja, Chai lernt während seines Abenteuers fleißig neue Moves und Fähigkeiten. Trefft ihr beispielsweise zwei, drei Mal im Takt, kann Chai einen mächtigen Hieb austeilen. Oder er kann nach ein paar besiegten Gegnern auf einen Super Move zurückgreifen, den ihr zwischen den Missionen auch wechseln dürft. Das Spiel lässt euch da freie Wahl.
Ein Highlight sind jedoch die Bosskämpfe. Schon im ersten Kampf sollt ihr Geschick und Taktgefühl beweisen. Denn dieser dicke Brocken zerfällt deutlich schneller, wenn ihr im Rhythmus trefft. Zudem sind die Fieslinge immer prima in Szene gesetzt. Die Story rund um den Konzern, der durch Soft- und Hardware die Welt erobern will, macht einfach Laune zum Zuschauen.
Fazit
Hi-Fi Rush hat einen perfekten Start hingelegt, der mich regelrecht überrumpelt hat. Die rund 15 Stunden an der Seite von Chai sind Unterhaltung pur. Wie sehr wünsche ich mir, dass andere Publisher das hin und wieder auch tun würden. Wie wäre beispielsweise ein neues Mario Kart, Assassins Creed oder Bioshock ganz ohne die lange Wartezeit darauf?! Zu schön, um wahr zu sein. Daher danke ich Bethesda und Tango Gameworks, die mir ein breites Lächeln aufs Gesicht gezaubert haben. Schaut euch Hi-Fi Rush unbedingt an – insbesondere, wenn ihr den Gamepass habt. Feel the Beat!
Erhältlich für: Xbox, PC
Website: bethesda.net/de-DE/game/hifirush