Ein klein bisschen musste ich an Kevin Costner denken: In Highwater geht es um eine Welt, die im Wasser ertrunken ist – klingt irgendwie nach dem Hollywood-Flop Water World. Und es geht noch weiter: Das Spiel von Demagog Studio und Rogue Games bietet erstaunlich viele Parallelen zu Water World. Aber lassen wir das beiseite und schauen uns Highwater etwas genauer an.
Snickers oder Mars?
Nikos kennt es wohl nicht anders: Der Junge lebt in einer Welt, die vom Wasser überflutet wurde. Schuld daran war natürlich die Klimakrise. Nun tingelt er mit seinem Schlauchboot durch die Überreste der menschlichen Zivilisation. Dabei macht er einige Botengänge für Bekannte, um sich im wahrsten Sinne des Wortes über Wasser zu halten. Die reiche Bevölkerung ist übrigens auf den Mars abgehauen – so viel zum erzählerischen Grundgerüst.
Highwater präsentiert seine Geschichte in bunten, fröhlichen Farben, die nicht unbedingt eine gefährliche Endzeitstimmung zulassen – also mir gefällt's. Was mir weniger gefällt: Die Dialoge. Denn in dicken Sprechblasen unterhalten sich die Bewohner miteinander. Dabei fiel es mir oft sehr schwer dem Gespräch zu folgen. Das lag teilweise an der wirren Einblendung als auch am Inhalt selbst. Wirklich packend war es nie. Nun ja, ich bin in erster Linie nicht wegen der Story hier.
Eine Bootsfahrt, die ist … langweilig
Die ersten Meter im Spiel legt ihr in eurem Schlauchboot zurück. Damit habt ihr auch bereits die erste spielerische Säule. Denn Highwater versteht sich als Erkundungs- und Taktik-Spiel. Die Erkundung verteilt sich auf die Wellen und auf das übrig gebliebene Land. In dieser Situation ist Highwater dann einem Adventure sehr ähnlich. In solchen Situationen sammelt ihr ein paar Dinge ein und erfahrt so mehr über die Welt – wenn ihr das wollt. Ich empfand es als nicht sonderlich spannend und habe es schnell sein lassen.
Sowieso: Nach der interessanten Prämisse mit der Welt unter Wasser habe ich mehr erwartet. Aber irgendwie ist der Funke nie so richtig übergesprungen. Das lag teils an den Dialogen, aber auch an der etwas drögen Präsentation. Daher habe ich mich lieber auf die taktischen Kämpfe konzentriert. Hier kann Highwater schon besser unterhalten.
Taktisches Kleinod
Anfangs seid ihr alleine, später dann im kleinen Verbund unterwegs. Sobald ihr auf Feinde trefft, geht meist zuerst ein Dialog los. Danach kommt es zum Kampf. Hier taucht die Umgebung euch in eine Art Mini-XCOM-Variante ein, wenn ihr so wollt. Auf dem Boden erscheinen Quadrate, die jeweils einen Schritt bedeuten. Ihr habt verschiedene Aktionen zur Auswahl, um eure Gegner Runde für Runde zu besiegen. Wer schon mal so ein taktisches Spielchen gespielt hat, weiß, wie die Sache hier abläuft.
Neben dem normalen rundenbasierten Taktik-Kram kommt bei Highwater der Umgebung eine besondere Rolle zu. Wenn ihr immer die Umgebung mit einplant, werden manche Kämpfe dadurch deutlich einfacher. Beispielsweise könnt ihr mit eurer Angel Feinde ins Wasser ziehen und später mit Elektro-Schocks erledigen. Oder ihr lockt Gegner vor einen offenen Container und zieht dann am Hebel, um ihn zu schließen. Manchmal habt ihr es sogar mit mehreren Parteien an Feinden zu tun. Lasst die wilden Tiere doch einfach in Ruhe und hetzt sie auf eure Feinde. Schön, wenn sich eine Fresspflanze um die anderen kümmert.
Mehr Luft nach oben
In dieser Hinsicht hatte ich bei Highwater viel Spaß. Nur leider verkamen die Kämpfe schnell zur Routine. Denn die Umgebung reißt es nicht immer raus. Daher verdient das Spielchen in dieser Hinsicht nur ein „nett“ – was man auch für den Rest sagen könnte. Denn auch grafisch wagt sich Highwater nicht in eigene Gewässer und lässt einige Polygone über Bord gehen. Das macht mir persönlich bei einem Indie-Spielchen nichts aus, ist aber dennoch stark Geschmackssache. Und damit komme ich zum Fazit.
Fazit
Das Abenteuer von Nikos und der Welt unter Wasser konnte mich nur so halbwegs überzeugen. Viel zu viel Potenzial wird hier leider von Demagog Studio und Rogue Games liegengelassen. Allen voran die Erkundung dieser Welt: Dachte ich anfangs, dass ich hier einige Geheimnisse aufdecken werde, wurde ich immer wieder enttäuscht. Hier schlummert so viel Potenzial. Dafür sind die Kämpfe samt der Einbindung der Umgebung durchaus gelungen. Nur schleicht sich hier nach einer Weile Routine ein. Und so landet Highwater auf einem soliden mittleren Platz, das dem Spiel leider nicht viel hilft, um lange im Gedächtnis zu bleiben. Dafür haben die Macher:innen aber ein gutes Grundgerüst entwickelt, um hier weiter aufzubauen.
Erhältlich für: PC, Xbox, PS, Switch
Website: demagogstudio.com/Highwater