Warner Bros. Games und Avalanche mussten mit dem Release von Hogwarts Legacy zeigen, ob sie dem Hype hinter dem Spiel gerecht werden können. Schon vor der Veröffentlichung wurde das Spiel jedoch zum Politikum, was an der Einstellung der Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling liegt. Darauf gehen wir hier im Test aber nicht ein, sondern beleuchten, ob das Spiel auch ohne den ganzen Hype unterhaltsam geworden ist.
Von Fans für Fans
Endlich gibt es wieder ein neues Abenteuer im zauberhaften Universum von Harry Potter. Doch in Hogwarts Legacy spielt ihr nicht den weltberühmten Zauberer, sondern erstellt euren ganz eigenen magisch begabten Charakter: Ob ihr nun eine Hexe oder ein Magier werdet, ist euch überlassen. Allein das ist schon ein Novum für die Marke und sorgte im Vorfeld für einige hitzige Diskussionen. Doch egal, wie ihr euch entscheidet, Warner Bros. versteht es den erstellten Avatar glaubhaft in diese magische Welt und Geschichte einzubinden. Denn ihr seid nicht irgendein Lehrling, sondern habt – Überraschung – besondere Fähigkeiten, die über die Norm hinausgehen.
So startet euer Abenteuer in der fünften Klasse in Hogwarts – nun ja, nicht ganz. Vorher werdet ihr Teil einer spannenden Intro-Sequenz, die als eine Art Tutorial dient. Bereits hier wird klar: Dieses Spiel will euch eine packende Geschichte erzählen. Natürlich verrate ich nicht, um was es geht. Aber schon die erste halbe Stunde zeigt, dass hier auf kleinste Details Wert gelegt wurde.
Schülerleben
Die ersten Stunden verbringt ihr in Hogwarts: Zwischen eurem Aufenthaltsraum und den Mär-schen zu unterschiedlichen Klassenzimmern hat das gigantische Schloss einiges zu bieten. Aufmerksame Spieler:innen werden an jeder Ecke amüsante und sehenswerte Details entdecken, die sie aus Filmen und den Büchern kennen. In dieser Spielzeit ist Hogwarts Legacy eher ein Adventure mit leichtem Action-Anteil und viel Erkundungsmöglichkeiten. Erst im weiteren Verlauf nimmt der Action-Part deutlich zu und verpasst euch weitere Möglichkeiten, wie ihr das Spiel genießen könnt.
Was ebenfalls direkt auffällt: Hogwarts Legacy nimmt sich Zeit für seine Geschichte – manchmal sehr viel Zeit. Die ersten Stunden werdet ihr oft in langen Dialogen mit euren Mitschüler:innen oder Professor:innen stecken. Schade, dass sich diese nicht überspringen lassen. Denn auf der eine Seite erfährt man hier unglaublich viel über die Welt der Zauberer. Auf der anderen Seite sollte man aber jedem die Wahl lassen, ob man das auch möchte.
Geheimnisse warten
Hat man seine ersten Zaubersprüche gelernt, erweitern sich die Möglichkeiten. In Hogwarts selbst ist alles auf das Suchen nach Schätzen ausgelegt. Mit jedem neuen Spruch entdeckt ihr mehr Geheimnisse, die die Schule zu bieten hat. Das bringt immer frischen Wind ins Geschehen, erfindet das Rad aber nicht neu. Warner Bros. hat sehr viele Secrets eingebaut, die teilweise aber nur Beschäftigungstherapie sind. Andere wiederum sind sehr unterhaltsam geworden, wie das Lösen von Codes, einfangen von Motten oder fliegende Schüssel zu ihren Schränken zu bringen.
Apropos Aufgaben: Natürlich bietet euch Hogwarts Legacy jede Menge Nebenaufgaben abseits der Hauptquests. Wenn ihr diese löst, warten neben Erfahrungspunkten auch neue Kleidungsstücke und Ausrüstungsgegenstände auf euch. Nur ab und an meint es das Spiel etwas zu gut mit euch, wenn ihr innerhalb von einer halben Stunde fünf neue Outfits findet, die immer bessere Statuswerte haben. Aber das ist meckern auf hohem Niveau.
Jedenfalls öffnet sich das Spiel mit jeder Minute immer weiter: Habt ihr am Anfang nur begrenzt Zugriff auf verschiedene Orte, geht es bald nach draußen und in die Open World. Anfangs noch zu Fuß, später dann auf dem Besen oder auf dem Rücken eines magischen Tierwesens. Die Atmosphäre fängt Hogwarts Legacy dabei blendend ein. Das muss man den Entwickler:innen schon lassen – sie verstehen was von Fan-Service und spannend präsentierten Geschichten.
Konzentration gefordert
Sobald es zum Kampf kommt, wird aus dem bislang gemütlichen Gameplay ein etwas forderndes Action-Spiel. Ihr dürft immer vier Zauber gleichzeitig ausrüsten, wenn ihr losstiefelt. Natürlich lassen sich diese Vier jederzeit wieder ändern. Nur in der Hitze des Gefechts kann das schon schwierig sein. Die Zauber sind in unterschiedliche Kategorien unterteilt. Manche sind nur Unter-stützung, wie der Lichtzauber Lumos.
Die meisten anderen können sowohl im Kampf als auch in der Erkundung genutzt werden, wie beispielsweise den "Herbeihol-Zauber" oder Entzündungszauber. Und hier kommt es auf das Element des Zaubers an: Im Kampf schützen sich einige Fieslinge mit Barrieren: Nur ein Zauber eines passenden Elements kann diese Barriere durchdringen. Das ist durchaus knifflig, wenn vier Widersacher mit unterschiedlichen Barrieren vor euch stehen. Aber man gewöhnt sich recht schnell an das Gameplay.
Was Hogwarts Legacy ebenfalls gut macht, ist die Balance zwischen Erkunden und Erlaufen. Denn dank praktischer Teleportstationen müsst ihr keine unnötigen Wege zurücklegen, wenn ihr nicht wollt. Auch das magische Buch in euren Händen weiß immer den Weg zum nächsten Auftrag. Apropos Auftrag: Manche Aufträge schienen beim Test nicht richtig miteinander verknüpft zu sein. So setzte ein Auftrag einen anderen voraus, den ich aber noch gar nicht erledigt hatte. Bis ich das herausfand, verging unnötig Zeit. Das nur als kleine Randnotiz.
Zauberhafter Hingucker
Grafisch spielt Hogwarts Legacy in einer hohen Liga: Sämtliche Modelle sowie Umgebungen strotzen nur so vor Details. Hin und wieder schlichen sich jedoch Beleuchtungs- oder Darstellungsfehler ein, was bei so einem großen Projekt aber zu verschmerzen ist. Insgesamt hält das Spiel die Magie aber damit immer auf einem hohen Niveau.
Insgesamt habt ihr sehr viel zu tun, wenn ihr nicht nur stur der Hauptgeschichte folgt: Ihr könnt Pflanzen züchten, Tiere hüten und pflegen, Besenturniere bestreiten, euer Zimmer einrichten oder Zauberduelle bestreiten. Mit Inhalten hält sich Hogwarts Legacy nicht zurück und verknüpft diese größtenteils auch auf charmante Art und Weise.
Fazit
Hogwarts Legacy ist ein durch und durch spaßiges Action-Adventure geworden. Spielerisch erfindet Avalanche und Warner Bros. Games das Rad zwar nicht neu, mischt es aber erfrischend neu zusammen. Über die kleinen technischen Fehler lässt sich aufgrund der detailreich gestalteten Welt locker hinwegsehen. Wer hier tiefer eintauchen möchte, hat eindeutig die Möglichkeit seine magischen Interessen zu verfolgen. Einzig schade ich der Fakt, dass man das Abenteuer nicht gemeinsam bestreiten kann. Das wäre das letzte Glimmen am Zauberstab gewesen. Davon ab kann ich das Spiel nur jedem Fan der Bücher wärmstens empfehlen.
Erhältlich für: PC, Xbox, PS, Switch
Website: hogwartslegacy.com/de-de