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Horrified: Dungeons & Dragons

Kooperative Monsterjagd mit D&D-Flair.

Horrified: Dungeons & Dragons fühlt sich an, als hätte jemand eine klassische Koop-Monsterjagd genommen, sie durch die D&D-Lizenz geschoben und dann mit richtig edlem Material verfeinert. Ihr bekommt ein hochwertiges Familien- bis Kennerspiel, das sofort Lust auf eine Runde macht, aber eher die Horrified-Formel mit D&D-Deko kombiniert, statt ein vollwertiges Dungeons-&-Dragons-Abenteuer zu erzählen – und genau da liegt seine Stärke, aber auch eine kleine Enttäuschung für Rollenspiel-Fans.

Liebe auf den ersten Blick

Schon beim Auspacken merkt man, wie hochwertig Ravensburger das Ganze produziert hat. Der Spielplan zeigt die vielfältige Welt in schönen Details: Das Schloss oder das Gasthaus von Tiefwasser und die darunter liegende Unterberg-Region mit Schädelhafen und Wyllow Wald in satten Farben – hier will man tiefer eintauchen.

Die vier Monster-Minis (Betrachter, Täuschungsbestie, Mimik, Roter Drache) sind ebenfalls toll gestaltet und müssen zunächst genauer betrachtet werden, bevor die erste Runde startet. Die fünf verschiedenen Helden stehen stark illustriert auf ihren Plastikständern. Selbst Ausrüstungs- und Bonus-Karten sehen sehr detailliert und so spannend aus, dass man sich anfangs fragt, was es damit auf sich hat.

Klassiker-Horrified im D&D-Kostüm

Mechanisch bleibt Horrified: Dungeons & Dragons dem Grundrezept der Reihe treu: kooperativ, zugängliche Regeln, aber mit genug Druck, damit es nie gemütlich wird. Ihr wählt einen Helden (Schurke, Kämpferin, Magier etc.), die sich durch Spezialaktionen angenehm unterschiedlich spielen. Der Schurke sammelt z.B. besonders effizient Ausrüstung, die Kämpferin kann Schaden verhindern oder Monsterkarten blocken, der Magier verschiebt Figuren auf dem Brett.

Pro Zug habt ihr eine begrenzte Zahl an Aktionen (laufen, Dinge aufsammeln, Rätsel-Fortschritt, Bürger retten), dann sind die Monster dran: große Begleit-Karten steuern ihre Bewegung, Effekte und Angriffe; steigt die Terror-Leiste zu hoch oder geht der Monster-Deck-Stapel aus, verliert ihr gemeinsam. Hört sich beim ersten Lesen etwas kompliziert an, ist aber im Grunde sehr schnell erlernt.

Jedes Biest eine Herausforderung

Der Clou ist der puzzleartige Aufbau jeder Bestie. Jedes der vier Kult-Monster – Betrachter, Mimik, Täuschungsbestie, Roter Drache – hat ein eigenes Mini-Rätsel, das ihr erst lösen müsst, bevor ihr sie endgültig zur Strecke bringen dürft. Beim Betrachter geht es etwa darum, bestimmte Punkte in Unterberg zu deaktivieren, beim Mimik um das Entlarven der richtigen „Truhen“, beim Roten Drachen sogar um zwei separate Aufgaben, die seinen Boss-Charakter unterstreichen. Das fühlt sich angenehm thematisch an, bleibt regeltechnisch aber auf familientauglichem Niveau.

Dass das Spiel kooperativ ist, ist für mich ein echter Pluspunkt: Statt sich wie im Rollenspiel gegenseitig auszuspielen, plant ihr gemeinsam Zugreihenfolgen, diskutiert, wer welchen Bürger rettet, wo Ausrüstungen liegen bleiben dürfen und welche Monster-Kraft man als nächstes abfedert. Das erzeugt schnell dieses typische „Wir gegen das Spiel“-Gefühl, ohne dass jemand den kompletten Abend als Spielleitung alles erklären muss, wie es bei einem typischen D&D-Abend der Fall wäre.

D&D-Flair, aber nur dünner Plot

Wo Horrified: Dungeons & Dragons viele Herzen gewinnt, ist das Setting – aber genau da schimmert auch ein wenig meiner Kritik durch. Die D&D-Lizenz wird vor allem über Orte, Monster und Optik transportiert: Tiefwasser, Unterberg, ikonische Kreaturen, bekannte Symbole, sogar ein klassischer W20-Würfel kommt für bestimmte Effekte ins Spiel. Fans erkennen sofort, wo sie sind, und feiern, wie gut das Brett die Mischung aus Stadt und Dungeon einfängt.

Was allerdings fehlt, ist eine echte Hintergrundstory im D&D-Sinne. Es gibt kein durchgehendes Szenario im Rollenspielstil mit Prolog, fortlaufender Handlung und dramatischem Finale, sondern eher eine Reihe von „Aufträgen“ im Horrified-Rahmen: Wählt Monster-Kombination, setzt sie auf den Plan, los geht’s.

Für ein normales Koop-Spiel wäre das völlig okay. Aber mit dem D&D-Logo auf der Schachtel schwingt für viele automatisch die Erwartung mit, dass man eine richtige Kampagne oder zumindest ein mini-narratives Gerüst bekommt. Wenn ihr einfach ein zugängliches Koop-Spiel im D&D-Look sucht, funktioniert das super. Wenn ihr euch eine Art „Einsteiger-RPG in Brettspielform“ erhofft habt, wirkt die erzählerische Ebene dagegen etwas dünn.

Regeln, Sprache & Zugang: Kleine Stolpersteine

Die Grundregeln von Horrified sind schnell erklärt und man kommt schnell ins Spiel: Aufbau, Aktionen, Monsterzüge – nach einer Partie hat man den Ablauf drin. Was hier aber auffällt ist, dass die Regelhefte und Karten nicht perfekt redigiert sind: Kleine Tippfehler, gelegentliche Formulierungen, die etwas holprig oder missverständlich wirken („120-seitiger Würfel“ anstelle „1 20-seitiger Würfel“), und in der deutschen Sprachversion merkwürdige Übersetzungen für die Monster – technisch zwar korrekt, aber in der Fangemeinde meist auf Englisch bekannt.

Für erfahrene Spieler ist das kein Beinbruch, aber gerade im D&D-Kontext wäre eine saubere Lokalisation angenehmer gewesen. Wenigstens bei den Monsternamen hätte man das anpassen können.Positiv ist immerhin, dass die Kernmechanik simpel genug bleibt, damit diese Patzer das Spiel nicht ausbremsen.

Fazit: Starker Koop-Monsterjäger mit „D&D light“-Gefühl

Horrified: Dungeons & Dragons ist unterm Strich ein sehr hochwertiges, stimmungsvoll illustriertes Koop-Brettspiel, das den Horrorified-Baukasten clever mit D&D-Monstern, Abenteuer-Flair und ein paar neuen Kniffen wie dem W20-Würfel verknüpft. Das Material überzeugt, der Blick auf Spielplan, Monster und Karten macht sofort Lust auf eine Partie, und das kooperative Puzzle gegen Betrachter, Mimik & Co. entfaltet schnell einen „Noch eine Runde“-Sog – gerade weil Monster-Kombinationen und Schwierigkeitsgrad flexibel skalieren.

Auf der anderen Seite bleibt das Spiel thematisch eher ein stark dekoriertes Horrified als eine vollwertige D&D-Geschichte: Die Story ist kaum mehr als Rahmen, kleine Tippfehler und Übersetzungs-Macken im Regelheft fallen auf, und wer ein erzählerisch dichtes Dungeons-&-Dragons-Erlebnis erwartet, muss seine Erwartungen anpassen.

Wenn ihr aber genau wisst, was ihr wollt – ein kooperatives, optisch tolles Monsterjagd-Spiel mit D&D-Anstrich, das flott erklärt ist und sich hervorragend als Brettspiel-Abend-Titel im D&D-Freundeskreis eignet – dann ist Horrified: Dungeons & Dragons eine sehr lohnende Ergänzung im Regal.

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