Schon beim Titel „Hot Rod Mayhem“ wird klar: Hier geht es nicht um leise Fahrten im Morgennebel oder um die digitale Perfektion eines Forza, sondern um wildes Arcade-Racing, quietschende Reifen, quietschbunte Lackierungen und jede Menge Blechschäden. Das von Casual Brothers entwickelte Spiel will den legendären Hot-Rod-Mythos in ein durchgeknalltes, actionorientiertes Rennvergnügen verwandeln. Doch schafft „Hot Rod Mayhem“ den Spagat zwischen spaßigem Krawall und gutem Fahrgefühl? Wir haben die Xbox-Version auf die Teststrecke geschickt.
Vollgas von der ersten Kurve an
Betritt man das Spiel, fühlt man sich wie bei einem Roadtrip durch die Popkultur der 50er und 60er: Chrome, Flammen, Pinstripes, scharfe Linien – und der Geruch von verbranntem Gummi liegt förmlich in der Luft. Allerdings ist das hier die bunte Comic-Version dieser Zeit. Wer auf die Opulenz einer „Forza Horizon“ wartet, wird schnell merken: „Hot Rod Mayhem“ fährt eine ganz eigene, bewusst überdrehte Linie.
Du steigst ein, suchst dir eines der witzig aufgemotzten Hot Rods aus – vom Raketen-Schlitten bis zum aufgebohrten Kühlschrank auf Rädern ist alles dabei – und schon geht’s los. Die Rennen selbst sind von Anfang an auf Spektakel getrimmt. Strecken winden sich durch bunte Hinterhöfe, sonnige Strände oder dichte Dschungel. Dabei setzt das Spiel nicht auf Realismus, sondern ganz klar auf Spaß und Tempo: Jeder Sprung und jedes Driften werden mit Boost-Punkten und Effekten belohnt.
Arcade pur, Physik über Bord
Während Rennspielgrößen wie „Gran Turismo“ oder „Forza Motorsport“ mit realistischen Fahrmodellen glänzen, wirft „Hot Rod Mayhem“ die Gesetze der Schwerkraft mit einem breiten Grinsen aus dem Fenster. Die Steuerung ist zugänglich, die Wagen reagieren direkt und lassen sich im Überschlag durch die Kurven prügeln. Kollisionen? Hier hat niemand Grund zum Ärgern. Im Gegenteil: Chaos ist erwünscht, wenn du durch Objekte auf der Strecke bretterst. Da das Fahrerfeld die Größe von kleinen Action-Figuren hat, werden Hindernisse wie Skateboards, Fußbälle oder ein offener BBQ-Grill zur Herausforderung für alle Teilnehmenden.
Power-Ups sind verteilt wie Smarties, und das Tempo ist stets hoch. Das Gameplay erinnert sehr an „Mario Kart“ im Hot-Rod-Gewand als an einen klassischen Rennsimulator. Gerade im lokalen Multiplayer entfaltet das Spiel seinen Krawall-Charme und sorgt für Lacher, Schadenfreude und manchmal auch gezielte Revanche-Aktionen. Wer sich an Arcade-Oldies wie „Micro Machines“ oder „Destruction Derby“ erinnert fühlt, liegt goldrichtig.
Abwechslung, Spaßfaktor und Präsentation
Trotz der sehr simplen Grundidee wird Abwechslung groß geschrieben. Unterschiedliche Rennmodi – darunter klassische Rennen, Eliminator-Battles und verrückte Events – wechseln sich ab. in der Kampagne fahrt ihr von einem Cup zum nächsten. Davor müsst ihr aber jedes Mal ein bestimmtes Event abschließen, um den entsprechenden Cup überhaupt fahren zu dürfen. Das reicht von Zeitrennen über knifflige Rennen gegen Elektrobälle. Kurz gesagt: Das Design ist überdreht, farbenfroh und voller Easter Eggs für Genre-Fans, auch wenn die Grafik technisch nicht an die Großen des Xbox-Portfolios heranreicht. Dafür ist alles rasant, übersichtlich und charmant in Szene gesetzt.
Kritik und Langzeitspaß
Natürlich ist „Hot Rod Mayhem“ kein Spiel für Realismus-Fetischisten. Die Physik ist überdreht, die Wagen verhalten sich manchmal wie Flummis, und bei KI-Gegnern rückt Fairness oft in den Hintergrund. Gerade im Solospiel merkt man, dass die Gummiband-KI oft den eigenen Turbo ausbremst oder dir mit aberwitzigen Stunteinlagen die Führung entreißt. Nach mehreren Stunden können sich die Strecken trotz aller optischen Gags wiederholen und die Upgrade-Möglichkeiten für die Hot Rods sind limitiert. Zudem sind mir die Strecken bzw. die mehrfachen Runden darüber oftmals einfach zu lang. Für meinen Geschmack hätten beispielsweise zwei anstatt drei Runden über eine Strecke durchaus gereicht.
Dennoch bleibt das große Plus des Spiels sein Spaßfaktor: Im Splitscreen mit Freunden oder im Online-Modus entfaltet „Hot Rod Mayhem“ seine anarchische Energie und sorgt für viele lustige Momente.
Fazit: Arcade-Feuerwerk
„Hot Rod Mayhem“ ist eine Liebeserklärung an das unkomplizierte, hemmungslos überdrehte Arcade-Racing der alten Schule. Es bietet schnelle, spektakuläre Rennen, jede Menge Humor und ein Spielgefühl, das eher an eine wilde Jahrmarkt-Attraktion erinnert als an einen realistischen Rennsimulator. Technisch bleibt es überschaubar, setzt aber dafür auf eine charmant-chaotische Präsentation und einen hohen Mehrspielerspaß. Wer Benzin im Blut hat, aber keinen Bock auf den Perfektionismus der großen Genre-Kollegen, bekommt hier einen spaßigen, leicht zugänglichen Racer, der wie gemacht ist für schnelle Runden mit Freunden und jede Menge Krawall.
Erhältlich für: Switch, Xbox, PC, PS
Webseite: casualbrothers.com/hot-rod-mayhem