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Hunt: Showdown

Die Jagd ist eröffnet – fragt sich nur, wer hier der Jäger und wer der Gejagte ist. Ein Katz-und-Maus-Spiel der Extraklasse.

Als ich mich hinsetze, um den Test zu „Hunt: Showdown“ zu schreiben, stelle ich erschrocken fest, dass bereits eine Woche vergangen ist, seitdem ich das erste Mal in das Spiel eingetaucht bin. Da frage ich mich, wohin die letzten sieben Tage so schnell gegangen sind.

Die Entwickler von Crytek haben das wohl zu verantworten – und ich danke ihnen dafür. Denn „Hunt: Showdown“ ist ein richtig dicker Wurf, der das Studio endlich wieder auf Kurs bringen könnte.

Das Ende der Durststrecke

Um eins gleich klarzustellen: Ich mag die Spiele von Crytek. Es war nur in den letzten sechs Jahren so, dass sie mich immer etwas enttäuscht haben – aber auf einem sehr hohen Niveau. „Crysis 3“ aus dem Jahre 2013 war das letzte große Ding, das mich wochenlang gefesselt hatte.

Spiele wie „Ryse: Son of Rome“ oder die VR-Titel „The Climb“ und „Robinson: The Journey“ waren technisch zwar allererste Sahne, aber spielerisch etwas mau. Das ändert sich mit „Hunt: Showdown“ nun aber gewaltig. Denn was wir hier haben, könnte der Beginn eines neuen Genres sein – denn so recht kann ich den Titel noch nicht verorten.

Daher versuche ich euch mal den Spielablauf zu erklären. Zunächst einmal finde ich das Setting einfach umwerfend: Wir befinden uns irgendwo im amerikanischen Mississippi-Delta zum Ende des 18. Jahrhundert. Alles wimmelt hier nur so vor Zombies und anderen Kreaturen, deren einziges Ziel euer Tod ist. Wenn man sich da nicht herzlich willkommen fühlt.

Crytek liefert euch zu Beginn zwei riesige Karten, die mit jeder Menge Detailverliebtheit punkten. So glaubwürdige Umgebungen habe ich selten in einem Spiel erlebt. Und der grafische Detailgrad ist faszinierend.

Die ersten Runden habe ich mich zwingen müssen, nicht immer wieder eine Pause einzulegen, um die Gegend zu bewundern – denn das kann tödlich enden. Womit wir schon beim eigentlich Spiel wären.

Bereit für die große Jagd?

„Hunt: Showdown“ ist grundsätzlich mal ein Ego-Shooter oder Ego-Schleichspielchen – je nachdem, wie ihr an die Sache rangeht. Hier spielt ihr keine Singleplayer-Kampagne, sondern seid immer online unterwegs. Zu Beginn einer Partie wird euer Alter-Ego, ein erfahrener Jäger, irgendwo auf der Karte abgesetzt. Ab da an geht der Spaß los.

Ihr habt insgesamt eine Stunde Zeit, um euren Vertrag zu erfüllen. Dieser sieht vor, dass ihr ein oder zwei Monster zur Strecke bringt. Allerdings müsst ihr diese Viecher erst einmal aufspüren. Das macht ihr, indem ihr drei Hinweise auf der Karte abklappert – dank euerer übersinnlichen Dunkelsicht-Fähigkeit kein großes Problem.

Danach erhaltet ihr den genauen Aufenthaltsort des Monsters. Anschließend begebt ihr euch dorthin, tötet das Ungetüm, schickt es zu den ewigen Jagdgründen und macht euch mit dessen Trophäe zum Extraktionspunkt auf der Karte. Eigentlich hört sich das jetzt nicht sonderlich neu an. Aber es gibt ein paar Haken an der Sache, wie ihr jetzt erfahren werdet.

Zunächst einmal stellen die auf der Karte zufällig verteilten Monster immer wieder eine Gefahr dar. Ob ihr sie nun umschleicht oder den Garaus macht, ist euch überlassen. Viel gefährlicher sind allerdings die anderen Jäger, die ebenfalls von menschlichen Spielern übernommen werden. Es machen sich in jeder Partie bis zu zwölf Jäger auf die Suche nach dem Monster – ihr seid also nie alleine.

Das macht die Sache also anspruchsvoller. Den richtigen Adrenalinkick gibt euch die Tatsache, dass der Tod eures Jägers ein endgültiger ist. Stirbt euer Jäger, war es das mit diesem Charakter. Alles, was er bei sich trug, ist damit futsch. Daher solltet ihr euch also gut überlegen, ob ihr wirklich in Rambo-Manier durch das Gebiet ziehen wollt. Beobachten und lauschen ist wesentlich effektiver. Womit wir schon beim nächsten Punkt wären.

Es gibt was auf die Ohren

Die Geräuschkulisse spielt in „Hunt: Showdown“ eine wesentliche Rolle: Crytek versteht sich blendend darauf, euch mit musikalischen Feinheiten auf Trab zu halten. Das fängt schon bei der genialen Sounduntermalung im Menü an, das mich an alte Western erinnert. Spielt „Hunt: Showdown“ daher unbedingt mit Kopfhörern!

Auf den beiden Karten werden sich die Kopfhörer lohnen: Das Herz schlägt schneller, wenn in eurer Nähe plötzlich Vögel aufgescheucht werden, Hunde anfangen zu bellen, Ketten rasseln, Scherben klirren oder ein Schuss zu hören ist. Das bedeutet, dass sich ein anderer Spieler in der Nähe befindet. Geht ihr dem Geräusch nun nach oder lauert ihr im Gebüsch?

Diese taktischen Entscheidungen sind es, die euch selbst nach der x-ten Runde bei Laune halten werden. Es gab keine einzige Runde, in der mein Puls nicht plötzlich durch ein Geräusch in die Höhe geschossen wäre. Noch besser wird das Erlebnis, wenn ihr euch mit Freunden auf die Jagd begebt: Entweder im Zweier- oder Dreierteam könnt ihr die Karten abklappern.

Dadurch gewinnen die Aufträge eine völlig neue Dynamik. Und es ist ein triumphales Gefühl, wenn ihr gemeinsam ein gegnerisches Team ausgeschaltet habt oder mit eurer Trophäe den Extraktionspunkt erreicht habt. Besonders die Sache mit der Trophäe ist so eine knifflige Angelegenheit: Sobald ihr die Trophäe im Besitz habt, kann euch jeder andere Jäger auf der Karte sehen – da steigt der Puls.

Schafft ihr es zum Extraktionspunkt und verteidigt dieses für 20 Sekunden, könnt ihr euch auf fette Beute freuen. Ihr habt aber auch die Möglichkeit, das Spiel so zu verlassen und auf einen Großteil der Beute zu verzichten – dafür aber euer Leben zu behalten. Clever gelöst von Crytek.

Das Gunplay hat Crytek übrigens auch wieder hervorragend umgesetzt. Ich kann euch persönlich nur empfehlen, dass ihr die Steuerung als Jäger nutzen sollt, bei dem ihr Schusswaffen erst ziehen müsst, um sie abzufeuern. Die andere Variante fühlt sich arcade-mäßiger an und veranlasste mich, dass ich schneller einen Schuss abgab, obwohl Schleichen oftmals die bessere Lösung war.

Fazit

Bevor ich „Hunt: Showdown“ noch weiter in den Himmel lobe, mache ich es kurz: Kauft euch diese Spieleperle, wenn ihr mit dem Genre des Shooters auch nur im Entferntesten etwas anfangen könnt. Was Crytek hier abliefert, sucht seinesgleichen und zeigt, wie man mit kreativen Einfälle auch heutzutage noch frische Spielideen auftischen kann.

„Hunt: Showdown“ hat das Zeug, auf die Top-3-Liste dieses Jahres zu kommen. Vielen Dank an die Entwickler für so eine großartige Leistung!

Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC
Website: huntshowdown.com