Ich mag „Serious Sam“: Die coolen Sprüche, der derbe Humor und dann noch das befriedigende Dauergeballer in den Spielen. Wenn dann also ein Spiel namens „I Hate Running Backwards“ von Publisher Devolver und Entwickler Binx Interactive erscheint, in dem Sam in einer Pixelversion die Hauptrolle übernimmt, soll es mir also Recht sein. Geballert wird hier schließlich auch.
Das Spielprinzip ist schnell erklärt: In zufallsgenerierten Szenarien läuft euer Held rückwärts dem oberen Bildschirmrand entgegen. Von unten (später auch von der Seite) strömen immer wieder Feinde auf euch zu, die es zu erledigen gilt. Alles was ihr machen müsst: Ballern, was das Zeug hält, nicht getroffen werden und immer wieder Munition einsammeln. Ein lockeres Vergnügen, das ganz unterhaltsam ist. Die pixeligen Helden, Monster und Umgebungen fallen dabei kaum ins Gewicht – es ist einfach Geschmackssache. Doch an dieser Stelle gibt es ein dickes „ABER“ …
Hart, härter, Sam
Fangen wir mal mit dem Schwierigkeitsgrad an: Wählt ihr Serious Sam als Charakter, dann habt ihr drei Herzen, was also drei Treffer bedeutet. Nicht sonderlich viel, aber das passt schon – bis der erste Endboss kommt. Dieser Skorpion-König deckt euch derart schnell mit Kugeln ein, dass die Herzen schneller weg sind, als euch lieb ist.
Alle anderen Charaktere, die ihr anfangs zur Auswahl habt, verfügen übrigens nur über zwei Herzen. Nach jedem Tod geht der Spaß, der ganz langsam in Frust umschwingt, wieder von vorne los. Irgendwann beim dritten oder vierten Anlauf kam mir plötzlich eine Idee, wie ich es mit dem Obermotz aufnehmen kann, ohne zu viel Schaden zu kassieren: Als mich ein stinknormaler Gegner mit einem Raketenwerfer unter Beschuss nahm, drückte ich aus Versehen auf den Nahkampfknopf – und siehe da: Die Rakete wurde zurück zum Absender geschleudert und vernichtete ihn. Na das ist ja mal praktisch.
Manche fragen sich sicherlich, ob ich nicht beim Tutorial aufgepasst habe, in dem diese und andere hilfreiche Funktionen innerhalb von 30 Sekunden erklärt werden. Zu meiner Verteidigung: Es gibt kein Tutorial oder eine Erklärung, wie alles funktioniert. Doch mit diesem simplen „Trick“ des Zurückschleuderns werden einige Passagen um einiges leichter. Dennoch ist der erste von sechs Bossen kein Zuckerschlecken – aber immerhin nun machbar.
Die Evolution bleibt aus
Nachdem ich den Riesenskorpion also besiegt hatte, dauerte es nicht lange und der virtuelle Tod ereilte mich erneut. Anstatt nun wieder von Anfang an zu spielen, setzte mich das Spiel hinter Boss Nummer 1 ab. Doch nach drei oder vier Anläufen hatte ich keine Lust mehr und verschob den nächsten Run auf einen späteren Zeitpunkt: als ich das Spiel nach vier Stunden wieder anschmiss, staunte ich nicht schlecht.
Mein Fortschritt war dahin und ich musste erneut von vorne beginnen. Beim Recherchieren, ob es sich hier um einen Bug handelt, stieß ich auf ähnliche Berichte. Kurzum: Solange ihr das Spiel nicht verlasst, wird euer Fortschritt gespeichert. Schaltet ihr die Konsole aus, war es das auch mit eurem letzten Speicherpunkt – obwohl euch die erspielten Punkte, Waffen oder Charaktere erhalten bleiben. Aber das tröstet mich ehrlich gesagt sehr wenig.
Aber das Staunen ging weiter: Ich wollte natürlich auch mal einen Blick auf den lokalen Multiplayer-Modus werfen und lud einen Freund ein. Gemeinsam liefen wir durch die bunten Welten und ballerten alles nieder. Das Merkwürdige: Sobald einer von uns starb, musste der andere nur 30 Sekunden durchhalten und – schwups – war der andere wieder da – mit vollen Lebenspunkten.
Auf diese Weise wird „I Hate Running Backwards“ zwar nicht zum Kinderspiel, aber eine ordentliche Schippe leichter. So stimmte der Spaß-Faktor plötzlich wieder. Aber auch hier war die Sache mit dem Fortschritt genau die gleiche: Konsole aus, Fortschritt futsch.
Fazit
Am Ende des Tages ist „I Hate Running Backwards“ eher etwas für den kleinen Spaß zwischendurch oder für Leute, die sich gerne selbst drangsalieren: Im Solo-Modus ist das Werk von Binx Interactive ein echtes Brett, was den Schwierigkeitsgrad angeht. Auch nachdem ihr alles Funktionen selbst erarbeitet habt, weil es kein Tutorial gibt, ist das Baller-Abenteuer nicht wirklich leichter.
Das „Feature“ mit den sich löschenden Checkpoints nach einem Neustart sollten die Macher schleunigst ändern, wenn sie ihre Käufer länger bei Laune halten sollten. Meines Erachtens nach zielt das Spiel in erster Linie auf muntere Koop-Action ab: Denn sobald euch ein Kumpel ins Gefecht begleitet (leider dürfen nicht mehr Leute ran), sieht die Sache mit dem Schwierigkeitsgrad plötzlich ganz anders aus. In diesem besonderen Fall geht das Konzept auf und die Unterhaltung stimmt – zumindest für eine kurze Weile.
Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC, Switch
Website: croteam.com/i-hate-running-backwards