Freunde von rundenbasierten Taktikspielen können sich auf dieses Werk aus Schweden freuen: Palindrome Interactive serviert euch einen interessanten Strategie-Leckerbissen, der zwar nicht perfekt ist, aber über weite Strecken unterhält. All das wurde in das düstere Gewand einer Vampir-Saga gepresst – und leicht zu Größen des Genres rüber geschielt …
Irgendwie vertraut
Bereits nach den ersten Minuten fühlte ich mich bei „Immortal Realms: Vampire Wars“ wohl. Der Grund? All das hier erinnert mich sehr stark an „Heroes of Might & Magic“ – meine Lieblingsstrategie-Reihe aus dem letzten Jahrhundert. Und das ist durchaus als Kompliment zu verstehen! In „Immortal Realms: Vampire Wars“ startet ihr normalerweise mit einem Heerführer und einer kleinen Armee auf der Übersichtskarte.
Von dort aus plant ihr euren Feldzug durch die verschiedenen Gebiete. Eine kleine Empfehlung zu Beginn: Startet unbedingt mit der Kampagne: Dort werdet ihr durch drei Kapitel á vier Missionen geführt. Auf diese Art werdet ihr bestens an das Spiel und die Mechanik herangeführt. Habt ihr die Kampagne hinter euch, dürft ihr euch im Sandbox-Modus nach eigenen Regeln austoben, wenn ihr wollt. Aber keine Sorge: Die Kampagne allein wird euch schon locker 15 bis 20 Stunden beschäftigen – je nach eurem Tempo und Schwierigkeitsgrad.
Langsam ans blutige Werk
Nochmals zurück zum Beginn. In der Startkampagne um den finsteren Fürsten Graf Dracul lernt ihr die grundlegenden Prinzipien des Spiels näher kennen. Jedes Heer – später könnt ihr nämlich mehrere Trupps haben – bewegt sich auf der Übersichtskarte so lange, wie Aktionspunkte vorhanden sind. Mit den Aktionspunkten könnt ihr euch nicht nur bewegen, sondern auch angrenzende Gebiete beanspruchen, Leute rekrutieren, Gebäude aufbauen, Gegner angreifen oder Karten besorgen.
Karten besorgen? Genau! Das ist nämlich das zweite Standbein von „Immortal Realms: Vampire Wars“. Ähnlich wie bei anderen interaktiven Kartenspielen á la „Hearthstone“ oder „Magic: The Gathering“ spielen hier Karten mit in die Gefechte. Mit solchen Karten könnt ihr in bestimmten Situationen Vorteile ausspielen.
Lasst mich das an einem kleinen Beispiel verdeutlichen: Anfangs fand ich eine Karte, die mir direkt 15 Blut gewährte – die Währung im Spiel. Diese Karte konnte ich auch außerhalb eines Kampfes einsetzen. Die nächste Karte ließ Bürger in meine Siedlung einwandern, was mir jede Runde extra Blut gewährte.
Eine dritte Karte schenkte mir gleich 300 Erfahrungspunkte und ließ mein Heer aufsteigen. Später gewährte mir eine Karte mehr Lebenspunkte für eine bestimmte Dauer oder verschaffte mir einen Rabatt bei Händlern oder in der Schmiede. Ihr seht also: Die Karten lassen sich taktisch und strategisch einsetzen und beeinflussen den Werdegang eures Heers ein wenig.
Seid ihr fähig?
Richtig interessant jedoch sind die Fähigkeiten eurer Heeresführer. Steigt ihr im Level, so könnt ihr aus einem Skill-Tree Verbesserungen heraussuchen. Ganz nach eigenem Ermessen entscheidet ihr dann, ob ihr lieber mehr aushalten wollt, eure Truppen passiv unterstützt oder auf mehr Mana-Punkte zurückgreifen wollt – womit wir schon beim Herzstück von „Immortal Realms: Vampire Wars“ wären, den Kämpfen.
Die Kämpfe erinnerten mich ebenfalls an Gefechte aus Genre-Vertretern: Anfangs wählt ihr die Startposition eurer Einheiten und anschließend geht es rundenbasiert weiter. Je höher die Initiative einer Truppe, desto früher und öfter darf sie sich bewegen. Über ein recht übersichtliches Areal bewegt ihr so eure Truppen, stellt sie taktisch gut auf (Bogenschützen nach hinten usw.) und macht dann Jagd auf eure Feinde. Flankenangriffe gewähren einen Bonus, wie man es von anderen Spielen kennt.
Zusätzlich gibt es auf den Schlachtfeldern besondere Punkte, die euch Extra-Fähigkeiten spendieren. So könnt ihr euch beispielsweise überall auf dem Schlachtfeld hin teleportieren, wenn ihr in der Nähe eines magischen Portals steht – sehr praktisch für Überraschungsangriffe.
Eurer Heerführer verfügt zudem über mächtige Fähigkeiten, die über Sieg und Niederlage entscheiden können: So führt ihr beispielsweise gigantische Hiebe aus, die Gegner in der gesamten Umgebung schaden oder ihr legt einen magischen Schild auf andere Truppen. Ihr habt jedenfalls viel Zeit zum Experimentieren. Überstehen eure Truppen ein Gefecht, steigen sie im Level auf und werden so immer stärker.
Bauen auf alte Stärken
Wie bereits angedeutet: „Immortal Realms: Vampire Wars“ erfindet das Genre nicht neu, nimmt sich aber gute Zutaten aus anderen Spielen und vermischt diese zu einem leckeren Strategiegericht. Nach der Kampagne hatte ich zwar genug vom relativ monotonem Spielablauf, fühlte mich aber auch bestens unterhalten.
Einzig bei der Steuerung per Gamepad war ich manchmal etwas verwirrt, weil es nicht immer intuitiv ist. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich raus hatte, wie ich Skill-Punkte verteilte oder neue Einheiten rekrutierte. Zum Glück haben die Entwickler dem etwas entgegengewirkt, indem sie rechts am Bildschirm offene Positionen platziert haben. Dadurch seht ihr direkt, ob ihr noch Einheiten mit Aktionspunkten habt oder Erfahrungspunkte verteilen könnt. Ein Klick darauf, führt euch an die entsprechende Stelle. Praktisch. Sonst wäre ich wohl etwas verzweifelt.
Fazit
„Immortal Realms: Vampire Wars“ hat mich seit Langem mal wieder daran erinnert, dass ich Strategiespiele eigentlich sehr zu schätzen weiß. Ich habe mir gerne die Vampirkriege angeschaut und taktisch agiert – auch wenn es ein Weilchen gedauert hat, bis ich voll in der Steuerung drin war.
Es setzt jetzt vielleicht keine neuen Maßstäbe, macht seinen Job als unterhaltsames Werk aber recht gut. Wer also Lust auf etwas Taktik-Herausforderung im Vampir-Optik hat, kann hier ruhig bei Publisher Kalypso Media zugreifen.
Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC, Switch
Website: palindromeinteractive.com