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In Sound Mind

Morddrohungen und Wahrnehmungsstörungen: Wenn da mal nicht jemand vom eigenen Job eingeholt wird.

Bitte gebt mir keine Waffe in die Hand! Das denke ich jedes Mal, wenn ich ein Horror-Game anspiele. Denn als großer Angsthase weiß ich, dass kaum (oder weniger beeinflussbare) Gefahr droht, wenn ich keine Waffe in der Hand habe. Sobald ich ein Messer oder eine Knarre bekomme, lauert der Tod an jeder Ecke. In Sound Mind von We Create Stuff und Publisher Modus Games macht da keine Ausnahme. Allerdings komme ich dort auch als ängstliche Natur auf meine Kosten.

Ab nach unten!

Natürlich startet In Sound Mind in einem dunklen Keller – wo auch sonst?! Dort taste ich mich anfangs noch etwas schüchtern vor, bis ich bemerke, dass ich keine Waffe zur Hand habe. Was soll mir also schon passieren?! Nach ein paar kleinen Rätseln habe ich die Atmosphäre in mich aufgesaugt und bekomme tatsächlich eine Knarre an die Hand – oh Gott, jetzt bin ich nirgends mehr sicher.

In Sound Mind weiß sein Publikum zu erschrecken – nicht mit plumpen Scare-Jumps, sondern auch durch psychische Tricks. Wobei wir bei einem guten Stichwort wären. Denn tragischer Held des First-Person-Grusel-Abenteuers ist Desmond Wales, seines Zeichens Psychiater. Anscheinend ist er nicht mehr bei klarem Verstand.

Denn das Gebäude, in dem sich seine Wohnung befindet, ist irgendwie anders: Keine Menschen mehr, überall giftiger Abfall und zudem immer mal wieder ein Telefon, das mich aufschrecken lässt, wenn es klingelt. Am anderen Ende ist Desmonds persönlicher Stalker, der sich den Tod des Psychiaters wünscht. So kommt man doch prima durch den Tag, oder?!

Spiel ab!

Um herauszufinden, was hier eigentlich vor sich geht, darf Desmond verschiedene Schlüsselerinnerungen seines Lebens erneut erforschen. Dazu müsst ihr allerdings die passende Kassette finden – wenn ihr noch wisst, was das ist. Anschließend abspielen und schon landet ihr im entsprechenden Szenario. Damit hat sich We Create Stuff einen schönen Kniff ausgedacht, wie man immer wieder das Setting auffrischen kann, ohne dass es langweilig wird. Gefällt mir.

Zudem warten am Ende solcher Levels meist ausgewachsene Persönlichkeitsstörungen von Desmond, die als Endgegner dienen – womit wir auch schon beim nächsten Punkt wären. Kommen wir wieder zu der eingangs erwähnten Knarre: Denn bei In Sound Mind habt ihr es natürlich auch mit Gegnern zu tun. Bei den ersten Begegnungen mit den lebendig gewordenen Rohrschach-Mustern hab ich mir noch sachte ins Höschen gemacht.

Aber mit der Zeit stumpft man etwas ab, so dass spätere Erscheinungen mir lediglich ein Zucken über die Schultern jagten und instinktiv den Abzug an der Wumme auslösten. Anders als bei anderen Genre-Vertretern strahlt hier weniger Gefahr von den Gegnern aus als beispielsweise in einem Resident Evil. Das liegt zum einen an der großzügigen Lebenspunkteleiste, zum anderen aber auch dem noch großzügigeren Munitionsnachschub.

Monster mit weniger Biss

Hinzu kommt, dass die normalen Monster meist nach einem Kopfschuss aufgeben. Dickere Brocken vertragen schon ein paar mehr, sind aber auch zu meistern. Und wenn sie euch mal zu nah kommen, kann Desmond schnell das Weite suchen – man, kann der rennen. All diese Faktoren machen In Sound Mind für mich um einiges angenehmer, weil ich langsam meine Ängstlichkeit verloren habe und mich ganz auch die Story und die Rätsel konzentriere.

Apropos Rätsel: Hier liegt eine Stärke von In Sound Mind. Denn fast alle Waffen, die ihr im Spiel findet, könnt ihr auch zur Lösung von Denkaufgaben verwenden. Beispielsweise dient euch ein Stück von einem zerbrochenen Spiegel, um versteckte Hinweise in der Umgebung zu entdecken. Aber auch Monster haltet ihr damit auf Distanz, falls nötig. Ein wirklich cleverer Einsatz der Hilfsmittel, was mich tiefer ins Geschehen tauchen lässt.

Kommen wir zu guter Letzt noch auf den Titel: Das Wort Sound nehmen die Entwickler•innen von We Create Stuff richtig wörtlich. Bereits in der Anfangszeit im Keller lief mir oftmals ein Schauer über den Rücken, wenn ich wieder ein Geräusch hinter mir hörte. Solche Geräusche werdet ihr im Verlauf des Spiels öfters hören. Sowohl die Sound-, aber auch die musikalische Untermalung trifft meines Erachtens hier genau den richtigen Ton. Auch wenn mir das zu Beginn nicht so bewusst war, konnte ich es später sehr schätzen, wenn mich das Spiel wieder einmal hochschrecken ließ. Gut gemacht.

Fazit

Ich muss schon sagen: Für ein Erstlingswerk hat We Create Stuff einen richtig guten Job gemacht – kleine technische Probleme mal außen vor. Denn sowohl spielerisch als auch inhaltlich konnte mich In Sound Mind überzeugen. Das lag unter anderem am unterhaltsamen Gameplay aus Shooter- und Rätseleinlagen, aber auch an der dichten Atmosphäre, die durch eine schicke Klangkulisse entstand. Und dass das Spiel an manchen Stellen zu einfach wird, weil wir zu viel Munition dabei haben oder die Monster zu harmlos sind, kann ich besonders gut verkraften. Wem es genauso geht, sollte zu Halloween auf diesen Trip unbedingt gehen.

Erhältlich für: PC, PS, Xbox, Switch (bald)
Website: modusgames.com/in-sound-mind