„Bin ich verrückt? Wo bin ich hier? Was mache ich hier? Wer bist du?“ lauten die Fragen eines kleinen, sichtlich verwirrten Roboters. Die passende Antwort folgt auf dem Fuß: „Aufgrund einer Fehlfunktion kommst du in die ‚Arena‘, in der du dich beweisen musst.“ „Welche Fehlfunktion meinst du?“, „Du stellst zu viele Fragen!“.
Eine knappe, humorvolle Einführung in ein unterhaltsames und taktisch geprägtes Abenteuer. „Insane Robots“ aus dem Hause Playniac ist ein munteres Strategie-Kartenspiel, das Hobbytaktiker eine ganze Weile beschäftigen wird.
Hunger Games
Die Story ist eigentlich nur ein billiger Aufhänger für die actionreichen Duelle zwischen den Blechkameraden: Ein fieser Ober-Roboter namens Kernel strebt nach Macht und sperrt arme kleine Roboter in eng eingegrenzte Arenen ein, aus der nur der letzte Überlebende entkommt.
Solltet ihr acht Turniere überstehen, die in mehrere Arenen eingeteilt sind (bis zu maximal drei hintereinander), schenkt Kernel euch die Freiheit. Aber der Untergrund schläft nicht: Ein mysteriöser, funkelnder Stein verspricht euch direkt zu Beginn, dass ihr Kernel stürzen könnt. Das Abenteuer beginnt.
Zum Auftakt lernt ihr in einer Arena, wie sich die kommenden 15 Stunden (so viel versprechen euch die Entwickler) gestalten werden. „Insane Robots“ gliedert sich grundsätzlich in zwei Phasen auf: Auf der Übersichtskarte, der Arena, dürft ihr euch jede Runde in einem bestimmten Radius bewegen.
Auf diese Weise sammelt ihr Schätze ein, besucht Händler oder fordert andere eingesperrte Roboter zum Kampf. Denn wie gesagt: Ihr übersteht eine Arena nur, wenn ihr der letzte Überlebende seid. Gerade zu Beginn ist dies nur möglich, wenn ihr mindestens einen Kampf gewinnt. Erst in späteren Arenen kann es passieren, dass zerstörerische Events wie Giftwolken, Meteoritenschauer oder Vulkanausbrüche automatisch die Spreu vom Weizen trennt.
Eisen-gegen-Eisen
Die Kämpfe sind allerdings das Herzstück des Spiels: Im direkten Duell Eins-gegen-Eins müsst ihr die Lebenspunkte eures Gegenübers auf Null reduzieren. Abwechselnd spielt jeder seine Karten aus. Gleich mehrere Spielmechaniken spielen dabei eine wichtige Rolle.
Zunächst einmal kostet jede Karte, die gespielt wird, Energie. Diese erhaltet ihr automatisch zu Beginn jeder Runde – je mehr Runden ihr spielt, desto mehr Energie gibt es zu Beginn. Dieses Prinzip verhindert, dass ihr gleich in Runde eins alles ausspielen könnt, was ihr habt.
Um neue Karten zu ziehen, braucht ihr übrigens ebenfalls Energie – eine neue Karte gibt es gratis bei jeder Runde. Ein zweites, wichtiges Element ist die behutsame Einführung in die Spielweise. Gerade als Anfänger habt ihr zunächst nur die zwei grundlegenden Karten „Angriff“ und „Verteidigung“ – mehr nicht. Jede Karte kommt in fünf unterschiedlichen Stärken daher, was vom Zufall abhängt.
Sobald ihr zwei Karten derselben Kategorie in ihre entsprechenden Slots gelegt habt, kommen sie offiziell ins Spiel. Ein Beispiel: Ihr setzt eine „+2-Angriffs-Karte“ und eine „+3-Angriffs-Karte“ auf die Slots für „Angriff“, dann ist euer Roboter bereit für eine „+5-Attacke“ – was wiederum drei Energiepunkte kostet.
Nach der Nutzung sind die Slots wieder leer. Gleiches gilt auch für die Verteidigung. Eigentlich eine simple Sache.
Immer tiefer ins Geschehen
Mehr Spieltiefe gewinnen die Duelle aber nun durch zusätzliche Karten: Mit Verstärkern oder „Glitches“ könnt ihr eure oder die gegnerischen Karten manipulieren. Ein taktisches Katz-und-Maus-Spiel beginnt. Je weiter ihr in der Story voranschreitet, desto mehr Karten schaltet ihr frei.
Für Einsteiger ist diese langsam ansteigende Lernkurve geradezu ideal, um sich in solch einem Spiel zurecht zu finden. Ihr werdet kaum merken, wie komplex die späteren Auseinandersetzungen eigentlich ablaufen, ohne dass sie euch überfordern. An dieser Stelle ein „Daumen hoch“ an Playniac.
Aber es kommt noch besser: Jeder der insgesamt acht frei spielbaren Roboter verfügt anfangs über einen Ausrüstungsslot, in der er eine Spezialfähigkeit aufbewahren darf. Dies reicht von der automatischen Aufwertung von Angriffskarten über Immunität gegenüber Giftwolken bis hin zur kostenlosen Nutzung von Verteidigungskarten. Im weiteren Spielverlauf könnt ihr euren Blechfreund mit bis zu acht dieser Fähigkeiten aufwerten – aufgeteilt in vier Kampf- und vier Arenen-Fähigkeiten.
Ein paar lockere Schrauben
Bis dahin gestaltet sich „Insane Robots“ als äußerst unterhaltsames und gleichzeitig forderndes Taktikspielchen. Nur an ein paar Stellen hakt es noch: Gerade zu Ende der Kampagne wird die Luft dünn, da es an spielerischer Abwechslung fehlt. Einen kompletten Durchgang kann ich dennoch sehr empfehlen.
Ob ihr euch danach noch online mit Freunden messt, ist euch überlassen. Was aber wirklich nervte an den letzten Arenen: Durch die zusätzlichen Hürden wie einer eingeschränkten Sicht, Nebelfelder oder den immer größer werdenden Arenen ist es am Ende oftmals ein Geduldsspiel, bis ihr den letzten zu bekämpfenden Roboter in einer Arena gefunden habt – zumal sich diese nicht immer auf die Suche nach euch machen.
Einmal dauerte es sogar zwanzig Runden bis ich meinen Widersacher entdeckte – anscheinend haben wir uns im Kreis verfolgt, ohne davon Wind zu bekommen. Das nervte etwas. Grafisch setzt „Insane Robots“ auf einen bewährten Comic-Stil, den ich persönlich sehr charmant finde und nicht vom eigentlichen Geschehen ablenkt. Das passt also.
Fazit
Mit „Insane Robots“ ist dem Team von Playniac ein kleines taktisches Juwel gelungen, dem nur ganz zum Schluss etwas die Puste ausgeht. Bis ihr jedoch diese Stelle erreicht, habt ihr bereits etliche Stunden in die unterhaltsamen Duelle investiert.
Die Story ist zwar nicht der Rede wert, dafür stimmt jedoch der Humor. Also: sucht euch euren Lieblingsroboter aus, macht ihn fit für die Arena und verpasst Kernel einen heftigen Tritt in seine Blechbüchse! Meinen Segen habt ihr.
Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC
Website: insanerobots.com