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Jagged Alliance 3

Ein Klassiker kehrt zurück – jetzt auch für Playstation und Xbox.

Endlich! Und das in mehrfacher Hinsicht. Endlich gibt es den dritten Teil von Jagged Alliance. Endlich ist dieser auch für die Playstation und Xbox verfügbar. Und endlich darf ich selbst in dieses Taktik-Vergnügen eintauchen. Ob der neuste Ableger der Reihe wirklich ein Vergnügen ist oder besser als nostalgische Erinnerung verbleiben sollte, erzähle ich euch im Test.

Altersschwäche oder Schludrigkeit?

Bevor ich zum eigentlichen Spiel komme, muss ich mich an die Entwickler:innen von Haemimont Games wenden. Warum scheinen Studios selten daran zu denken, dass Spiele inzwischen sehr oft am Fernseher oder auf dem Handheld gespielt werden? Als ich die Xbox-Version von Jagged Alliance 3 angeworfen habe, musste ich viel zu oft die Augen zukneifen. Entweder bin ich zu alt oder die Schrift ist wirklich zu klein für einen Fernsehbildschirm. Die Texte zu lesen war jedenfalls immer eine kleine Herausforderung. Das klappt am PC-Monitor etwas besser. Daher die allgemeine Bitte an die Studios dieser Welt: Bitte denkt an uns Konsolenspieler, wenn ihr die Texte anpackt. So, das musste raus.

Kommen wir zum eigentlichen Spiel. Es grenzt schon an ein kleines Wunder, dass Jagged Alliance eine waschechte Fortsetzung bekommt. Mein Kumpel Josh hat sich die letzten 20 Jahre mit Mods zu Teil 2 über Wasser gehalten. Nach Blick auf Teil 3 kann ich sagen, dass diese Zeiten nun ein Ende haben. Denn Jagged Alliance ist erfrischend altmodisch, aber dennoch in einigen Punkten innovativ. Den Spagat aus Nostalgie und modernem Gameplay bekommt Jagged Alliance meines Erachtens sehr gut hin. Macht euch allerdings auf einen etwas längeren Einstieg gefasst.

Staatliches Problem

Scheinbar ist Haemimont Games auf den Hund gekommen. Denn ihr Spiel siedeln sie im fiktiven afrikanischen Staat Grand Chien an, was “großer Hund” bedeutet. In dem Staat wurde der Präsident entführt und es ist nun eure Aufgabe, ihn wieder heil und munter zurückzubekommen. Dazu heuert ihr Söldner an und befreit das Land Stück für Stück von seinen Unterdrückern.

Dabei vermischt Jagged Alliance 3 zwei unterschiedliche Ebenen miteinander: Zum einen müsst ihr Missionen im Voraus gut planen. Denn wer gut erkundet, haushaltet oder Schauplätze taktisch angeht, wird es leichter haben. Zum anderen haben wir die rundenbasierten Kämpfe, wie man sie aus dem Genre kennt. Hier vermischt sich Echtzeit mit Rundenkampf. Mehr dazu gleich.

Reinfuchsen macht sich bezahlt

Den Einstieg macht euch Jagged Alliance 3 nicht gerade leicht. Das soll nicht heißen, dass hier alles kompliziert ist, sondern mehr, dass dem Spiel fast schon egal ist, seine Mechaniken zu erklären. Welche Mission gehe ich als nächstes an? Wie bekomme ich Munition? Wann erholen sich meine Söldner von ihren Wunden? Findet es doch selbst heraus. So in etwa kam es mir manchmal vor. Und wisst ihr was: Ich fand es am Ende gar nicht schlimm, sondern eher erfrischend. So lief das früher bei Spielen eigentlich immer. Heute wird darüber gemeckert, wenn einem das Spiel nur wenig erklärt oder man nennt es Souls-Like.

Auf dem Weg zur Rettung des Präsidenten dürft ihr also verschiedene Pfade nehmen. Dazu gehört auch, dass ihr verschiedene Söldner in euren Trupp aufnehmt. Ihr könnt sogar mehrere Teams bilden, was ihr auch solltet. Denn bereits eroberte Flecken wollen verteidigt werden. Das ist Teil der taktischen Planung. Auf der Übersichtskarte legt ihr fest, wohin die Reise als nächstes geht und was ihr “erobern” wollt. Sobald eine Mission startet, bewegt ihr eure Truppe aus der isometrischen Perspektive durch schicke Landschaften, die mit vielen Details begeistern.

Wer braucht schon Leistung?

Apropos Details: Auf der Konsole habt ihr bei Jagged Alliance 3 die Wahl zwischen einem Qualitäts- und einem Performance-Modus. Letzt genannter liefert euch durchgehend 60 Frames pro Sekunde, verzichtet aber auf einige Details. Bei 30 Frames pro Sekunde mit besserer Optik seid ihr im Qualitätsmodus. Dabei frage ich mich, wer eigentlich bei einem rundenbasierten Spiel 60 Frames benötigt. Aber das ist eine andere Sache. Nett, dass ihr die Wahl habt. Übrigens sieht das Spiel auf dem PC am besten aus.

Kommen wir zurück zu den Missionen. Hier geht es zunächst in Echtzeit los. Sobald euch ein Feind entdeckt, beginnen die rundenbasierten Phasen. Hier verzichtet Haemimont Games auf eine Sache, die mich bei XCOM oft verzweifeln ließ: Prozent-Anzeige auf Trefferwahrscheinlichkeiten. Vielmehr sollt ihr selbst entscheiden, ob sich ein Schuss lohnt oder nicht. Und es funktioniert. Ich habe mich fast nie über das Spiel, sondern mehr über mich geärgert, wenn mal ein Schuss daneben ging. Irgendwie hat das was. Versucht es selbst.

Lieber aus der Ferne

Was noch ein wenig auffällt: Die KI und das Balancing vertragen noch Feinschliff. Auf der härtesten Stufe habt ihr beispielsweise einen strammen Einstieg, was sich später fast schon als Kinderspiel entwickelt. Schuld daran sind meines Erachtens sehr starke Sniper-Gewehre, die ihr mit etwas Glück in den Missionen findet. Aus der Ferne knipst ihr dann etliche Feinde aus, bevor sie wissen, was sie überhaupt getroffen hat. Aber selbst das fühlt sich gut an, weil ihr es euch irgendwie verdient habt, so stark zu werden.

Aber werdet nicht zu leichtsinnig. Oftmals wartet der Tod oder eine schwere Verletzung nur ein paar Runden auf euch. Daher mein Tipp: Speichert, was das Zeug hält. Jagged Alliance 3 kann nämlich teils erbarmungslos sein, was Strafen angeht. Mal abgesehen vom Tod eines Kameraden, solltet ihr sogar beim Craften von Waffen oder deren Verbesserung aufpassen. Wenn es nicht klappt, sind eure Rohstoffe futsch und das “verbesserte” Teil vielleicht schlechter. Das kann schon an den Nerven zehren. Also passt auf.

Plappermäulchen

Wenn wir schon von Nerven sprechen: die Kommentare eurer Recken sind generell schwarzhumorig ins Spiel eingebunden - wobei das schon der politisch falsche Ausdruck ist. Man muss allerdings auf diesen Humor stehen. Manche Sprüche wiederholen sich für meinen Geschmack dann doch etwas zu oft. Aber so war Jagged Alliance schon immer. Mit einer Auswahl von fast 40 Kämpfern, werdet ihr aber euren Liebling finden. Da bin ich mir sicher. Zeit für ein Fazit.

Fazit

Jagged Alliance 3 zeigt sich als würdiger Nachfolger, der die Franchise in die Moderne führt. Dabei erfindet das Spiel das Rad nicht neu, sondern verfeinert das Konzept des Vorgängers und passt es auf die heutige Zeit an. Macht euch auf rund 25 Stunden taktischen Spaß voller Herausforderungen gefasst. Und das Beste: Haemimont Games hat den Sprung auf die Playstation und Xbox bestens gemeistert. Auch wenn nicht alles perfekt ist, macht Jagged Alliance 3 am Ende so viel richtig, dass Strategie- und Taktik-Fans ihre helle Freude haben werden. Hut ab vor dieser Leistung und meine wärmste Empfehlung. Grand Chien, ich komme!

Erhältlich für: Xbox, PS, PC
Website: store.steampowered.com/app/1084160/Jagged_Alliance_3