Nach einem respektablen Start auf der PS4 vor zwei Jahren geht Judgment nun zur Großoffensive über: Das Action-Adventure aus dem Hause SEGA entfaltet seine volle Wucht auf der PS5, Xbox Series X und dem PC. Dabei wandelt der Titel auf den Spuren der Yakuza-Reihe bzw. spielt sogar im gleichen Universum – nach dem sechsten Teil, wen es interessiert.
Dunkle Vergangenheit
Im Mittelpunkt des Geschehens steht der ehemalige Anwalt Yagami. Ehemalig, weil er nach der Freilassung eines Mörders ein schlechtes Gewissen bekam. Denn der Mörder kam nur wegen Yagami frei und hat anschließend seine Freundin umgebracht. Mit all dem will Yagami nichts mehr zu tun haben und konzentriert sich auf sein Leben als Privatdetektiv.
Gemeinsam mit einer Handvoll Freunden will er Kamurocho, der Ort an dem die Geschichte spielt, besser machen. Doch Kamurocho ist eine düstere Stadt voller Sünde: Betrug, Intrigen und selbst Mord gehören hier fast zum Alltagsgeschäft. Und wie so oft holt die Vergangenheit Yagami schnell wieder ein. Über die Geschichte will ich an dieser Stelle gar nicht mehr verraten – denn das würde den Spaß trüben.
Macht euch aber gefasst auf einen spannenden Thriller, der mit vielen Wendungen und weiteren Überraschungen bis zum Ende hin überzeugt. Allerdings braucht ihr dafür auch etwas Ausdauer. Ich schätze mal, dass es rund 25 Stunden dauern wird, bis ihr das Ende sehr, wenn ihr relativ schnell durch Judgment flitzt. Lasst ihr euch Zeit, genießt die Nebenaufgaben und Minispielchen, dann kann der Stundenzähler schnell mal in den dreistelligen Bereich kommen.
Yakuza Spin-Off
Rein spielerisch hat Judgment schon einiges zu bieten: Ganz im Stile der Yakuza-Reihe kämpft ihr euch euren Weg durch die japanischen Straßen. In 13 Kapiteln erzählt euch Judgment von einem Serienmörder, der es auf Unterweltgrößen abgesehen hat. In der Rolle des Detektivs müsst ihr nun ermitteln.
Dazu greift Judgment auf verschiedene Spielmechaniken zurück. Den Großteil der Hauptstory seid ihr mit Dialogen, Verhören, Beschattungen und Untersuchungen beschäftigt. Natürlich könnt ihr euch auch wieder raufen und ordentlich Prügel verteilen – doch allerdings geschieht dies wesentlich häufiger in den Nebenmissionen. Apropos Nebenmissionen: Ich kann euch nur empfehlen ein paar dieser Missionen zu absolvieren.
Denn dadurch bekommt ihr nicht nur ein paar äußerst amüsante Nebengeschichten serviert, sondern auch noch wertvolle Erfahrungspunkte. Die dürft ihr dann in Yamagis Fähigkeiten stecken. Beispielsweise könnt ihr dann eure Kampfkünste wie den Kranich- oder Tiger-Stil verbessern. Der Kranich dient dabei übrigens der Bekämpfung von Gruppen, während der Tiger einzelnen Personen richtig Schaden austeilt.
Werte Damenwelt
Ein lustiges Feature, das auch eine Art Nebenbeschäftigung ist, sind die Missionen, in denen ihr euch Daten könnt. Vier Damen dürft ihr im Verlauf von Judgment bezirzen. Dabei zeigt sich auch, wie viel Wert Sega auf kleine Details legt: Vom Selfie-Foto bis hin zur innigen Romanze ist hier alles möglich – und das ohne jegliche Verbindung zur Hauptgeschichte. Immerhin ist Yamagi auch nur ein Mann mit Bedürfnissen – sehr sympathische Inszenierung.
Ansonsten habt ihr in Judgment eine Fülle von Nebenaktivitäten. Einen Wermutstropfen für Fans von solchen Spielen gibt es allerdings: Karaoke steht nicht auf der Liste der Minispielchen. Dafür dürft ihr Drohnenrennen bestreiten, euch beim Pinball auslassen oder diverse SEGA-Klassiker zocken. Immer wieder eine Freude, wie cool solche Features im Spiel integriert wurden.
Grafisch spielt Judgment mit dieser Version auch in einer der oberen Ligen: Eine solide Framerate von 60 Bildern pro Sekunde gesellt sich zu einer messerscharfen 4K-Auflösung, die euch die Charaktere deutlich realistischer erscheinen lassen als es noch auf der PS4 der Fall war. Anders ausgedrückt: Judgment reizt die Hardware der neuen Konsolen etwas mehr aus als zuvor.
Fazit
Machen wir kein langes Gerede: Judgment ist ein Brocken von einem Spiel – ein besonders lohnenswerter Brocken. Allein, wenn ihr euch nur auf die Hauptgeschichte konzentriert, habt ihr fast 25 Stunden euren Spaß. Aber ich kann euch nur empfehlen es langsam angehen zu lassen und diesen wunderbar verrückten Kosmos in Gänze zu genießen. Denn SEGA hat hier so viele Andeutungen und amüsante Extras reingesteckt, dass es den Rahmen einer Review sprengen würde. Daher nur soviel von mir: Fans japansicher Thriller müssen Judgment in Aktion gesehen haben – das steht eindeutig fest!
Erhältlich für: PS, Xbox
Website: yakuza.sega.com/judgment