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Jujutsu Kaisen: Cursed Clash

Ein neuer Anwärter auf den Genre-Thron? Die Voraussetzungen sind jedenfalls nicht schlecht.

Wenn es um Jujutsu Kaisen geht, dann schlagen wohl bei vielen Fans die Animé-Herzen höher. Denn der Manga aus Fernost konnte bereits über 90 Millionen Comic-Bände verkaufen. Eine ordentliche Leistung. Klar, dass man hier mit einer Versoftung an den Erfolg anknüpfen möchte. Bandai Namco bringt nun also das aussichtsreiche Werk an den Start.

Ganz frisch hier

Persönlich hatte ich vor meinem Test noch nie von Jujutsu Kaisen gehört. Ich bin also sehr unbedacht in Cursed Clash eingestiegen. Keine Ahnung, ob es ein Fehler war oder nicht. Dazu später mehr. Was ich aber als ersten kleinen Fehler betrachte, ist das Genre, in das Bandai Namco das Spiel zwängt. Jujutsu Kaisen: Cursed Clash ist ein Third-Person-Brawler wie Naruto oder One Punch Man. Im Nachhinein hätte sich die Vorlage viel besser als Third-Person-Action-Adventure geeignet. Aber sei's drum. Schauen wir uns das mal genauer an.

Ich kann allen Neulingen und Fans empfehlen, mit der Story zu beginnen. In rund vier bis fünf Stunden bekommt ihr so die Geschichte der ersten Staffel erzählt – sofern ihr euch drauf einlasst. Es geht um einen Jungen, der aus Versehen (!) einen Finger eines verfluchten Dämons gegessen hat. Klar, kennt man ja von einem Besuch beim Fast Food Restaurant. Jedenfalls muss er nun sterben – so besagen es die Regeln der Unterwelt. Doch er hat noch die Wahl, ob er direkt hingerichtet werden will oder den gesamten Dämon jagt und isst. Damit wäre dann sein Fluch ebenfalls gegessen. Wir entscheiden uns für ein verlängertes Leben.

Auf Valium, oder was?

Mehr will ich euch über die Story nicht verraten. Aber so viel erzähle ich euch: Wie Jujutsu Kaisen: Cursed Clash die Geschichte vorträgt, hat Schlaftabletten-Potenzial. In kleinen Standbildern flackert nur hier und da durch, wie interessant die Vorlage wohl ist. Das Spiel verwandelt dies nur in dröge Textboxen zum Wegklicken. Bis auf ein paar wirklich coole Zwischen-Sequenzen ist hier Einöde angesagt. Aber allein um die Geschichte geht es ja nicht. Der Kampf steht im Mittelpunkt.

In ausladenden Arenen tretet ihr alleine oder zu zweit gegen verfluchte Monster an, die ihr von ihrem Fluch befreien sollt. Das knappe, aber völlig ausreichende Tutorial bringt euch schnell die Besonderheiten des Kampfsystems nahe. Anfangs dachte ich, dass Jujutsu Kaisen: Cursed Clash ein neues Naruto wäre. Doch der Kampf fühlt sich anders an. Das liegt zum einen daran, dass ich meinen Gegnern mit normalen Schlägen nicht schaden kann. Vielmehr baue ich damit Fluch-Energie auf, die ich per Knopfdruck entfesseln darf – und die tut weh. Interessanter Ansatz.

Etwas mehr Flow, bitte!

Auf der anderen Seite - und das ist weniger gut – sorgen manche Mechaniken für eine unfreiwillige Verlangsamung des Kampfes. Ein kleines Beispiel: Nach einer spektakulären Kombo aus mehreren Schlägen fliegt euer Gegner quer durch die Luft. Ich eile hinterher, um nachzusetzen – und kann leider nicht. Denn erst wenn sich mein Feind wieder aufgerappelt hat, geht es weiter. Das mag sich jetzt nicht besonders kritisch anhören, nimmt aber ganz schön Drive aus den Kämpfen.

Hinzu kommt, dass diese Würfe und Tritte früher oder später an der Arena-Grenze enden. Ja, fast jeder Kampf spielte sich am Ende an einer solchen unsichtbaren Grenze ab. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn nicht die Kamera damit einige Probleme hätte. Denn immer wieder verfängt sie sich an der Grenze und sorgt für eine schlechte Übersicht. Auch das nervt auf Dauer. Kommen wir aber wieder zu den positiven Aspekten.

Schöne Auswahl

Sämtliche der 16 spielbaren Charaktere haben ihren eigenen Kampfstil, was sehr angenehm ist. Zusätzlich seid ihr häufig zu zweit in der Arena, wodurch die Kämpfe mehr Dynamik bekommen. Sobald ihr eine Anzeige gefüllt habt, entfesselt ihr eine mächtige Partner-Kombination. Das sorgt für ordentlich Schaden und wird meist mit einer coolen Zwischen-Sequenz belohnt. In solchen Momenten mag ich Jujutsu Kaisen: Cursed Clash total.

Was ich dem Spiel auch zugute halte, ist die Tatsache, dass man die Kampagne nicht künstlich verlängern möchte. Nach rund vier oder fünf Stunden ist man durch mit der Story. Ich persönlich hasse es, wenn alles in die Länge gezogen wird – daran sollten sich andere ruhig ein Vorbild nehmen. Aber was gibt es nach der Story zu tun? Nun ja, eine ganze Menge, wenn ihr Lust habt.

Ihr habt einen Herausforderungsmodus, in dem ihr gegen unterschiedliche Monster kämpfen dürft. Als Belohnung für Siege erhaltet ihr dann Erfahrung, mit der ihr neue Gegenstände freischalten könnt. Das ist alles ganz nett, aber auf Dauer fehlt ein wenig die Abwechslung. Wer eine echte Herausforderung möchte, misst sich mit anderen online. Wer mich kennt, weiß, dass ich eher auf die Single-Player-Modi schiele als online die Schnauze voll zu bekommen. Aber zumindest bietet es Jujutsu Kaisen: Cursed Clash an. Und damit kommen wir zum Abschluss.

Fazit

Jujutsu Kaisen: Cursed Clash lässt sehr viel Potenzial einfach links liegen. Zunächst wäre da die Wahl des Genres, das aus meiner Sicht besser ein Third-Person-Action-Adventure geworden wäre. Die Arena-Kämpfe machen dank des außergewöhnlichen Kampfsystems zwar Spaß, bieten auf Dauer aber zu wenig Abwechslung. Hinzu kommt eine etwas fade Präsentation der Story. Hier und da hätte Jujutsu Kaisen: Cursed Clash noch Feinschliff vertragen – dann hättet ihr deutlich mehr Spaß. So bleibt der Titel im soliden Mittelfeld stecken, ohne sich sonderlich von der Masse abzuheben. Schade um die vertane Chancen. Aber vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Website: de.bandainamcoent.eu/jujutsu-kaisen/jujutsu-kaisen-cursed-clash