Mit einem Schlag bin ich wieder zwölf Jahre alt: Leicht steigt der Puls als sich das schwere Tor mit einem Krachen beiseiteschiebt. Majestätisch tritt ein gigantischer T-Rex ins Freie und brüllt, dass ich Gänsehaut bekomme. Obwohl dies schon der x-te Saurier ist, den ich im Labor züchten ließ, ist der Moment der Freilassung immer noch ganz besonders. Das sehen die Besucher in meinem Park genauso: Willkommen in „Jurassic World Evolution“.
In freudiger Erwartung
Schon vor fast einem Jahr konnte ich meine Begeisterung kaum bremsen als ich hörte, dass sich Frontier Development um eine Park-Simulation im „Jurassic Park“-Universum kümmert. Die Entwickler kennen sich mit dem Genre nämlich aus – nach unzähligen Stunden im virtuellen Gehege von „Zoo Tycoon“ weiß ich das.
Nun steht mit „Jurassic World Evolution“ also der nächste Ableger einer Park-Simulation in den Startlöchern. Als Direktor eines Dino-Parks müsst ihr die Geschicke ebenjenes leiten und in eine aussichtsreiche Zukunft führen. Im Story-Modus verschlägt es euch so von Insel zu Insel, auf denen ihr immer mehr Probleme zu lösen habt.
Müsst ihr anfänglich nur mal ein Foto von einem grasenden Triceratops machen, werdet ihr euch später darum bemühen müssen, dass die Velociraptoren keine Besucher auffressen, weil ein tropischer Sturm die Zäune der Gehege zerstört hat. Aber keine Sorge: Das Spiel führt euch wirklich sehr sachte in die Abläufe ein – und wird selbst im späteren Spielverlauf nie zu kompliziert.
Manche mögen das vielleicht als Kritikpunkt ansehen, aber mich machte das absolut nichts aus. So erfahrt ihr beispielsweise, wie ihr Saurier züchten könnt oder – noch wichtiger – wo ihr neue Spezies herbekommt. Zu Beginn der Kampagne habt ihr jedoch lediglich nur auf eine Handvoll Saurier Zugriff. Erst wenn ihr weitere Inseln freischaltet, kommen mehr Dinos in euer Portfolio.
Routine im Dino-Dschungel
Der Verlauf der Story sieht dabei fast immer gleich aus: Ihr kommt auf eine neue Insel, deren Infrastruktur bereits fertig dort aufgebaut ist, und müsst anschließend für mehr Besucher sorgen, indem ihr Forschungsgebäude, Gehege und Geschäfte baut – alles natürlich mit einem zusammenhängenden Straßen- und Stromnetz.
Aber wie gesagt: Erwartet jetzt kein „Cities“ oder „Sim City“ – dieser Teil fällt sehr rudimentär zu anderen Wirtschaftssimulationen aus. Damit ihr so etwas, wie einen roten Faden beziehungsweise eine Story habt, bekommt ihr von Zeit zu Zeit Aufträge zugestellt: Aus den Bereichen Wissenschaft, Sicherheit und Unterhaltung könnt ihr so verschiedene Jobs erledigen, die euch Geld in die Kasse spülen.
Und noch mehr: Auf diese Weise steigert ihr den Ruf in der entsprechenden Kategorie, was euch später besondere Boni einbringt und das Ansehen des Parks steigert – dadurch schaltet ihr dann auch die nächsten Inseln (insgesamt fünf an der Zahl) frei. Aber die eigentlichen Stars des Spiel sind natürlich die virtuellen Abbilder der Urzeit-Echsen: Insgesamt 48 verschiedene Arten – sofern ihr zur Deluxe-Edition gegriffen habt – könnt ihr freischalten.
Allesamt wurden von Frontier Development hervorragend animiert. Ich ertappte mich immer wieder dabei, wie ich manchmal einfach nur die Dinos in ihren Gehegen beobachtete, was mithilfe der freien Kamera kinderleicht ist. Richtig interessant wird es, wenn ihr einen Fleischfresser in das Terrain von Pflanzenfressern lasst: Fast immer nimmt das ein tragisches, aber dennoch spektakuläres Ende für einen der Dinos.
Das Leben findet einen Weg
Aber es gibt natürlich auch andere Probleme zu bewältigen: Hat einer der mächtigen Insassen mal keine Lust mehr auf seinen Käfig, kann es schon mal zum Ausbruch kommen. In diesem Fall müsst ihr schnell handeln: Schutzräume öffnen und den ACU-Helikopter alarmieren, der den ausgebüchsten Saurier betäuben und in sein Gehege bringen kann.
Ihr könnt euch dabei auch selbst hinters Steuer des Helis klemmen und einen kleinen Rundflug starten – nette Idee. Gleiches gilt auch für die Ranger-Teams, die ihr für Reparaturen von Gebäuden und Heilung von Dinos einsetzt: Hinter dem Lenkrad eines dieser Jeeps könnt ihr mit ordentlich Karacho durch den Park hetzen. Keine Sorge: Verletzen werdet ihr niemanden, da alle Besucher immer rechtzeitig aus dem Weg springen.
Im Verlauf der linearen Kampagne werdet ihr immer was zu tun haben, was allerdings nie in Stress ausartete. Man könnte eigentlich schon fast von Routine sprechen. Die Motivation liegt hier im Entdecken neuer Arten und deren Freilassung. Daher lohnt sich auch ein erneutes Durchspielen nicht wirklich, da ihr nach Durchgang eins bereits alles kennt.
Vielleicht liefern die Entwickler ja noch einen umfangreichen Sandkasten-Modus nach, wer weiß. Dennoch ist es immer wieder faszinierend in den Park zurückzukehren und seine Kreationen zu beobachten – untermalt von John Williams einprägsamer Musik.
Fazit
Grafisch und atmosphärisch ist „Jurassic World Evolution“ ganz großes Kino, das gezielt mit den Aha-Momenten herumspielt. Die Dinos sind eine Wucht und jede neue Entdeckung treibt die Spannung nach oben. Allerdings dürften Wirtschaftssimulations-Experten die Herausforderung und den Tiefgang vermissen lassen – was ich gut nachvollziehen kann.
Denn wirklich abwechslungsreich ist das Spielchen von Frontier Development nicht wirklich. Daher hatte ich aber meinen Spaß mit den Helden aus meiner Kindheit. Wer also schon immer mal seinen eigenen Dino-Park haben wollte und auf den taktischen Anspruch einer solchen Simulation verzichten kann, der ist hier goldrichtig – für rund 30 Stunden Unterhaltung ist jedenfalls gesorgt.
Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC
Website: jurassicworldevolution.com