Wenn ich den Namen des Entwicklungsstudios Don't nod höre, muss ich direkt an Life Strange denken. Dass die französische Spieleschmiede aber auch andere Titel wie Vampyr, Remember Me oder Tell Me Why zu ihrem Portfolio zählen, vergesse ich teilweise. Jusant ist nämlich kein Spiel, das sich auf eine klassische Adventure-Reise begibt, bei der ihr stundenlang Dialoge lauschen solltet. Nein, hier wird eigentlich nie gesprochen. Und dennoch habt ihr ein fesselndes Werk vor euch. Ich verrate auch warum.
Alles Ebbe hier
Hoch hinaus: Das will unser namenloser Held jedenfalls. Warum und wieso ist nicht ganz klar. Jedenfalls zu Beginn nicht. In Jusant wirft man euch ohne großes Vorgeplänkel mitten in die Geschichte. Zunächst bekommt ihr aber den merkwürdigen Namen des Titels erklärt. Der Begriff stammt aus der französischen Seefahrt und bedeutet Ebbe. Mit diesem Hintergrundwissen strandet ihr in einer schier endlosen Wüste.
Nur die Schiffswracks lassen euch vermuten, dass hier mal ein Meer gewesen sein muss. Nun ist das Wasser dem Sand und einer brutalen Hitze gewichen. Die Auswirkungen der globalen Erwärmung? Vielleicht. Doch unser Held lässt vermuten, dass wir uns entweder in der fernen Zukunft oder doch auf einem fremden Planeten befinden. Ich tippe auf letzteres – denn die Flora und Fauna spricht nicht gerade für die Erde.
Auf die Spitze getrieben
Mit dem Blick nach vorne schreitet die Hauptfigur schnurstracks auf eine gigantische Steinsäule oder Bergabschnitt zu. Irgendwo in den Wolken verliert sich das Gestein. Was wohl da oben ist? Finden wir es raus. Kurzerhand macht sich der Protagonist auf den gefährlichen Weg nach oben. Und das ist im Grunde schon alles, was es über Jusant zu sagen gibt – zumindest von der Geschichte her. Ich will nämlich nichts spoilern. Ob ihr die Antwort findet, was hier passiert ist? Ob es noch andere Überlebende gibt? Was euch dort oben erwartet? Findet es selbst heraus.
Auch wenn es im Grunde nur ums Klettern geht, hat Don't nod dies perfekt in Szene gesetzt. Als Typ, der selbst schon mal Vorstieg geklettert ist, kann ich mich gut in die Haut unseres Helden versetzen. Am langen Seil macht ihr euch an einer Öse fest und tastet euch Stück für Stück nach oben vor. Das Prinzip ist ziemlich schnell verinnerlicht und auch keineswegs schwierig. Dennoch wurden meine Handflächen manchmal feucht, wenn ich den Abgrund hinter mir spürte.
Lasst die Welt erzählen
Unterwegs findet ihr immer wieder Überreste einer Zivilisation. Die Umgebung erzählt bereits eine eigene Geschichte. Wenn ihr noch tiefer eintauchen wollt, dann solltet ihr unterwegs die Zettel und Tagebucheinträge lesen, die ihr finden könnt. Dort bekommt ihr immer besser ein Bild von dem, wie andere in dieser zerklüfteten Welt lebten.
Jusant präsentiert sich dabei sehr farbenfroh. Der bunte Comic-Stil steht dem Spiel äußerst gut zu Gesicht und zaubert hier und da atemberaubende Szenen auf den Bildschirm. Auch wenn es immer wieder Verschnaufpausen gibt, geht der Blick stets nach oben. Wo könnt ihr weiterklettern? Was erwartet euch auf dem nächsten Absatz? Jusant spielt mit eurer Neugier und treibt euch ständig mit Geheimnissen voran.
Kurz, aber beeindruckend
Insgesamt bietet Jusant ein aufregendes, aber mit vier, fünf Stunden auch recht kurzes Abenteuer. Doch ich bin froh, dass die Spielzeit nicht unnötig gestreckt wurde. Langweile kam zu keiner Zeit bei mir auf. Nur bei den Briefen und Textschnipseln hab ich ab und an den Überspringen-Knopf gedrückt. Ansonsten war ich die ganze Zeit in Kletterlaune.
Fazit
Jusant hat mich in vielerlei Hinsicht überrascht. Das Design, das Spielkonzept und die interes-sante Klettermechanik machen den Titel zu etwas ganz Besonderem. Wer ein entspanntes, aber zugleich spannendes Abenteuer erleben möchte, sollte sich das Spiel von Don't nod unbedingt anschauen. Hier macht Klettern endlich mal wieder Spaß und bildet einen großartigen Gegenpol zu Assassin's Creed und Co. Meine Empfehlung hat das Spiel.
Erhältlich für: Xbox, PC, PS, Switch
Website: dont-nod.com/en/games/jusant