Unterhaltung Games

K-pop Idol Stories: Road to Debut

Zwischen K-Pop-Traum und Management-Alltag.

Für den Test von „K-pop Idol Stories: Road to Debut“ habe ich mir die kompetenteste Unterstützung ins Boot geholt, die ich mir vorstellen konnte: meine Tochter. Während ich mich als Spielerin auf die Mechaniken, die Präsentation und das Ressourcenmanagement konzentriert habe, übernahm sie als passionierter K-Pop-Fan mit fundiertem Fachwissen den schonungslosen Realitätscheck.

Gemeinsam haben wir uns auf den Weg gemacht, eine Girlgroup auf die große Debüt-Bühne zu bringen. Wir übernehmen dabei die Rolle des Managements mit allen Aufgaben. Vom Auffinden der Talente (tatsächlich „entdecken“ wir manche von Ihnen im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße), über die Entwicklung der Fähigkeiten unserer Trainees, die Entwicklung der Gruppe bis hin zum Debüt.

Couch-tauglich und zugänglich

Zu Beginn wirkt das wöchentliche Planungstool mit seinen zahlreichen Optionen fast ein wenig überfrachtet. Man bekommt als Spieler leider nicht allzu viele Hilfestellungen oder tiefe Tutorials an die Hand. Gerade das Planungstool, mit dem die einzelnen Wochen organisiert werden, und die vielen verschiedenen Möglichkeiten, die Zeit der Trainees zu verplanen, wirkten auf mich zunächst etwas überwältigend. Auch hat man zu Beginn noch nicht wirklich eine Ahnung, welche Fähigkeit die wichtigste ist und verzettelt sich etwas bei der Planung der Trainingseinheiten.

Glücklicherweise legt sich die anfängliche Verwirrung schnell: Die Bedienung geht nach wenigen In-Game-Wochen intuitiv von der Hand. Außerdem hatte ich selbst einen professionellen Coach an meiner Seite, der genau weiß, was erfolgreiche Idols ausmacht.

Besonders angenehm ist das Tempo. Das Spiel eignet sich hervorragend für eine entspannte Runde zwischendurch: Man findet sofort wieder hinein, erzielt spürbare Fortschritte und muss nicht zwingend stundenlange Sessions einplanen.

Liebevolle Details mit Augenzwinkern

Aus K-Pop-Sicht trifft das Spiel an vielen Stellen genau den richtigen Ton. Meine Co-Testerin hat viele reale Facetten des knallharten Trainee-Alltags wiedererkannt: Von Sprachtrainings über gezieltes Social-Media-Coaching bis hin zur Wahl verschiedener Musik- und Image-Stile.

Ein ständiger Quell von Erheiterung waren die vielen augenzwinkernden Anspielungen auf die echte K-Pop-Welt – sei es die Agentur „WG Entertainment“ (ein deutlicher Gruß an YG) oder Charakternamen, die echten Idols verblüffend ähnlich klingen und uns mehr als einmal zum Lachen gebracht haben.

Ein großes Lob vergebe ich als Mutter für eine bestimmte Design-Entscheidung: Die körperliche und mentale Gesundheit der Idols spielt eine wichtige Rolle. Vor allem beim Thema Ernährung belohnt das Spiel gesunde, ausgewogene Mahlzeiten mit mehr Punkten, anstatt das in der Realität oft toxische „Starving“-Schönheitsideal zu belohnen (man kann die Idols nämlich auch auf Diät setzen). Meiner Meinung nach ein starkes, zeitgemäßes Signal!

Zwischen Zeitdruck und Zufall

Die Management-Simulation bleibt für meinen Geschmack leider überwiegend an der Oberfläche. Wer hier einen Fußball-Manager für koreanische Musik erwartet, wird wohl etwas enttäuscht zurückbleiben.

Viele Fortschritte wirken zudem stark vom Zufall abhängig. Obwohl man beispielsweise eine ganze Woche in das Tanztraining der Mädels investiert hat, bleibt der Statussprung manchmal unerklärlich klein. Die eigenen Entscheidungen fühlen sich weniger wichtig für den Verlauf an, als es in einer Management Simulation der Fall sein sollte.

Es gibt viele verschiedene Trainings, Auftritte, Jobs (um die chronisch leere Management-Kasse aufzubessern) und Freizeitaktivitäten, die man anklicken, planen und verwalten kann. Aber nur wenige davon entwickeln echte Tiefe, so dass man im Verlauf des Spiels eher den Eindruck gewinnt, diverse Balken und Werte zu optimieren, statt eine echte Girlgroup zu entwickeln und zusammenzuschweißen.

Genau hier liegt einer meiner größten Kritikpunkte am Spiel. Auf der einen Seite vermittelt Road to Debut recht schnell das Gefühl, etwas zu erreichen. Die Gruppe entwickelt sich, Werte steigen, neue Möglichkeiten werden freigeschaltet und die Geschichte schreitet voran. Das motiviert.

Allerdings vergeht die Zeit im Spiel schneller, als wir die gebotenen Möglichkeiten überhaupt nutzen konnten. Gerade Tätigkeiten, die für uns eigentlich interessant gewesen wären – etwa die persönliche Beziehung zu einzelnen Trainees zu vertiefen –, mussten bei uns häufig hintenanstehen, weil andere Dinge dringender für die Verbesserung bestimmter Werte waren.

Dadurch entsteht ein kleiner Widerspruch: Das Spiel bietet viele Möglichkeiten, gibt einem aber nicht immer genug Raum, sie wirklich auszuprobieren.

Ebenso bei der propagierten Varianz in der Geschichte. Es wird zwar suggeriert, dass eigene Entscheidungen den Verlauf massiv beeinflussen, die Auswirkungen auf die Haupthandlung sind jedoch marginal. Letztlich führt der Weg immer zum selben Ziel: dem Debüt.

Das ist thematisch nachvollziehbar – schließlich heißt das Spiel Road to Debut. Trotzdem hätten wir uns gewünscht, dass Entscheidungen deutlich größere Auswirkungen auf die Entwicklung der Gruppe, ihre Beziehungen oder zumindest die konkrete Art des Debüts haben.

Darunter fällt auch ein Punkt, der meiner Tochter aufgefallen ist. Sie hätte sich etwas mehr optische Eigenständigkeit gewünscht. Auch wenn man zu Beginn ein spezifisches Konzept für die Gruppe festlegt, spiegeln sich diese Unterschiede in den späteren Kostümen und Bühnenauftritten nicht so stark wider, wie es bei realen K Pop Gruppen der Fall ist. Zu diesem Punkt folgte für mich eine längere Nachhilfestunde zu den verschiedenen real existierenden K Pop Gruppen, deren Konzepte samt verfügbarem Videomaterial zur Illustration. Danke dafür.

Nebensache

Ähnlich verhält es sich mit den Side Quests. Es hat Spaß gemacht die einzelnen Trainees über kleine Geschichten und Ereignisse besser „kennenzulernen“. Die Geschichten bringen Tiefgang und binden uns an unsere Trainees (oder führen dazu, dass wir eine etwas weniger hohe Meinung von manchen haben).

Aber die Einbindung in die Gesamtstory ist doch eher random. Zum Beispiel war für uns häufig nicht nachvollziehbar, warum eine bestimmte Side-Story überhaupt ausgelöst wurde. Noch störender war, dass einige dieser Geschichten beginnen, später aber scheinbar einfach verschwinden, ohne zu Ende gebracht zu werden oder einen Einfluss auf das gesamte Spiel zu haben.

Quick-Time Events bei verschiedenen Herausforderungen und Trainings bieten etwas Abwechslung. Sie lockern die Spielmechanik auf, die sich ansonsten eher wie das Befüllen unseres Familien-Google-Kalenders anfühlt.

Das Debut – und dann?

Trotz aller Kritik muss man dem Spiel zugutehalten, dass es uns nur selten wirklich gelangweilt hat. Die Mischung aus Planung, Training, kleinen Events und Story funktioniert grundsätzlich gut. Lediglich in Phasen, in denen die Handlung länger nicht voranschreitet, kann sich eine gewisse Routine einstellen.

Umso schmerzhafter war das abrupte Ende: Genau in dem Moment, in dem man sich mit den Mädels identifiziert hat, ihre Stärken kennt und erleben will, wie sie sich in den Charts schlagen, Musikshows gewinnen und als Band wachsen, fallen die Credits.

Das Spiel nimmt seinen Untertitel „Road to Debut“ extrem wörtlich. Ob das als Cliffhanger für einen zweiten Teil gedacht ist? Wir würden es uns wünschen, denn die eigentliche Idol-Karriere hätte hier erst richtig begonnen.

Fazit

„K-pop Idol Stories: Road to Debut“ ist ein charmantes, atmosphärisches Spiel, das dank authentischer K-Pop-Referenzen, toller Musik und gesunder Botschaften vor allem im Team auf der Couch jede Menge Spaß macht. Als reine Management-Simulation fehlt es ihr allerdings an strategischer Tiefe, und das plötzliche Ende nach dem Debüt lässt K-Pop-Fans etwas wehmütig zurück.

Kurz gesagt: Ein unterhaltsamer Snack für K-Pop-Begeisterte – mit etwas ungenutztem Potenzial für die ganz große Bühne.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch 
Webseite: store.steampowered.com/app/1662160/Kpop_Idol_Stories_Road_to_Debut