Indie-Open-World mit Herz, Schwein und viel Erkundungslust. KAKU – Ancient Seal mischt aktuelles Action-Adventure mit einer Prise nostalgischem Charme alter „Jak & Daxter“ und „Zelda“-Plattformer – ein Indie-Titel, der mit einer riesigen Welt, phantasievollen Biomen, kreativen Dungeons und jeder Menge kleinen Sammel- und Rätselaufgaben punktet. Und das fernab des Mainstreams.
Ihr spielt Kaku, einen jungen Höhlenmenschen, der gemeinsam mit seinem fliegenden Schwein aufbrechen muss, vier elementare Kontinente zu bereisen und die Welt vor uralten Mächten zu retten. Bevor es allerdings soweit ist, müssen die beide erst einmal Freunde werden. Das ist sozusagen ein etwas ausgedehntes Tutorial und sehr lustig inszeniert.
Farbenpower und Detail-Liebe
KAKU begeistert euch sofort mit seiner farbenfrohen Optik: Jede Region ist liebevoll gestaltet, und die Element-Biome (Schnee, Dschungel, Wüste, Vulkan) bringen nicht nur abwechslungsreiche Artenvielfalt, sondern auch schöne Licht- und Wasser-Effekte.
Man merkt, dass die Entwickler viel Herz hineingesteckt haben: Texturen sind für Indie-Verhältnisse erstaunlich scharf, Waffen und Rüstungen haben einen coolen prähistorischen Look und fast jeder Außenposten lädt zum Entdecken und Stöbern ein. Das hier sieht einfach echt schick aus.
Besonders die gigantischen Boss-Arenen und knalligen Übergänge zwischen Landstrichen setzen optisch immer wieder Highlights – auch wenn ihr gelegentlich über technische Indie-Bugs stolpert, wie Pop-in von Texturen oder kleine Steuerungs-Aussetzer. Aber das kann ich diesem Projekt locker verzeihen.
Einfache Motive, spaßige Begleiter
Die Handlung ist angenehm simpel gehalten: Ihr sollt eine alte Tempelanlage retten und die Balance der Elemente wiederherstellen. Mehrere Sidekicks begleiten eure Reise, allem voran das fliegende Schwein Piggy, das in Jump’n’Run-Passagen hilfreich einspringt, als Trampolin, Wasserläufer oder sogar Meister der Tarnung. Allerdings kann Piggy nach einigen Kapiteln mit seiner „Quiek-Stimme“ etwas nerven – spielerisch bleibt das Schwein aber eine Bereicherung.
Die Storyline ist kein hochkomplexes Epos, sondern fokussiert auf „Abenteuer vor Charakter-Drama“: Kaku trifft schrullige NPCs und löst Mini-Quests, alle Dialoge laufen in Fantasiesprache mit viel Gestik und Animation ab – ein wenig wie ein Cartoon, dessen Humor und Leichtfüßigkeit an frühe PS2-Zeiten erinnert. Hier und da sind die Dialoge dann etwas zu ausufernd geworden nach meinem Geschmack. Aber auch das hält sich in Grenzen.
Platforming, Action und Rätselspaß
Das zentrale Gameplay kombiniert freie Erkundung mit vielen kleinen Platforming-Abschnitten, knackigen Bosskämpfen und cleveren Umgebungsrätseln. Insbesondere die kleinen Rätsel sind erstaunlich knackig gestaltet. Wenn ihr Blöcke mit einer limitierten Anzahl an Zügen verschieben sollt, ist oftmals richtiges Nachdenken gefordert.
Die Welt verkauft sich zwar als Open World – tatsächlich steuert ihr aber durch mehrere große Open Areas nach dem Vorbild von „Dragon Age Inquisition“ oder „Far Cry“. Das Erkunden lohnt sich aber: Versteckte Dungeons, Truhen, Runenschlüssel und Crafting-Material sind stets zu finden, um euren Helden und die Ausrüstung zu verbessern.
Kampfbereit
Das Kampfsystem setzt auf klassische Action mit Nahkampf-Kombo, Fernwaffen (Schleuder, Bogen), Ausweichrolle und Spezialattacken. Eher ein simples Vergnügen, das nicht sonderlich viel Tiefgang hat.
Schafft ihr es die Ausdauer-Leiste der Gegner zu brechen, werden sie betäubt und ihr könnt in Ruhe losschlagen. Die Fähigkeitsbäume von Kaku sind relativ umfangreich, der Kampf aber bleibt zugänglich und wird oft von Piggy-Tricks oder Sammelobjekt-Skills ergänzt. Auffällig ist aber, dass die Fernwaffen relativ mächtig sind im Gegensatz zum Nahkampf.
Kleine Auswahl
Negativ fällt auf: Viele Gegner und Bosse sind farblich „passend“ zum Biom, aber KI-mäßig gibt’s teils wenig Abwechslung – zudem ist die Interaktion zwischen Feinden untereinander nur minimal vorhanden. Es wiederholt sich alles relativ schnell.
Störend kann auch der Fokus auf viele Fetch-Quests und das mitwachsende Crafting werden, das zwar zum Erkunden anregt, aber keine große Tiefe bietet. Auch der Einsatz von besonderen Steinschleuder-Kugeln ändert nie sonderlich viel.
Fazit: Farbenfroher Indie-Trip
KAKU – Ancient Seal ist ein liebevoll gemachtes Abenteuer, das euch für rund 30 Stunden in eine offene Urwelt mit tierischen Sidekicks, spaßigem Rätsel- und Platforming-Gameplay sowie knalligen Bossfights entführt. Wer Indie-Charme mag, nostalgische Plattformer sucht und das prähistorische Setting mag, ist hier goldrichtig. Lasst euch vom quiekenden Schwein und der bunten Welt inspirieren – und genießt einen Trip voller Spaß, Sammelfieber und Abenteuermomente!
Erhältlich für: PS, Xbox, PC
Webseite: store.steampowered.com/app/1179580/KAKU_Ancient_Seal