Mit Keeper’s Toll liefert Stingbot Games ein Roguelite, das sich ganz dem Prinzip „easy to learn, hard to master“ verschreibt. Das Spiel ist für PC und Konsolen – inklusive Switch 2 – erschienen und setzt auf eine Mischung aus harten Kämpfen, taktischer Progression und einer düsteren, retro-inspirierten Fantasy-Atmosphäre. Doch was macht den Reiz aus, und kann sich Keeper’s Toll im mittlerweile dicht besetzten Genre behaupten?
Einstieg: Dunkle Fantasy, wenig Story
Die Welt von Keeper’s Toll ist rau, düster und voller Gefahren. Ihr schlüpft in die Rolle eines von sechs „Risen Heroes“ – darunter der Shadow Monk, Pyromancer, Blood Maiden, Necromancer, Ranger und Bogatyr. Jeder Held bringt eigene Fähigkeiten, Mechaniken und einen individuellen Talentbaum mit.
Die Story bleibt dabei bewusst im Hintergrund: Kurze Texte, etwas Lore und ein paar NPCs sorgen für Stimmung, aber im Kern geht es ums Überleben und das Meistern der Spielmechanik.
Die Präsentation ist solide: Der Retro-Look sorgt für Übersicht, auch wenn es bei vielen Gegnern auf dem Bildschirm gelegentlich unübersichtlich werden kann. Die Soundkulisse ist atmosphärisch, der Soundtrack motivierend – auch wenn er sich nach längeren Sessions wiederholt.
Gameplay: Skill, Taktik und endlose Wellen
Das Herzstück von Keeper’s Toll ist das skillbasierte, methodische Gameplay. Ihr startet mit einer schwachen Waffe, besiegt Gegner, sammelt Erfahrung und wählt bei jedem Levelaufstieg neue aktive oder passive Fähigkeiten aus. Das Ziel: Möglichst lange in den vier abwechslungsreichen Biomen zu überleben, immer stärkere Gegnerwellen und Bosse zu besiegen und dabei euren Build zu perfektionieren. Dabei kommt es auf Skill, aber auch etwas Glück an.
Jede Klasse spielt sich spürbar anders: Die Blood Maiden setzt auf Lebensraub, der Ranger auf Distanz und Kiten, der Necromancer kann seine Waffe sogar per Bewegung steuern. Die Vielfalt sorgt für hohen Wiederspielwert, da ihr mit jeder Figur andere Taktiken ausprobieren könnt.
Besonders gelungen ist das Build-Management: Ihr könnt Fähigkeiten und Upgrades frei kombinieren, experimentieren und auch nach einem Run eure Skillpunkte umverteilen. Händler, Curses (Risiko-Belohnungs-Events) und optionale Herausforderungen bringen zusätzliche Tiefe ins Spiel.
Progression: Jeder Run zählt
Sterbt ihr, ist der Durchlauf vorbei – typisch Roguelite. Doch ihr sammelt Erfahrung und Ressourcen, mit denen ihr dauerhafte Verbesserungen für eure Helden oder globale Boni freischaltet. So fühlt sich jeder Run lohnend an, auch wenn ihr mal früh scheitert. Die Meta-Progression ist motivierend und sorgt dafür, dass ihr immer wieder „nur noch einen Run“ spielen wollt.
Trotz aller Stärken bleibt Keeper’s Toll im Kern ein klassisches Wave-Survival-Roguelite, das sich stark an Vorbildern wie Vampire Survivors orientiert. Die Grafik ist funktional, aber nicht außergewöhnlich. Die Story bleibt blass, und nach einigen Stunden können sich Muster und Gegnerwellen wiederholen. Wer das Genre liebt, wird sich daran kaum stören – Innovationen oder große Überraschungen sollte man aber nicht erwarten.
Fazit
Keeper’s Toll ist ein rundes Roguelite, das mit forderndem Gameplay, hoher Klassenvielfalt und motivierender Progression punktet. Die Bosskämpfe sind knackig, die Builds vielfältig, und die Runs fühlen sich dank cleverem Meta-System immer lohnend an. Wer auf Story oder Innovation hofft, wird weniger begeistert sein – doch für Actionfans, Tüftler und Freunde des Genres ist Keeper’s Toll ein echter Geheimtipp, der technisch sauber und angenehm spielbar ist. Wer Spaß an fordernden Roguelites hat, sollte hier definitiv einen Blick riskieren.
Erhältlich für: Xbox, PC, PS, Switch
Webseite: eastasiasoft.com/games/Keepers-Toll