Es war eine der ersten Präsentationen der Playstation 5, die ich gesehen habe. Während um die Enthüllung der Konsole viel Tamtam gemacht wurde, freute ich mich viel mehr auf die Spiele, die gezeigt werden sollten. Bei einem dieser Spiele blieb mein Blick direkt haften und ich wollte mehr wissen: Ember Lab stellte Kena: Bridge of Spirits vor.
Ob es sich dabei um ein vorgerendertes Video handelte oder In-Game-Grafik wusste ich damals nicht. Jedenfalls sah es so aus wie ein professionell animierter Pixar-Streifen zum Spielen. Und das kommt nicht von ungefähr, wenn man auf die Historie des Studios zurückschaut. Denn ursprünglich startete Ember Lab als Animationshaus und wollte nun neue Gebiete erobern. Mit ihrem Erstlingswerk hinterlassen sie dabei einen bleibenden Eindruck.
Eine Seele von Mensch
Die Geschichte dreht sich um die namensgebende Heldin Kena, die ihres Zeichens eine Geisterführerin ist. Sie begleitet die verstorbenen Seelen auf die andere Seite. Doch eines Tages geht das nicht mehr, weil das Fantasy-Land von merkwürdigen Pflanzenwesen heimgesucht wird. Nein, Groot taucht hier nicht auf. Warum diese Monster erscheinen und wie es nun weitergehen kann, soll Kena nun herausfinden.
Mit ihrem Stab ist sie in der Lage gegen die Viecher zu kämpfen. Dabei tauchen die Macher alles in einen wunderschönen Grafikstil ein, der oftmals zum Staunen anregt. Selten, dass ich so ein hübsches und niedliches Spielchen vor Augen hatte.
Doch lasst euch nicht von der Optik täuschen: Kena: Bridge of Spirits kann hier und da ganz schön herausfordernd sein – zumindest, wenn ihr es auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad spielt. Standardgegner sind zwar nie sonderlich schwer, dafür haben es aber die Bosse in sich. Denn jeder Boss hat eine Schwachstelle, die ihr finden müsst. Erst dann könnt ihr ihn besiegen. Das macht durchaus Laune und ist fantastisch inszeniert. Das Kampfsystem funktioniert dabei prima, wenn auch die Zeit zum Ausweichen manchmal sehr knapp bemessen ist.
Hat da jemand Mario gesagt?
Inspiriert haben sich die Entwickler eindeutig bei Nintendo, wenn man auf die Spielmechaniken schaut. Denn das Kampfsystem erinnert stark an Links Attacken aus den Zelda-Spielen. Mit Stab, Bogen und Bomben habe ich auch dort schon gekämpft. Aber auch die Pikmin hatten sicherlich Einfluss auf Kena: Bridge of Spirits. Denn im Verlaufe der Story trifft Kena immer wieder auf die Rott.
Dabei handelt es sich um kleine, äußerst niedliche Wesen, die Kena auf Schritt und Tritt folgen, sobald sie gefunden wurden. Und ihr solltet viele davon sammeln. Denn die Rott verbessern Kena auf unterschiedliche Weise. Zum einen spendieren sie der Hauptheldin neue Fähigkeiten, die das Leben einfacher machen.
Zum anderen unterstützen sie Kena im Kampf passiv: Die Rott können zum Beispiel einige Lebenspunkte bei Kena auffrischen oder ihr super starke Attacken verleihen. Daher lädt das Spiel zum Erkunden ein. Apropos Erkunden: Erwartet jetzt kein riesiges Open-World-Abenteuer – und das meine ich durchaus positiv.
Kena: Bridge of Spirits lässt sich in zwei, drei Tagen locker durchspielen, wenn ihr wollt. Ember Lab hat das Spiel sehr schön von unnötigem Ballast befreit, der das Spielerlebnis aufblasen würde ohne Sinn und Verstand. Eine sehr gute Entscheidung, wie ich finde. Es gibt keine dutzenden Side-Quests oder ellenlange Dialoge, die keinen Mehrwert haben. Bei Kena: Bridge of Spirits stimmt die Dosis von Länge und Unterhaltung perfekt.
Neben den Kämpfen habt ihr hin und wieder auch mal einige Rätsel zu lösen. Für erfahrene Spieler sollten diese keinerlei Herausforderung darstellen. Dennoch lockern sie das Spielgeschehen etwas auf. Einzig und allein Kena selbst hält sich im Laufe der Story vornehm zurück. Man möchte mehr über sie erfahren, was leider bisher noch nicht möglich ist.
Fazit
Kena: Bridge of Spirits ist ein in Software gegossener Pixar-Film für große und kleine Spieler*innen. Die wunderschön gestaltete Welt trifft auf ein griffiges und kompaktes Gameplay, das auf der höchsten Schwierigkeitsstufe auch angenehm fordernd ist. Als Erstlingswerk hat Ember Lab hier eine großartige Leistung vollbracht. Man kann gespannt sein, was hier noch folgen wird. Ich persönlich würde mich freuen, wenn ich noch mehr über Kena und diese wunderschöne Welt erfahren dürfte.
Erhältlich für: PC, PS
Website: emberlab.com