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Kiln

Töpfern, Teamwork und Zerstörung.

Ich fand die Grundidee von Kiln erst mal herrlich verrückt. Ein Spiel, in dem ihr einen Topf baut, ihm Form und damit Eigenschaften gebt und danach mit diesem Gefäß ins Gefecht zieht, klingt nach purem Double-Fine-Irrsinn. Ja, genau das ist es auch. Der Reiz liegt weniger im bloßen Kämpfen als im Zusammenspiel von Handwerk, Körperform und Teamtaktik.

Ton, Form und Funktion

Was mir an Kiln sofort gefällt, ist die klare Designidee. Kleine Gefäße sind schneller, große robuster, und die Form beeinflusst Fähigkeiten und Spielweise. Dazu kommt ein sozialer Hub namens The Wedge, in dem ihr trainieren, euren Tonkörper verschönern und euch auf die Matches vorbereiten könnt.

Das ist ein starker Kniff. Denn so fühlt sich das Spiel nicht an wie ein anonymer Online-Brawler, sondern eher wie ein seltsamer kleiner Ort mit Ritualen und Persönlichkeit. Gerade die Idee, schöne Dinge zu formen und sie dann in einem Match wieder in Scherben zu legen, gibt Kiln eine hübsch makabre Seele.

Kämpfen mit Knall

Spielerisch lebt Kiln von physikbasiertem Gerangel. Statt klassischer Lebensbalken geht es um Splittern, Verformen, Aufprall und Timing. Das sorgt dafür, dass sich Treffer wuchtig und greifbar anfühlen. Wenn ein Gegner euch in den falschen Winkel erwischt, merkt ihr das sofort.

Die Kämpfe sind flott, verständlich und machen direkt Spaß. Bei mir war es so, dass die erste halbe Stunde enorm gezündet hat. Genau da, wo man noch lacht, staunt und die bizarre Spielidee aufnimmt, kann Kiln richtig glänzen.

Aber wie lange trägt das?

Hier liegt auch die große offene Frage. Die Idee ist cool, aber die Langzeitmotivation leidet schnell. Wenn ein Spiel fast komplett auf einen Online-Modus mit wenigen Karten und nur einem zentralen Hauptziel setzt, steht und fällt es eben mit Balance, Matchmaking und Wiedererkennungswert.

Genau dort ist Kiln nicht völlig unantastbar. Das Spiel ist meiner Meinung nach zu dünn zum Launch. Anders gesagt: Die Idee ist großartig, aber sie braucht vermutlich eine Menge guter Pflege, damit aus dem cleveren Konzept auch ein dauerhaft gutes Multiplayer-Spiel wird.

Fazit

Kiln ist auf der Xbox ein ungewöhnlicher, kreativer und mutiger Multiplayer-Brawler, der Töpferei in eine echte Spielmechanik verwandelt. Ich mag, wie eigen das ist. Ich mag auch, dass Double Fine hier wieder einmal etwas macht, das nicht nach Standard riecht.

Ob Kiln langfristig trägt, ist die spannendere Frage. Es hat viel Charme, gutes Kampffeeling und eine frische Idee, aber auch einen begrenzten Umfang und ein fragiles Fundament für längeren Multiplayer-Alltag. Unterm Strich bleibt für mich ein Spiel, das sofort auffällt, weil es ausgerechnet das Töpfern zum Kampfsport macht — und genau deshalb sollte man es zumindest einmal ausprobiert haben.

Erhältlich für: Xbox, PC 
Webseite: store.steampowered.com/app/1165990/Kiln