Vor einigen Wochen auf der gamescom dachte ich noch folgendes: Kirby Air Riders für die Switch 2 wirkt auf den ersten Blick wie ein harmloser Fun-Racer. Doch sehr schnell hatte ich ein anderes Bild: In der ersten Runde merkte ich, dass hier eher „Super Smash Bros. trifft Mario Kart im Overdrive“ angesagt ist. Eine spannende Mischung, bei der es sehr bunt hergeht.
Effekte im Überfluss
Bunte Kirbys rasen auf schwebenden Star-Machines durch völlig überdrehte Kurse, prügeln sich nebenher mit Copy-Fähigkeiten und verwandeln jede Runde in ein Feuerwerk aus Partikeln, Items und Geschrei. Das Ergebnis ist ein Racer, der bewusst an die GameCube-Kultvorlage anknüpft, sie aber in puncto Tempo, Chaos und Umfang deutlich übertrifft.
Die große Besonderheit von Kirby Air Riders ist die Steuerung: Theoretisch ist alles extrem simpel gehalten – Gas geben, lenken, driften, Copy-Fähigkeiten auslösen. In der Praxis erfordert das aber mehr Feingefühl, als man erwarten würde. Das Ergebnis ist ein spaßiges Spiel, das einen aber auch auf angenehme Weise fordern kann, wenn man es beherrschen will.
Feintuning für Spaß-Feuerwerke
Viele Maschinen beschleunigen automatisch, Drifts und Luftsprünge hängen stark vom Timing ab, und Power-Ups kosten oft Geschwindigkeit, weil man zum Angreifen abbremsen oder aufladen muss.
Sobald man die Mechanik versteht und verinnerlicht hat, zeigt das System seine Tiefe - so war es bei mir schon auf der gamescom. Hier sind mal einige der grundsätzlichen Mechaniken, die ihr beherrschen solltet:
- Gegner „ansaugen“, Fähigkeit kopieren, im richtigen Moment entladen.
- Boost-Felder, Rails, Sprünge und Luftströme im perfekten Rhythmus aneinanderketten.
- Maschinen wählen, die zum eigenen Stil passen – vom trägen „Armored Star“ bis zur zerbrechlichen, absurden „Paper“-Rakete.
Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass der Einstieg überwältigend ist – man crasht in Explosionen, verliert die Übersicht und fühlt sich eher wie Beifahrer. Alles ist bunt und nie hatte ich das Gefühl zu wissen, was ich da eigentlich tue. Mit ein paar Runden kippt das aber und die Hektik verwandelt sich in einen sehr befriedigenden Flow, bei dem das Besiegen eines ebenso fähigen Gegners echtes „One more round“-Gefühl erzeugt.
Air Ride, City Trial & Top-Down-Wahnsinn
Damit euch nicht allzu schnell langweilig wird, bietet Kirby Air Riders drei Kernmodi, die bekannte Ideen neu mischen:
Air Ride: Der klassische Rennmodus für bis zu sechs Fahrer:innen. Die Strecken sind bewusst kurz, extrem verdichtet und vollgestopft mit Abschnitten, in denen man auf Rails geschleudert wird, durch sich teilende Meere brettert oder in Weltraum-Tunnel gezogen wird. Es gibt praktisch keine „Leerlauf“-Passagen – ständig wird gedriftet, gejumpt, geflogen oder geprügelt. Hier kommt sogar ein wenig Mario Kart Feeling auf.
City Trial: Herzstück für viele Fans. Hier starten alle in einer offenen Stadt, sammeln in einem Zeitfenster Stats-Upgrades, Maschinen und Fähigkeiten, bevor am Ende ein zufälliges Minispiel oder Rennen entscheidet. Das war auf der gamescom damals auch mein Startpunkt.
Die Sammel-Orgie, zufälligen Events und absurden Effekte (geringe Schwerkraft, rutschige Böden, Random-Bosse) sorgen für maximale Lach- und Chaosmomente – ideal im lokalen Multiplayer, aber durchaus ermüdend, wenn man dutzende Runden am Stück spielt. Ich brauchte danach erst einmal etwas Ruhe, war aber angefixt.
Top Ride: Ein Vogelperspektiven-Modus mit simpleren Kursen, der optisch und spielerisch an alte Arcade-Racer erinnert. Perfekt, um Einsteiger:innen abzuholen oder für „eine schnelle Runde Zwischendurch“, ohne gleich den vollen Effekt-Tsunami von City Trial zu erleben.
Online wie lokal läuft das Ganze technisch sehr sauber: ihr bekommt stabile 60 FPS selbst im Effekt-Gewitter und ohne nennenswerte Input-Lag-Probleme. Gerade auf der Switch 2 zeigt das Spiel eindrucksvoll, wie gut bunte High-Speed-Action mittlerweile auf Nintendos Plattform aussehen kann.
Jede Star-Machine ein Charakter
Ein weiteres Plus ist die Vielfalt der Fahrzeuge. Anders als in vielen Fun-Racern unterscheiden sich die Maschinen nicht nur minimal, sondern drastisch: Gewicht, Kurvenverhalten, Beschleunigung, Gleitfähigkeit und Spezialeffekte verändern den kompletten Fahrstil.
Dazu kommt ein überraschend tiefes Customization-System, bei dem ihr euch austoben dürft:
- Lackierungen, Sticker, Pixel-Art und Embleme.
- Feintuning von Parametern über freischaltbare Teile.
- Skins für Kirby und seine Freunde, die zwar kosmetisch sind, aber ordentlich Persönlichkeit bringen.
Ich muss sagen, dass sich fast jede Maschine irgendwie lohnenswert anfühlt – niemand wird zu einem Totalausfall degradiert, auch wenn einige Fahrzeuge klar mehr Übung verlangen.
Technik, Optik & Sound
Kurz ein paar konkrete Worte zur Grafik und Präsentstion. Visuell ist Kirby Air Riders ein echtes Spektakel: Explosionen, Farbverläufe, Partikeleffekte und irrsinnig gestaltete Kurse liefern eine Dauerreizung der Sinne, bleiben dabei auf der Switch 2 aber erstaunlich stabil. Manche meiner Freunde empfinden das als grenzwertige Reizüberflutung, andere feiern es als perfekte Umsetzung eines Kirby-Hyperactive-Racers. Bei mir hängt das von der Tagesform ab.
Der Soundtrack ist – typisch Kirby – stark: fröhliche, treibende Melodien zwischen Remixen aus Air Ride-Zeiten und neuen Tracks, die City Trial und Air Ride jeweils ihre eigene Identität geben. Effekte sind satt und klar, auch wenn bei vollem Chaos subjektiv nur noch ein einziger großer „Krach-Bumm“-Teppich wahrgenommen wird.
Kursanzahl & Chaos-Fatigue
Bei aller Begeisterung gibt es auch ein wenig Kritik. Zum einen ist der Kurs-Pool überschaubar: 18 Strecken, davon neun Retro-Varianten, sorgen zwar anfangs für viel Abwechslung, können aber Vielspieler:innen auf Dauer etwas repetitiv erscheinen.
Zum anderen ist das Chaos nicht jedermanns Sache. Ich hatte immer wieder das Gefühl, dass City Trial und voll aufgepumpte Air-Ride-Rennen nach wenigen Runden „erschöpfend“ wirken, weil Kontrolle und Übersicht immer wieder zugunsten von Spektakel flöten gehen. Aber nach einer kurzen oder langen Pause ging es dann wieder. Mein Tipp: Hier hilft es, das Spiel in kürzeren Sessions zu genießen – als Party- oder Abendspiel –, statt es stundenlang am Stück wegzusuchten.
Fazit: Chaotischer Traum für Multiplayer-Fans
Kirby Air Riders ist genau das, was der Name verspricht: ein luftiger, wilder, stellenweise völlig überdrehter Racer, der Kirbys Charme mit Smash-artigem Prügel-Fokus und Mario-Kart-Tempo kreuzt. Wer Lust auf strukturierten, linearen Rennsport hat, wird mit dem Chaos schwer warm. Wer dagegen gerne lacht, flucht, Rematch drückt und das halbe Wohnzimmer in „Hast du das gesehen?!“-Rufe versetzt, bekommt hier einen hervorragenden Multiplayer-Titel. Starke Technik, liebevolles Design, tiefer als erwarteter Maschinen- und Steuerungs-Unterbau und drei sehr unterschiedliche Modi machen Kirby Air Riders zu einem der auffälligsten Fun-Racer auf der Switch 2 – nicht perfekt, aber genau so verrückt, wie man es sich von Kirbys Rückkehr auf die Rennstrecke erhoffen durfte.
Erhältlich für: Switch 2
Webseite: nintendo.com/de-de/Spiele/Nintendo-Switch-2-Spiele/Kirby-Air-Riders-2785805.html