Es gibt Brettspiele, die schon beim Auspacken „laut“ wirken wollen. Ihr wisst schon: Große Effekte, knallige Farben, sofortige Spannung. Koi geht für mein Empfinden in die genau entgegengesetzte Richtung. Und genau das mag ich daran! Das ist hier keine Schwäche, sondern die eigentliche Stärke. Dieses Spiel strahlt eine wohltuende Ruhe aus, noch bevor die erste Partie überhaupt beginnt.
Mein erster Gedanke beim Auspacken: Das Design ist sehr schick und hochwertig, und genau dadurch entsteht sofort dieser Eindruck, dass hier nicht einfach nur gespielt, sondern auch ein kleines Stück Atmosphäre auf den Tisch gebracht wird.
Gerade das hat mir an Koi schnell gefallen. Es ist eines dieser Spiele, die nicht versuchen, euch mit Hektik oder dauernden Überraschungen unter Strom zu setzen, sondern eher mit einer stillen, fast schon meditativen Wirkung arbeiten. Man sitzt davor, schaut auf das Material, kommt ein wenig runter und merkt ziemlich schnell, dass dieses Spiel nicht antreiben, sondern entschleunigen will.
Der Teich entfaltet sich langsam
Der meditative Effekt stellt sich bereits beim Ausstanzen der vielen Kleinteile ein. Ich liebe diese kleine Fleißarbeit einfach. Klick, klick, klick. Teil für Teil purzelt hier auf den Tisch und ich versuche mir vorzustellen, wie das Spiel funktioniert.
Nur bei den ganz kleinen Dekorationen wie Teich-Lampen oder Schildkröten-Steinen ist Fingerspitzengefühl gefragt: Um hier die kleinen vorgestanzten Pappstreifen zu lösen, braucht ihr Geduld oder einen spitzen Gegnstand.
Ein ruhiger Einstieg
Besonders angenehm fand ich, dass wir in den ersten Runden erst einmal die einfachere Variante gespielt haben. Das schlägt euch Koi auch vor, dass ihr die ersten Runden ohne Aufgabenkarten und ohne Dekorationen spielt. Das war im Nachhinein genau die richtige Entscheidung, weil Koi dadurch erst einmal Raum bekommt, seine Grundidee in Ruhe zu entfalten. Statt sich sofort mit allen möglichen zusätzlichen Elementen zu beschäftigen, konnte man zunächst verstehen, wie das Spiel überhaupt tickt.
Und genau das passt erstaunlich gut zum Charakter des Ganzen. Koi ist nicht wie ein Brettspiel, das man in fünf Minuten aggressiv „knacken“ will, sondern eher wie eines, bei dem man sich langsam hineinfindet. Diese reduzierte erste Variante hat deshalb nicht das Gefühl erzeugt, dass etwas fehlt, sondern eher, dass das Spiel einem ganz bewusst die Hand reicht und sagt: Schau erst einmal in Ruhe, wie ich funktioniere.
Wenn es Klick macht
Ganz reibungslos war der Einstieg trotzdem nicht in jeder Runde. Vor allem in der allerersten Runde brauchte es bei uns ein klein wenig, bis es wirklich klick gemacht hat. Das ist so ein Moment, den viele Brettspiele kennen: Man versteht zwar die Regeln, aber das eigentliche Spielgefühl ist noch nicht ganz da. Man macht Züge, beobachtet, probiert, und innerlich sucht man noch nach diesem Punkt, an dem aus Mechanik plötzlich Intuition wird.
Als dieser Punkt dann erreicht war, wurde Koi für mich aber deutlich schöner. Plötzlich wirkte das Spiel nicht mehr nur ordentlich konstruiert, sondern wirklich rund. Dann begann genau das durchzukommen, was ich mir von so einem Titel erhoffe: nicht bloß ein funktionierender Ablauf, sondern ein angenehmer Spielfluss, bei dem man sich auf das Tempo und die Wirkung des Spiels einlässt.
Dieses späte „Jetzt hab ich’s“ hat die Partie für mich fast noch sympathischer gemacht, weil sich Koi dadurch nicht wie sofortige Massenware anfühlte, sondern wie ein Spiel, das man erst ein wenig kennenlernen muss. Sehr sympathisch. Zudem musste ich bei meinem Zug nicht großartig nachdenken, ob ich meditieren oder arbeiten will, sondern habe intuitiv gespielt.
Mehr Tiefe für spätere Partien
Gerade deshalb finde ich auch den Aufbau mit den zusätzlichen Elementen gelungen. Wenn man erst einmal weiß, wie alles funktioniert, kann man Aufgabenkarten und Dekorationen hinzunehmen, und genau dann wirken diese Extras nicht wie Überforderung, sondern wie eine sinnvolle Erweiterung. Das Spiel scheint dadurch nach und nach mehr Facetten zu zeigen, ohne seine ruhige Grundstimmung zu verlieren.
Das gefällt mir besonders, weil es Koi eine angenehme Entwicklung über mehrere Partien hinweg gibt. Erst kommt das Verstehen, dann das Verfeinern. Erst die reduzierte Form, dann die vollständigere. Dieses behutsame Öffnen weiterer Ebenen passt perfekt zu einem Spiel, das ohnehin eher auf Balance, Stimmung und Entschleunigung setzt als auf Lautstärke oder Wettkampfgestus.
Fazit
Unterm Strich ist Koi für mich ein Brettspiel, das vor allem über seine Ausstrahlung funktioniert. Es ist schick, hochwertig und angenehm ruhig, und genau dieser meditative Charakter hebt es im positiven Sinn von vielen anderen Titeln ab. Wer auf Spiele steht, die nicht aufdrehen, sondern herunterfahren, bekommt hier ein sehr schönes Gesamtpaket.
Dass es bei uns ganz am Ende noch einen kleinen Moment brauchte, bis wirklich alles zusammenfiel, gehört für mich fast schon zum Erlebnis dazu. Denn sobald dieses Verständnis da war, wurde aus dem hübschen Eindruck auch ein wirklich schönes Spielgefühl. Koi ist damit kein Titel, der euch packt, indem er euch hetzt, sondern einer, der euch langsam mitnimmt. Und genau das macht seinen besonderen Reiz aus.
Webseite: kosmos.de/de/koi_1687465_4002051687465