Hätte mir vor fünf Jahren jemand gesagt, dass in den Hallen meines damaligen Lieblingssupermarktes ein 1A-Point&Click-Adventure entstehen würde, hätte ich dieser Person dringend geraten den Alkoholkonsum an diesem Tag zu drosseln. Doch nun sitze ich an meiner Xbox und bin begeistert von einem Adventure, das eben genau an jenem Ort entstanden ist. DigiTales, ein kleines Indie-Studio aus Saarbrücken, haben mit Lacuna ein äußerst unterhaltsames Werk geschaffen, das ich Fans des Genres gleich vorweg ans Herz legen kann. Doch springen wir ins Spiel hinein.
Kein Zurück!
Wäre es im echten Leben nicht manchmal schön, wenn wir „alte Spielstände“ neu laden könnten? Also beispielsweise einen Speicherpunkt vor einem verhunzten Rendez-vous, um es besser zu machen. Oder eine abenteuerliche Reise, um sie erneut zu erleben. Oder einfach kurz vor einem Sturz auf den Bordstein, um ebendiesen zu vermeiden. Ja, in Spielen geht das für gewöhnlich – in Lacuna allerdings nicht. Willkommen im echten Leben eines Adventures. Das Spiel speichert knallhart jede Entscheidung ab, die ihr getroffen habt. Mit den Konsequenzen dürft ihr im Anschluss leben. Übrigens bekommt ihr genau diese Info gleich zu Beginn von Lacuna präsentiert. Also passt auf, was ihr so macht.
Das erhöht natürlich im Endeffekt den Wiederspielwert. Doch ist das eigentliche Spiel einen Durchgang wert? Die knappe Antwort darauf: Absolut! Nach rund sechs oder sieben Stunden habt ihr den pixeligen Sci-Fi-Trip hinter euch, der euch schnell fesseln kann. Da ich euch die Story nicht spoilern möchte, halte ich mich sehr vage in dieser Hinsicht. Das Spiel startet jedenfalls mit Mira, einem jungen Mädchen, das gerade mit ihren Eltern auf einen neuen Planeten gezogen ist. Dort sind sie die ersten Menschen, die den Planeten neu besiedeln wollen. Leider geht schon in den ersten Augenblicken eures Spielens etwas gewaltig in die Hose.
Jede Entscheidung zählt
Die Sequenz mit Mira hat euch gezeigt, wie Lacuna sich steuert und aussieht. Keine Sorge: Sonderlich kompliziert ist die Steuerung nicht. Mit dem Gamepad habt ihr alles bestens unter Kontrolle. Allerdings hat euch das Spiel schon nach dieser Art Tutorial einige knallharte Entscheidungen treffen lassen. Zudem musstet ihr einen kurzen Test absolvieren, der wirklich ein wenig Recherche erforderte. Es ist ein frischer Ansatz, der hier durch Lacuna weht.
Die Hauptspielzeit werdet ihr mit Neil Conrad, einem CDI-Ermittler, verbringen. Auf dem Planeten Ghara löst dieser Special Agent Kriminalfälle. Beziehungsweise müsst ihr die Fälle lösen. Dazu reist ihr von Tatort zu Tatort. Am Ort des Geschehens angekommen, sollt ihr mit den Personen dort reden, die Umgebung untersuchen und eure Schlüsse ziehen. Habt ihr genug Informationen gefunden, gebt ihr diese weiter an euren Fortgesetzten. Ob ihr mit euren Vermutungen richtig liegt, erfahrt ihr nicht immer direkt – auch ein sehr spannender Ansatz.
Tiefe Einblicke
Neben dem beruflichen Alltag lernt ihr Neil auch von seiner privaten Seite kennen. Da er ständig unterwegs ist, lebt er in Scheidung und hat außerdem kaum Zeit für seine Tochter. Auch in seinem privaten Umfeld dürft ihr als Spieler Entscheidungen treffen. Findet ihr es gut, dass Neil ständig an seiner Kippe zieht? Nein? Dann kauft ihm einfach keine neuen Zigaretten. Wollt ihr das Familienleben etwas kitten? Dann geht seine Tochter besuchen. Lacuna überlässt euch die Wahl – und ihr müsst die Konsequenzen tragen.
Das Einzige, was ich der Story vielleicht ankreiden könnte, ist der fehlende Spannungsbogen. Ja, es gibt immer wieder überraschende Momente, doch vieles deutet sich bereits frühzeitig an. Es fehlt an dem ein oder anderen Wow-Moment in der Geschichte – aber seht das nur als eine Randnotiz. Könnte auch persönlicher Geschmack sein.
Grafisch ist Lacuna ebenfalls Geschmackssache – und trifft bei mir genau ins Schwarze: Ich liebe den Pixel-Look, der dennoch mit vielen, liebevollen Details glänzt. Die düstere Sci-Fi-Welt verströmt ihren Charme aus jedem Pixel, das ihr sehen werdet. Untermalt wird das Ganze von einem melancholischen Soundtrack, der ebenfalls zur Stimmung beiträgt.
Fazit
Ich halte mich kurz: Lacuna ist eine echte Indie-Perle, von der ich nie gedacht hätte, dass sie mich so fasziniert. Jedem Fan von Point&Click-Adventures kann ich nur raten, sich dieses Kunstwerk genauer anzuschauen. Und nach sechs Stunden dürft ihr selbst entscheiden, ob ihr nochmals in die Welt von Lacuna abtauchen wollt. Ich habe es jedenfalls getan. Danke an DigiTales und Publisher Assemble Entertainment für dieses Kleinod an Unterhaltung.
Erhältlich für: PC, Xbox, PS, Switch
Website: digitales.games