Als ich zum ersten Mal von Legend of Keepers gehört habe, las ich auch einen Vergleich in der Beschreibung: Dungeon Keeper war da zu lesen – und ich war ganz Ohr. Das französische Studio Goblinz liefert hier zwar kein zweites Dungeon Keeper oder Dungeons 3 ab, unterhält aber mit einer eigenwilligen Mischung aus Strategie und Monsterverwaltung.
Die Lupe im Anschlag
Bevor ich euch erzähle, um was es in Legend of Keepers eigentlich geht, will ich meinen Frust loswerden. Dabei geht es nicht um das Spiel an sich, sondern um die Präsentation. Meine Nintendo Switch, auf der Legend of Keepers neben dem PC erschienen ist, nutze ich fast ausschließlich im Handheld-Modus.
Bei Legend of Keepers bringt mich das aber fast an die Grenze des Machbaren. Denn die Schrift in sämtlichen Menüs ist so winzig klein, dass ich mir fast die Nase am Screen plattdrücken muss. Warum? Was soll das? Das hätte man doch ohne Weiteres ausmerzen können, oder? Am großen TV-Bildschirm sieht es da anders aus, aber ich liebe eben den Handheld-Modus. Darauf will und werde ich nicht verzichten.
Also ging ich mit etwas getrübter Freude auf Testfahrt. Legends of Keepers selbst fängt dabei charmant den Charme eines Dungeon Keepers ein – wie mir versprochen wurde. Doch rein optisch oder inhaltlich streifen sich die beiden Werke höchsten ein wenig. Im Zentrum von Legends of Keepers stehen eure Dungeons, die mit wertvollen Schätzen gefüllt sind. Diese gilt es zu verteidigen – vor Möchtegern-Helden. Allerdings habt keinen Dungeon zu verwalten, wie es bei Dungeon Keepers der Fall war. Vielmehr kümmert ihr euch um die Verteidigungslinien der einzelnen Räume.
Alltag des Folterns
Nach einer kurzen Einführung wisst ihr ungefähr, was zu tun ist. Wochenweise dürft ihr entscheiden, was ihr als nächstes tun möchtet. Dabei steht euch zur Wahl, ob ihr Monster verbessern wollt, neue Fallen kauft oder vielleicht sogar einige Einrichtungsgegenstände vermieten wollt – allerdings gibt euch das Spiel immer nur drei zufällige Optionen zur Wahl. Mit eurer Ausrüstung dürft ihr dann die Dungeons aufrüsten.
Bevor Helden einlaufen, setzt ihr in den Räumen die entsprechenden Gegenmaßnahmen ein. Aber auch hier seid ihr nicht frei in eurer Wahl. Zum einen gibt euch der Raum selbst vor, was hier reinkommt. Zum anderen nehmt ihr immer nur eine begrenzte Anzahl an Monstern und Ausrüstung mit in die Dungeons. Eine Runde läuft dann wie folgt ab: Zunächst einmal spielt sich alles aus einer seitlichen 2D-Ansicht. Danach werdet ihr von Raum zu Raum geführt und dürft Entscheidungen treffen.
In einem Fallenraum stellt ihr eine Falle auf – diese verteilt automatisch Schaden oder verflucht die Helden, die dort hineinkommen. Anschließend gibt es noch einen Monsterraum – hier wird es spannend: Dort verteilt ihr drei eurer Schergen und schaut dabei, dass ihr die Schwächen der ankommenden Helden im Auge behaltet.
Sobald die Heldentruppe dann hierher kommt, geht es in rundenbasierter Manier ins Gefecht. Und macht euch keine Sorgen um eure Monster: Wenn diese sterben, werden sie nach der Runde wiederbelebt, sofern die Helden nicht auch noch den Endboss schlagen – womit wir schon beim dicksten Brocken wären.
Sieg durch Tod oder Furcht
Zu Beginn verfügt ihr nur über Maug, den Sklaventreiber, als Endboss. Dieser mächtige Zentaur verteilt ordentlich Schaden und Schrecken. Schrecken? Genau, ihr könnt Helden nicht nur töten, sondern ihre Moral derart drücken, dass sie wimmernd den Dungeon verlassen. Später im Spiel erhaltet ihr noch Zugriff auf zwei weitere Obermotze, die ihr anstelle des Sklaventreibers einsetzen dürft. Alle verfügen zudem über ausufernde Fähigkeitsbäume, was die Motivation oben hält.
Grafisch befindet sich Legend of Keepers auf dem Niveau eines guten, alten SNES-Spielchens: Verpixelt, aber dennoch charmant. Apropos charmant: Auch der düstere Humor kommt nicht zu kurz und hat mich einige Male schmunzeln lassen. Auch das Fortschrittssystem ist den Goblinz Studios gut gelungen: Denn Legend of Keepers ist ein roguelike-typisches Spielchen. Also jedes Mal, wenn ihr neu beginnt, habt ihr zufällige Dungeons und Heldenbegegnungen.
Was mich aber persönlich motiviert hat: Wenn es die Helden doch mal schaffen, mich zu übermannen, verliere ich zwar sämtliche Monster, Ausrüstungen und Fallen, dafür erhalte ich aber permanente Erfahrung, die mir einige Extras für den nächsten Anlauf gewähren. Soll heißen: Jeder Tod macht euch letztlich nur stärker. Und genau so soll es bei dieser Art von Spielchen auch sein.
Fazit
Legend of Keepers ist ein durchaus unterhaltsames Spielchen für Zwischendurch. Inhaltlich macht die Jagd auf Helden und die Aufrüstung der Dungeons ordentlich Spaß. Auch das motivierende Erfahrungssystem kann sich sehen lassen. Weniger sehen lassen kann sich die Präsentation im Handheld-Modus der Switch: Das hätte ruhig ein paar Schriftgrößen höher ausfallen können. Ansonsten ist den Goblinz Studios ein unterhaltsames Werk gelungen, das tatsächlich auf den Spuren eines Dungeon Keepers wandelt. Für böse Unterhaltung ist somit gesorgt.
Erhältlich für: Switch, PC
Website: goblinzstudio.com/game/legend-of-keepers