Die LEGO Art „Mona Lisa“ ist ein faszinierender, aber auch extrem polarisierender Ausflug von LEGO in die Hochkultur – technisch beeindruckend, optisch je nach Geschmack irgendwo zwischen „mutig“ und „Uncanny Valley“ angesiedelt. Wer das Original liebt, wird hier eher ein spannendes Experiment als ein rundum gelungenes Kunstwerk für die Wohnzimmertür finden. Aber sehr selbst.
Bau- und Teileerlebnis
Beim Bauen merkt ihr schnell, dass die Designer sich beim Rahmen richtig ausgetobt haben: Der aufwendige Goldrahmen mit über 300 Metallic-Gold-Elementen wirkt in echt sehr edel und steht qualitativ deutlich über dem typischen Pearl Gold, das sonst oft verwendet wird. Fingerfreundlich ist das allerdings nicht immer – das Zusammensetzen des Rahmens ist stellenweise recht fummelig und repetitiv, auch wenn genau dieser meditative Charakter für viele Art-Fans natürlich zum Reiz gehört.
Die eigentliche „Leinwand“ setzt dann stark auf geschichtete Platten und Tiles, die Landschaft und Kleid in differenzierten Erdtönen nachformen. Gerade Schultern, Mantel und der Übergang vom Himmel über Berge zum Vordergrund zeigen deutlich, wie viel Bautechnik und „Klemmstein-Mathematik“ in dieses Set geflossen ist – als Bau-Erfahrung ist das spannender, als das statische Endergebnis vermuten lässt. Hat mir echt gut gefallen.
Und als kleinen Bonus dürft ihr in der Anleitung noch einen QR-Code scannen, der euch dann eine Audioaufnahme mit interessanten Hintergrundinfos zur Mona Lisa liefert. Coole Idee. Einziger Wermutstropfen: Die Erzählungen gibt es nur auf Englisch.
Vom Boden zur "Leinwand"
Die ersten Bauschritte fühlen sich noch überraschend klassisch an: Ihr setzt die stabile Grundkonstruktion für das Bild zusammen, also mehrere große Paneele, die später das eigentliche Motiv tragen. Hier dominiert das Aneinanderreihen und Verstärken – viele lange Plättchen, Technic-Steine zur Versteifung und ein paar Querverbindungen, damit das Ganze an der Wand nicht durchhängen kann.
Wenn der Unterbau steht, beginnt ihr nach und nach, eine Art Backsteinmauer aus Plättchen aufzubauen, auf die dann die sichtbare Textur des Gemäldes kommt. Das kann in den frühen Schritten etwas trocken wirken, zahlt sich aber später aus, weil ihr beim Aufbringen der Teile später keine Probleme haben werdet. Das ist sehr clever gelöst.
Landschaft im Pixelmodus
Der Mittelteil des Bauvorgangs ist so etwas wie der „Pixel-Art-Teil“ des Sets: Ihr arbeitet euch zeilenweise durch die Landschaft, von den dunkleren Vordergründen bis hinauf in die nebligen Berge und den Himmel. Die Anleitung führt euch dabei kleinschrittig durch ein Mosaik aus Farben, sodass nach und nach die typische, leicht unwirkliche Hintergrundstimmung von Da Vincis Original entsteht.
In dieser Phase passiert optisch auf dem Tisch noch nicht viel, doch ihr merkt, wie aus abstrakten Farbfeldern langsam Formen werden: Wege, Wasserläufe, Hügelkonturen. Dieser Teil hat fast etwas von einem Mal-nach-Zahlen-Bild mit Steinen – entspannend, aber mit gelegentlichen „Aha“-Momenten, wenn plötzlich eine markante Linie oder ein Übergang erkennbar wird.
Gesicht und Hände – der kritische Moment
Spannend wird es, sobald ihr zu Gesicht und Händen vorrückt. Zunächst baut ihr die Grundform, die die Volumen andeuten, erst danach kommen die bedruckten Elemente, die den Ausdruck festlegen. Genau hier hat Da Vinci die Nase vorn beim Original.
Die Hände entstehen aus wenigen, klar gesetzten Steinen, die durch harte Kanten und Schattierungen stark stilisiert wirken. Während das beim Original durch weiche Übergänge kaschiert wird, wirken die Hände im LEGO-Modell rasch dominant und ziehen den Blick fast ebenso stark an wie das Gesicht – ein Balanceakt, der beim Bauen durchaus für Stirnrunzeln sorgen kann.
Die berühmteste Fratze der Welt
Der große Elefant im heimischen Louvre-Saal ist natürlich das Gesicht: Viele von euch dürften das Set schon auf Fotos gesehen und spontan „Uncanny Valley“ gedacht haben – und damit seid ihr nicht allein. Das Urteil schwankt von „in echt besser als auf der Box“ bis „das furchtbarste, was ich je gesehen habe“, was gut zeigt, wie schmal der Grat zwischen gelungener Abstraktion und Gruselpuppe hier ist. Ich habe den Test mit Freunden gemacht und viele spannende Reaktionen bekommen.
Technisch versucht LEGO, Da Vincis weiche Übergänge mit leichten Schrägen, gebogenen Teilen und dezent variierenden Nougattönen anzudeuten. Gleichzeitig brechen Details wie der harte Kontrast an den Händen oder der rechteckig gedruckte Oberlippenbereich dieses Spiel der Nuancen wieder – gerade dort, wo das Original mit feinen Andeutungen arbeitet, wirkt der Druck abrupt und etwas cartoonhaft.
Wandwirkung und Alternativen
An der Wand ist das Set in etwa A3-groß und damit kleiner als viele klassische LEGO-Art-Mosaike, was den Eindruck noch stärker auf das Gesicht konzentriert. Aus etwas Abstand wird die Struktur zwar angenehmer, aber der „komische“ Ausdruck bleibt, statt zu verschwimmen – für manche ist das der Reiz, für andere der Grund, das Set gar nicht erst aufzuhängen. Eure Entscheidung.
LEGO hat immerhin bewusst Optionen eingebaut: Die bedruckten Augen lassen sich durch neutrale Steine ersetzen, sodass ihr eine abstrahierte, fast maskenhafte Version bekommt, die einige Fans deutlich angenehmer finden. Wer hauptsächlich hochwertige Teile sucht, erhält zudem einen Schatz an Gold-Elementen und neuen Erdton-Parts, was das Set als Teilequelle sehr interessant wirken lässt.
Fazit
Mit rund 1.500 Teilen und einem Preis im typischen Art-Segment liefert die Mona Lisa einen besonders aufwendigen Rahmen und viele exklusive oder seltene Teile. Im Vergleich zu abstrakteren oder popkulturellen Art-Motiven wirkt sie als Deko-Objekt deutlich schwieriger, weil sie sofort als „Mona Lisa“ erkennbar ist – und damit jede kleine Abweichung im Gesichtsausdruck stärker auffällt.
Wer LEGO Art als entspanntes Baupuzzle und Teilelager sieht, kann mit dieser Mona Lisa glücklich werden, gerade wenn ihr euch für Bautechniken und Farbverläufe interessiert. Wenn ihr aber vor allem ein ästhetisch unproblematisches Wandbild sucht und ohnehin das Gefühl habt, dass dies eines der schwächeren Art-Sets ist, bestätigen die meisten Eindrücke: Es gibt deutlich harmonischere Alternativen, die weniger erklären müssen, warum sie euch nicht mitten in der Nacht aus dem Flur heraus angrinsen. Dennoch liebe ich die LEGO Art Reihe und bin bereits gespannt, was LEGO noch alles umsetzen wird.
Webseite: lego.com/de-de/product/mona-lisa-31213