Im Gegensatz zu Lego Harry Potter bekommt ihr mit Lego Batman kein bloßes Greatest-Hits-Album, sondern eine neue, breit angelegte Batman-Erzählung, die sich durch die ganze Geschichte des Dunklen Ritters arbeitet. Dabei werden Elemente aus Comics, Filmen, Serien und Spielen zusammengezogen. Offene Welt inklusive. Lust auf einen kleinen Rundflug mit Augenzwinkern?
Zurück zu den Wurzeln
Chronologisch beginnt das Spiel bei Bruce Waynes Training bei der Liga der Schatten. Alles ist natürlich wieder im typischen Humor in Szene gesetzt. Danach führt die Story euch zu seinem Aufstieg zum Beschützer von Gotham und mündet in eine Open-World-Version der Batman-Welt. Diese funktioniert eher als „Best-of Batman in LEGO“ funktioniert als 1:1-Nacherzählung einer einzigen Vorlage.
Batmans Zeitlinie
Die historische Einordnung ist damit ziemlich klar: Das Spiel ist eine origin story-artige Reise durch Batmans wichtigere Stationen, nicht eine einzelne Filmadaption. TT Games betont, dass der junge Bruce Wayne zuerst mit der Liga der Schatten trainiert, dann als Held von Gotham etabliert wird und dabei eine neue Verbündetenfamilie mit Jim Gordon, Catwoman, Robin, Nightwing und Batgirl aufbaut.
In den Missionen tauchen dabei auch wiedererkennbare Schauplätze und Situationen aus unterschiedlichen Batman-Äras auf, etwa Ace Chemicals, Arkham Asylum oder der Wayne Tower.
Für den Test ist das wichtig, weil das Spiel eben nicht nur „ein Batman-Spiel“ ist, sondern eine Art komprimierte, spielbare Hommage an 86 Jahre Dunkler Ritter. Die Chronologie dient also weniger der historischen Exaktheit als dem Gefühl, Batmans Werdegang einmal von den Anfängen bis zum mythischen Beschützer von Gotham mitzuerleben.
Gotham als Hauptrolle
Was ich am stärksten hervorheben muss, ist Gotham selbst. Die Stadt ist offen, dunkel, dichter bevölkert als in vielen früheren LEGO-Spielen und klar von den Arkham-Spielen sowie der Nolan-Trilogie beeinflusst, ohne dabei den LEGO-Charme komplett zu opfern. Gerade das Erkunden von Dächern, Gassen, Verbrechensszenen und Sammelobjekten bildet das eigentliche Rückgrat des Spiels.
An jeder Ecke versprüht das Spiel Atmosphäre und Fanservice. Die Stadt ist äußerst lebendig und liebevoll gestaltet, mit einem stimmigen Mix aus düsterem Batman-Flair und dem typischen Klötzchenhumor, für den TT Games seit Jahren steht. Wenn ein LEGO-Spiel Gotham endlich nicht nur als Kulisse, sondern als Spielplatz begreift, ist das schon die halbe Miete.
Kampf, Tarnung, Detektivarbeit
Auch spielerisch will das Spiel mehr sein als reines Schmunzeln mit Steinen. Das neue Kampfsystem kombiniert flüssige Kombos, Stealth und Detektivfähigkeiten. Damit orientiert sich der Titel deutlich stärker an modernen Batman-Gefechten als frühere LEGO-Ableger. In den Gefechten gegen Dutzende Gegner kommt es zu einem angenehmen Freeflow-Gefühl mit schicken neuen Takedowns. Insgesamt bekommt ihr hier einen Kampf, der etwas mehr Substanz hat als das übliche Button-Mashing.
Gleichzeitig ist das Spiel nicht ganz frei von Wiederholungen. Die Open-World-Events gestaltet sich spielerisch simpel und manchmal sogar etwas langweilig. Gerade in langen Spielphasen kann der Sammel- und Nebenaufgabencharakter das Tempo etwas bremsen. Das ist bei einem LEGO-Spiel nicht völlig überraschend: Hier steht weniger mechanische Radikalität als ein möglichst runder Batman-Spielplatz im Vordergrund. Was ja okay ist.
Klemmbausteine mit Humor
Genau das mag ich: Das Spiel nimmt Batmans Mythos ernst genug, um Gewicht zu haben, aber nie so ernst, dass LEGO seine typische Selbstironie verliert. Gerade diese Balance macht hier den Unterschied: große Batman-Liebe, viel Detailverliebtheit, dazu genug Humor, um die pathetischen Seiten des Stoffes immer wieder charmant anzustechen.
Dabei hilft auch die Mischung aus bekannten Vorlagen und neu arrangierter Story. Weil das Spiel nicht sklavisch einen Film nacherzählt, kann es sich frei aus der Batman-Historie bedienen und daraus ein zugängliches, familienfreundliches, aber für Fans durchaus tiefes Gesamtbild bauen. Das macht die Geschichte chronologisch verständlich und gleichzeitig angenehm verspielt.
Fazit
LEGO Batman: Das Vermächtnis des Dunklen Ritters ist für mich die bisher ambitionierteste LEGO-Batman-Vision: größer, düsterer, offener und stärker auf Batmans Gesamtgeschichte zugeschnitten als frühere Serienableger. Seine Stärke liegt klar in der Atmosphäre von Gotham, im Fanservice und in der geschickten Verbindung aus LEGO-Humor und Arkham-artigem Batman-Feeling.
Die offene Welt und die Missionen machen richtig Laune, könnten aber etwas mehr Abwechslung bieten. Chronologisch ist das Spiel als Reise von Bruce Waynes Ausbildung bis zum etablierten Dunklen Ritter einzuordnen. Also bekommt ihr eine komprimierte Batman-Entstehungsgeschichte, die aus vielen Jahrzehnten Popkultur eine eigene LEGO-Version formt. Mir gefällt der neue LEGO-Teil echt gut.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Webseite: lego.com/de-de/games/lego-batman-legacy-dark-knight