Vier LEGO-Pokémon-Sets mit SMART Play liegen bei mir bereit. Bevor ich jedes davon einzeln bespreche, möchte ich erst eine Frage klären: Was ist dieses SMART Play überhaupt – und braucht ihr dafür mehr als nur die Schachtel eures Wunsch-Pokémon?
Die kurze Antwort: SMART Play ergänzt klassische LEGO-Modelle um Reaktionen auf Bewegung und bestimmte Spielelemente. Das kann erstaunlich gut zu Pokémon passen. Ihr könnt ein Pokémon füttern, trainieren, schlafen legen oder gegen ein anderes antreten, während ein elektronischer Stein Licht und Geräusche beisteuert. Die längere Antwort ist interessanter. Denn zwischen „SMART Play-kompatibel“ und „sofort interaktiv“ liegt ein wichtiger Unterschied. Ich erkläre es euch mal so, dass ihr alles leicht versteht.
Ein Stein, der mitspielt
Das Herzstück der Spielidee heißt SMART Brick. Er hat die Größe eines klassischen 2×4-LEGO-Steins, enthält aber unter anderem Bewegungssensoren, Licht und einen Lautsprecher. Er erkennt außerdem spezielle SMART Tags, die in Figuren und Spielelementen verbaut sind. Also ein besonderer Stein. Aber was macht er?
Stellt euch das so vor: Ein SMART Tag sagt dem Brick, was gerade vor ihm steht. Die Sensoren erfassen, was ihr damit macht. Erst zusammen entsteht die Reaktion. Nehmt ihr beispielsweise Pikachu hoch, bewegt es oder legt es schlafen, antwortet der Brick mit passenden Geräuschen und Lichteffekten. Die kleinen Tags selbst machen keinen Ton; der kommt aus dem SMART Brick.
Das Schöne daran: Zum Spielen braucht ihr weder einen Bildschirm noch eine laufende App. Es bleibt ein LEGO-Spiel, bei dem ihr Figuren in die Hand nehmt und euch eigene Situationen ausdenkt. Die optionale LEGO SMART Assist App ist für Einstellungen wie die Lautstärke, Firmware-Updates und Hilfe bei Problemen gedacht. Es geht aber auch komplett ohne Einsatz der App.
Warum Pokémon besser passt
SMART Play startete ursprünglich mit LEGO Star Wars. Ich hielt das nicht für den glücklichsten Einstieg. Die Technik war spannend, aber bei Raumschiffen und bekannten Figuren hatte ich schnell die Frage im Kopf, ob ihre elektronischen Geräusche wirklich zu dem passen, was Fans aus den Filmen kennen. Und wer mit Star Wars wenig anfangen kann, gewinnt durch ein passendes Raumschiffgeräusch allein noch keine Beziehung zu den Figuren. Irgendwie verfehlte Star Wars etwas die jüngere Zielgruppe aus meiner Sicht. Ganz anders sieht das bei den neuen Sets aus.
Bei Pokémon fühlt sich die Idee für mich natürlicher an. Pokémon wollen gefüttert, umsorgt und trainiert werden. Sie begegnen einander und kämpfen miteinander. Ein Spielzeug, das auf genau diese Handlungen reagiert, ergänzt das Rollenspiel der Kinder, statt ihm bloß eine Tonspur unterzulegen. In den Sets können Pokémon je nach Situation unter anderem beim Fressen, Schlafen oder Spielen reagieren; zwei mit SMART Bricks ausgestattete Figuren können auch miteinander interagieren.
Das ist ganz klar meine persönliche Einordnung, kein Urteil darüber, welche Reihe Kinder heute kennen oder mögen. Star Wars hat ebenso junge Fans. Für mich ergibt das Prinzip „Ich kümmere mich um meine Figur und sie antwortet“ bei Pokémon aber einfach schneller Sinn. Und so war es in der Praxis später auch als die Pokémon von meinen Kids bespielt wurden. Das lest ihr aber dann nochmal genauer in den jeweiligen Tests.
Trainieren und kämpfen – wie genau?
Die Pokémon-Funktionen gehen über einzelne Geräusche hinaus. Bei Pokémon lassen sich zwei Figuren mit je einem SMART Brick durch Bewegung in einen Kampf versetzen. Danach bewegt ihr sie für Angriffe aufeinander zu, ladet stärkere Attacken durch Schütteln auf und zieht sie zur Verteidigung zurück. Lichtsignale zeigen an, wie es um die Pokémon steht; Training und Typenvorteile können ebenfalls eine Rolle spielen.
Das klingt nach einem schönen Anstoß für eigene Geschichten, aber erwartet bitte kein vollständig ausgearbeitetes Videospiel in Bausteinform. Die Aktionen bleiben körperlich und recht einfach. Im Kern bewegt man die Figuren aufeinander zu und bekommt dafür Effekte.
Einen Punkt sollten Fans der Spiele und der Serie ebenfalls wissen: Die Geräusche sind nicht durchgehend die vertrauten Pokémon-Rufe aus Anime oder Games. Beim Klang sollte man also keine perfekte Wiedererkennung versprechen. Ob das im Kinderzimmer überhaupt stört, ist eine andere Frage. In den einzelnen Set-Tests werde ich mir anhören, wie gut die Reaktionen zur jeweiligen Figur passen.
Genau auf die Packung schauen
Kommen wir zum wichtigsten und praktischen Unterschied. LEGO bietet bei Pokémon All-in-1-Sets und kompatible Sets an. Ein All-in-1-Set enthält einen (oder zwei) SMART Brick(s) samt Ladegerät und Tags. Die kompatiblen Sets enthalten Tags und lassen sich auch ohne Elektronik ganz normal bauen und bespielen. Für ihre SMART-Play-Reaktionen braucht ihr aber einen Brick aus einem All-in-1-Set.
Zum Einstieg gibt es bei Pokémon zwei All-in-1-Sets: das Trainingshaus mit Pikachu mit einem SMART Brick und den Showdown zwischen Glurak und Blitza mit zwei SMART Bricks. Die übrigen zehn Sets der ersten Pokémon-Welle sind kompatible Erweiterungen ohne eigenen Brick. Zwei Bricks sind vor allem dann interessant, wenn zwei Pokémon gleichzeitig elektronisch aufeinander reagieren oder gegeneinander kämpfen sollen.
Leider nur im Bundle erhältlich
Mein größter Kritikpunkt bleibt: Den SMART Brick gibt es derzeit nicht einfach einzeln zu kaufen. Wer nur eines der kompatiblen Sets im Auge hat, muss für die elektronische Funktion zusätzlich ein passendes All-in-1-Set besitzen. Das macht den Einstieg weniger flexibel, als es bei einem Baukastensystem sein sollte.
Spielzeug oder Technikdemo?
Die entscheidende Frage für meine vier kommenden Tests lautet deshalb nicht bloß: „Macht der Brick Geräusche?“ Das kann er. Mich interessiert, ob die Modelle ohne ihn schon Freude machen und ob die Technik beim Spielen mehr auslöst als einen kurzen Aha-Moment. LEGO beschreibt selbst mechanische Funktionen in den kompatiblen Sets – etwa Zielscheiben, bewegliche Elemente und versteckte Entdeckungen. Genau daran müssen sie sich messen lassen.
Mein erster Eindruck vom Konzept ist bisher ausgesprochen positiv: Pokémon und SMART Play haben eine gemeinsame Sprache aus Bewegung, Pflege und kleinen Duellen. Der fehlende Einzelverkauf des Bricks ist allerdings eine unnötige Hürde, und bei den Geräuschen sollten Fans ihre Erwartungen nicht zu hoch setzen. Ob aus der cleveren Idee auch vier richtig gute Sets geworden sind, schaue ich mir in den Einzeltests an. Ich hoffe aber, dass ich euch hiermit etwas besser verdeutlichen konnte, was hinter der Idee steckt.
Webseite: lego.com/de-de/smart-play/all-sets