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LEGO Technic – Bugatti-Bolide

Ein Bugatti fürs Wohnzimmer – der Technic Bolide im Praxistest.

Als großer Fan von LEGO Technic und manchmal auch von absurd übermotorisierten Hypercars war der Bugatti Bolide von LEGO praktisch Pflichtprogramm. Das Original ist ein extremes Einzelstück mit W16-Motor, das mehr nach Rennstrecke als nach Straße schreit – und genau dieses Gefühl versucht LEGO in einem kompakten 905-Teile-Set für daheim einzufangen. Also hinein ins Bauvergnügen!

Auf dem Karton wirkt alles angenehm zugänglich: ab 9 Jahren, kein Riesenmodell, aber genug Technik, um ernsthaft am Schraubtisch zu landen. In der Praxis entpuppt sich der Bolide allerdings als deutlich anspruchsvoller als die Altersempfehlung vermuten lässt – und genau das wird einigen von euch gefallen. Ich musste zwei Frustmomente überwinden, war am Ende aber stolz auf das Ergebnis.

Kompakte Teilezahl, überraschend fummelig

Beim Bauen merkt man schnell: Hier wird nicht einfach ein weiterer bunter Flitzer zusammengesteckt, sondern ein echtes Technic-Chassis. Zuerst entsteht das Grundgerüst mit Achsen, Rahmen und dem kleinen W16-Motor, inklusive der typischen beweglichen Kolben – ein netter Verweis auf den monströsen Antrieb des echten Bolide. Und hier kam schon mein erster Aha-Moment: Beim Zusammensetzen merkte ich, dass der Motor nicht ganz rund läuft. Erst da ist mir aufgefallen, dass ich viele Schritte zuvor einen Stecker falsch gesetzt hatte. Also hieß es: Kommando zurück und abbauen. Und das ist verdammt heikel.

20 Minuten später war ich dann wieder an der gleichen Stelle, wie zuvor als ich meinen Fehler bemerkte. Weiter geht’s! Als nächstes kam die bewegliche Achse für mehr Renn-Feeling. Die Lenkung wird sauber über ein kleines Handrad auf dem Dach realisiert, sodass man den Wagen später gut „über den Schreibtisch fahren“ kann.

Herausforderung angenommen

Ganz ehrlich: „Gar nicht mal so leicht zusammenzubauen“ trifft es sehr gut. Manche Verbindungspunkte sitzen tief im Inneren, manche Liftarme müssen in engen Winkeln eingeklipst werden, und gerade jüngere Baumeister könnten ohne Hilfe hier und da ins Fluchen geraten.

Mir persönlich hat der etwas höhere Anspruch gefallen, weil man tatsächlich das Gefühl hat, ein Modell mit echter Technik zu montieren – nicht nur eine Schale mit Rädern. Aber einige Anleitungsschritte wirkten eher wie ein Wimmelbild als eine wirkliche Hilfe. Daher mein Tipp: Schaut ganz genau hin, weil es euch später sonst leidtun könnte.

Kleiner Bolide, große Präsenz

Ist der Bugatti Bolide fertig – so nach rund vier bis fünf Stunden –, macht er erstaunlich viel her. Das gelb-schwarze Farbschema knallt ordentlich und sticht im Regal sofort ins Auge – auch wenn Puristen den Blau-Ton der Originalstudie vermissen dürften. Frontsplitter, Heckdiffusor, Luftkanäle und der monströse Heckflügel sind in typischer Technic-Manier eher angedeutet als voll durchdesignt, vermitteln aber das aggressive „Track Toy“-Feeling des Vorbilds ziemlich gut.

Ein echtes Highlight sind die Scherentüren, die wie beim Original nach oben schwingen und dem Modell direkt einen Hauch „Showcar“ verpassen. Öffnet man sie und schaut durch die Seitenscheiben, sieht man das angedeutete Cockpit – simpel, aber funktional. Im direkten Vergleich zum echten Bolide fehlen natürlich viele feine Linien, aktive Aerodynamik und das Gefühl, in einer millionenschweren Rakete zu sitzen. Aber im Rahmen der Technic-Skala wirkt das Set stimmig, kompakt und dennoch sehr eigenständig.

Aufkleber: Viel Atmosphäre, wenig bedruckte Teile

Was mich allerdings wirklich genervt hat, ist die schiere Menge an Stickern. Die gelb-schwarze Lackierung lebt stark von Rennnummern, Linien und Sponsor-artigen Elementen – und fast alles davon kommt als Aufkleber. LEGO selbst bewirbt den Bugatti als „Blickfang mit Rennstickern“, und genau da liegt der Haken: Der Aufbaufluss wird immer wieder durch das saubere Aufbringen der Aufkleber unterbrochen, inklusive all der bekannten „Hoffentlich klebe ich nicht schief“-Momente. Einmal habe ich einen Aufkleber auch falsch herum aufgebracht, was echt ärgerlich war. Nur mit größter Not habe ich den Aufkleber lösen und erneut anbringen können. Ich hoffe, dass er die nächsten Wochen durchhält.

Gerade bei Technic würde ich mir häufiger bedruckte Panels wünschen, vor allem bei einem Lizenzmodell dieser Klasse. Die Sticker tragen zwar viel zur Rennwagen-Atmosphäre bei, sind aber empfindlich, anfällig für Luftblasen und Fehler – und wenn einmal etwas krumm sitzt, schaut es dich bei jedem Blick aufs Regal an. Das ist schade, weil das restliche Design sehr robust und langfristig ausgelegt ist, während Sticker immer ein bisschen nach „Wegwerfteil“ wirken.

Funktionen: Kleiner Technic-Kern statt Gimmick-Feuerwerk

Mechanisch bietet der Bolide genau das, was er laut Produktseite verspricht: funktionierende Lenkung, einen simplen W16-Motor mit beweglichen Kolben und die beiden Scherentüren. Es gibt keine Federung, kein Getriebe und keine verstellbaren Flügel – wer die große, tief technische Erfahrung sucht, ist beim großen Chiron oder anderen Flagship-Sets besser aufgehoben.

Für die Größe ist der Funktionsumfang aber okay. Der Wagen rollt angenehm, die Lenkung lässt sich präzise bedienen, und der Motor ist durch die offene Heckpartie gut sichtbar. Gerade im Vergleich zum echten Bolide wirkt das natürlich zahm – auf der Rennstrecke wäre dies eher der „Mini-Me“ im Fahrerlager als der Rockstar auf der Startlinie. Als Schreibtisch- oder Regalmodell bringen die Funktionen aber genug Leben ins Set, um mehr zu sein als nur ein statisches Schaustück.

Bugatti Bolide vs. LEGO-Modell: Charakter statt 1:1-Replika

Verglichen mit dem realen Bugatti Bolide, einem extremen Leichtbau-Monster mit über 1.800 PS, hoher Kompression und Rennstrecken-Fokus, ist der LEGO Technic Bolide eher eine stilisierte Hommage. Proportionen und Grundform stimmen, die Silhouette mit dem markanten Heckflügel und der tiefgezogenen Front ist gut getroffen. Natürlich fehlen viele feine Aerodynamik-Details, Karbonstrukturen oder das komplexe Fahrwerk des Originals – das wäre in dieser Teilezahl unmöglich.

Was das Set gut einfängt, ist die Aggressivität und Kompaktheit des Vorbilds: ein Mittelmotorsportler, der schon im Stand aussieht, als würde er dich gleich überfahren. Beim Aufbau spürt man durchaus den „Engineering“-Gedanken, der auch hinter dem Original steht – nur eben in LEGO-Sprache. Wer den echten Bolide liebt, bekommt hier eine charmante, bezahlbare und vergleichsweise platzsparende Interpretation fürs Regal.

Fazit: Anspruchsvolles Kompakt-Set mit Sticker-Bremse

Aus der Ich-Perspektive als Technic-Fan hat mir der Bugatti Bolide richtig Spaß gemacht – und mich zweimal zum Fluchen gebracht. Der Aufbau ist für ein 9+-Set ziemlich fordernd, die Technik im Inneren vermittelt echtes „Schrauber“-Gefühl, und das fertige Modell sieht mit seinem gelb-schwarzen Renn-Look im Regal deutlich teurer aus, als es ist. Als kleiner, aber ernstzunehmender Hypercar-Ableger passt er perfekt in eine Vitrine neben größeren Technic-Boliden.

Die größte Schwäche bleibt eindeutig die Sticker-Orgie: Viele Details, wenig Prints, zu viele Momente, in denen man für ein paar Millimeter Perfektion schwitzt. Wer damit leben kann oder beim Bekleben Geduld und ruhige Hände hat, bekommt ein cool designtes, kompaktes Technic-Set, das sich deutlich „erwachsener“ anfühlt, als die Altersempfehlung vermuten lässt. Für Einsteiger mit Hilfe und für erfahrene Baumeister, die ein abendfüllendes Projekt mit ordentlich Bugatti-Charme suchen, ist der Bugatti Bolide 42151 eine klare Empfehlung – mit kleinem Sticker-Sternchen in der Bewertung.

Webseite: lego.com/de-de/product/bugatti-bolide-42151