Wie erfrischend: Beim Lesen eines Spieltitels weiß man selten, um was es sich handelt, wenn man nicht etwas Ahnung von der Materie hat. Beim neuesten Werk von No More Robots sieht das anders aus: Let’s Build a Zoo bringt es genau auf den Punkt. Willkommen bei einer munteren und äußerst pixeligen Wirtschaftssimulation. Allerdings laufen hier manche Dinge anders, als ihr erwarten würdet.
Alte Erinnerungen
Es waren die frühen 1990er-Jahre: Damals hatte ich noch keinen PC, aber bereits eine große Leidenschaft dafür. Zu dieser Zeit besuchte ich meinen Kumpel Josh oftmals, um gemeinsam mit ihm zu zocken. Ein Spiel hatte es uns bzw. mir besonders angetan: Theme Park. Dort baute ich meinen eigenen Vergnügungspark und stellte die tollsten Fahrgeschäfte auf die Beine. Es war wunderbar dem wuseligen Treiben zuzuschauen. Warum ich das erzähle? Let’s Build a Zoo erinnert mich genau an diese Zeit. Denn die Wirtschaftssimulation versprüht einen ähnlichen Charme.
Bei Let’s Build a Zoo geht es anfangs noch recht gemütlich zu: Ihr bekommt ein Stück Land geschenkt, auf dem nun der tollste Zoo der Gegend oder der Welt entstehen soll. Schritt für Schritt bekommt ihr die wichtigsten Mechaniken beigebracht: Gehege anlegen, Wege bauen, Menschen einstellen und Tiere besorgen. Allerdings ist das mit den Tieren so eine Sache: Zu Beginn habt ihr lediglich die Auswahl aus verschiedenen Langohren. Ja, euer Zoo startet mit kleinen Hasen. Und dafür scheinen Menschen aus der ganzen Gegend zu kommen.
Wie die Zeit verfliegt
Sobald ihr dann noch eine Futter- und Geschenkbude für Besuchende errichtet habt, kann das Geschäft richtig losgehen. Ihr sucht dann noch schnell per Inserat einen Hausmeister und stellt nebenher noch ein paar Deko-Gegenstände auf. Den Gehegen fügt ihr noch bunte Bälle oder Trampoline hinzu, um die Tiere bei Laune zu halten. Außerdem muss die Wasser- und Futterversorgung gewährleistet sein. Ach ja, Mülleimer stellt ihr besser auch auf. Let’s Build a Zoo hält euch ordentlich auf Trab. Ein Glück, dass man die Zeit per Knopfdruck bequem anhalten kann – oder auf Wunsch auch bis zu dreifach vorspulen kann.
Jeden Tag kommen neue Aufgaben hinzu, die ihr erledigen dürft. Diese bringen euch mehr Geld ein, was wiederum dafür sorgt, dass ihr mehr ausgeben könnt. Und sobald ihr dann ein Forschungszentrum gebaut habt, werden die Möglichkeiten immer mehr: Hier dürft ihr entscheiden, was ihr erforschen wollt: Schickere Deko-Sachen, bessere Sitzbänke oder doch eine Unterkunft für die Tiere? Später müsst ihr jedoch weitreichendere Entscheidungen treffen - und hier unterscheidet sich Let’s Build a Zoo bereits von anderen Simulationen dieser Art.
Gut oder böse?
Was ist euch wichtiger: Das Wohl der Tiere oder der Profit? Let’s Build a Zoo lässt euch jeden Pfad einschlagen, den ihr wollt. Ihr müsst immer wieder Entscheidungen treffen. Wollt ihr eine ordentliche Summe Geld dafür, dass ihr etwas Müll auf eurem Gelände entsorgt? Oder steht ihr auf nachhaltige Energieherstellung in Form von Windrädern?
Jede Entscheidung treibt euch in eine Richtung und beeinflusst auch das Erscheinungsbild des Zoos. Wer illegal Tiere importiert, giftige Substanzen verwendet und nur auf’s Geld aus ist, der hat eher einen trist aussehenden Zoo. Grüner und farbenfroher wird es, wenn man auf die Natur achtet und diese wertschätzt. Ein schönes Detail, das euch direkt vor Augen hält, wie ihr den Zoo leitet.
Apropos vor Augen: Let’s Build a Zoo ist ein wuseliges Pixel-Vergnügen. Auch wenn die Tierchen nur aus wenigen Pixeln bestehen, ist es eine Freude ihnen beim Spielen zuzuschauen. Hier ist immer viel los - besonders wenn ihr ganz weit nach außen zoomt. Aber es wird noch spannender. Denn Let’s Build a Zoo hat eine Komponente, die mich wirklich sehr lange an den Bildschirm fesselte: Ihr könnt nämlich nicht nur neue Objekte erforschen, sondern auch in der DNS einzelner Tiere herumfummeln.
Göttlicher Einfluss
Sobald ihr eine Brutstation errichtet habt, könnt ihr etwas Genforschung betreiben. Zu Beginn dürft ihr Tiere der gleichen Gattung paaren und auf besonderen Nachwuchs hoffen. Nach ein paar erfolgreichen Versuchen und mehr Tieren in eurem Zoo erweitert ihr die Grenzen des Möglichen: Let’s Build a Zoo erlaubt euch dann wildes Experimentieren. Wie wäre eine Kreuzung aus einer Giraffe und einem Walross? Oder lieber ein Affe mit einem Adler? Alles ist möglich. Je verrückter die Kreuzungen desto mehr Leute lockt ihr in euren Zoo.
Wer keine Lust auf Häschen, Schweinchen und Co hat, der kann auch seinen Zoo woanders errichten: Ein DLC erlaubt euch dann einen Dinosaurier-Zoo zu errichten. Die Mechaniken bleiben dabei unverändert, aber mit Dinos sieht die Sache dann schon wieder etwas anders aus. Irgendwie macht alles mehr Spaß mit den urzeitlichen Echsen. Also wenn ihr euch schon Let’s Build a Zoo kauft, dann gebt noch das Kleingeld für die Dinos aus - es lohnt sich.
Fazit
Let’s Build a Zoo ist ein wuseliger Spaß zum kleinen Preis. Auch wenn es nicht danach aussieht, steckt hier eine unterhaltsame, aber auch fordernde Wirtschaftssimulation drin. Zudem sind die Möglichkeiten, die euch das Team von No More Robots gibt, schier unendlich. Das System, das euch erlaubt Tiere zu kreuzen, lädt zum Experimentieren ein.
Schon bald habt ihr euren ganz eigenen Zoo, den ihr entweder bewundern oder weiter ausbauen dürft. Auch die moralischen Entscheidungen lassen euch ausprobieren, was passiert, wenn ihr gut oder böse wirtschaftet. Für mich ist Let’s Build a Zoo damit eine faustdicke Überraschung, zu der ich immer wieder gerne zurückkehre.
Erhältlich für: PC, Xbox, Switch, PS
Website: nomorerobots.io/lets-build-a-zoo