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Life is Strange: Reunion

Gelungenes Abschluss-Treffen?

Life is Strange: Reunion ist kein Spin-off und auch kein lockeres Bonuskapitel, sondern die direkte Fortsetzung von Life is Strange: Double Exposure. Zugleich ist es auch der ausdrücklich als Abschluss gedachte nächste große Abschnitt in Max Caulfields und Chloe Prices Geschichte.

Für mich ist das Spiel ein emotional starkes, aber nicht widerspruchsfreies Wiedersehen. Es glänzt vor allem dann, wenn es sich auf seine beiden Ikonen konzentriert. Deutlich schwächer wird es, sobald es Story-Knoten, alte Schauplätze und Nebenfiguren gleichzeitig jonglieren will.

Kurze Einordnung

Im Serienkosmos von Life is Strange sitzt Reunion also sehr klar zwischen Vergangenheit und Schlussstrich: Das Spiel knüpft an Double Exposure an, greift die Folgen von Max’ früheren Entscheidungen wieder auf und führt Chloe Price zurück ins Zentrum der Handlung.

Besonders mutig ist dabei, dass Deck Nine nicht einfach eine alte Entscheidung zur einzig „richtigen“ erklärt, sondern die verschiedenen Max-und-Chloe-Realitäten narrativ zusammenführt, wodurch Reunion bewusst als Brücke zwischen Originalspiel, Double Exposure und einem finalen gemeinsamen Kapitel gebaut ist.

Genau diese Einordnung ist wichtig, weil das Spiel davon komplett lebt. Wer Max und Chloe nur als Nostalgie-Deko versteht, wird an Reunion vorbeischauen; wer ihre gemeinsame Geschichte als Herzstück der Reihe begreift, bekommt hier den wohl direktesten Versuch, diese emotionale Baustelle endlich zu schließen.

Was funktioniert

Am stärksten ist Reunion immer dann, wenn es Max und Chloe einfach zusammen in einen Raum stellt und sie mit all dem Gepäck der letzten Jahre aufeinanderprallen lässt. Es ist diese Chemie, die emotionalen Dialoge, die reifere Tonlage und das Gefühl, dass das Spiel endlich wieder versteht, warum diese Figuren für so viele Fans überhaupt so wichtig geworden sind.

Auch spielerisch trägt das vertraute Gerüst. Die Zeitmanipulation bleibt ein starker Baustein für dialog- und entscheidungsgetriebenes Erzählen. Der Wechsel zwischen Max- und Chloe-Perspektive ist einer der interessanteren Kniffe, weil er das Wiedersehen nicht nur erzählt, sondern spielbar macht. Dazu kommen schicke Inszenierung, sehr starke Gesichtsanimationen, ein oft gelobter Soundtrack und eine insgesamt warme, melancholische Atmosphäre, die hervorragend zum Thema Vergangenheitsbewältigung passt.

Wo es hakt

So sehr das Spiel von seinem Kernpaar profitiert, so sichtbar wird auch, wo es schwächelt. Die Nebenfiguren bleiben blass, manche Handlungsstränge wirken unterentwickelt und ein Teil der emotionalen Wucht wird fast ausschließlich aus Max und Chloe selbst gezogen. Der Rest des Ensembles kann kaum ähnlich stark andocken.

Auch das Pacing schwächelt etwas und es gibt viele wiederverwendete Orte aus Double Exposure. Hinzu kommen kleinere technische Probleme und vor allem die Frage, ob das Zusammenführen alter Zeitlinien wirklich elegant erzählt ist oder eher wie ein geschickter, aber bequemer Story-Trick wirkt. Genau hier liegt für mich der Knackpunkt: Reunion ist oft bewegend, aber nicht immer mutig genug, die Konsequenzen seiner eigenen großen Ideen voll auszureizen.

Fazit

Unterm Strich ist Life is Strange: Reunion ein gutes bis stellenweise sehr gutes Seriendrama, das seine größte Aufgabe erfüllt: Es gibt Max und Chloe wieder ein gemeinsames Zentrum und behandelt ihr Wiedersehen meist mit der nötigen Zärtlichkeit, Reife und Verletzlichkeit. Gleichzeitig ist es kein makelloser Triumph, weil technischer Feinschliff, Nebenfiguren und die erzählerische Architektur nicht durchgehend mit dem emotionalen Kern mithalten können.

Reunion ist weniger die beste Folge der Reihe als ihr am stärksten aufgeladenes spätes Nachglühen. Als Abschluss der Max-und-Chloe-Linie funktioniert es für mich deutlich besser als als komplett eigenständiges Drama. Genau darin liegt seine Stärke ebenso wie seine Grenze.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC 
Webseite: de.store.square-enix-games.com/life-is-strange_-reunion