Da ist es nun: Der bereits dritte Ausflug in „Life is Strange“-Universum von Publisher Square Enix. Nur keine Sorge: Ihr braucht keinen Vorgänger gespielt zu haben, um euch dieser emotionalen Geschichte anzunehmen. Solltet ihr aber schon einmal Kontakt zur Reihe gehabt haben, werdet ihr euch spielerisch und grafisch gleich wie zuhause fühlen.
Leben und leben lassen
Diesmal geht es um Alex, der das Leben übel mitgespielt hat. Eine fröhliche Kindheit hatte Alex leider nie: Von einer Pflegefamilie ging es zur nächsten und dann sogar ins Heim. Alles, was Alex bleibt, ist ihr Bruder Gabe. Damit beginnt die Geschichte auch: Gabe liest Alex auf und bringt sie nach Haven Springs, dem Ort an dem sich Life is Strange: True Colors abspielt.
Doch anstatt einer rosigen Zukunft wird es für Alex noch düsterer: Ihr Bruder Gabe stirbt bei einem Autounfall. Ein Unglück? Genau das wollen wir nun herausfinden, weil einiges an der Sache stinkt. Ihr seht schon: Life is Strange: True Colors fährt harte Story-Geschütze auf und lässt es immer wieder emotional werden. Aber das habe ich schon an den Vorgängern so geliebt: Ihr dürft richtig tief in die Story und Gedankenwelten der Charaktere eintauchen und mit ihn fühlen. Das bekommt die Reihe hervorragend hin.
Auch diesmal werden wieder harte Themen angesprochen und ihr müsst einige Entscheidungen treffen. Wie ihr das macht? Ihr wählt die entsprechende Option in Dialogen aus. Je nach eurer Entscheidung landet ihr letztlich an einem von fünf verschiedenen Enden, die allesamt zum Nachdenken anregen. Ein Wiederspielwert ist also da für euch.
Übersinnlich, natürlich
Aber Life is Strange: True Colors wäre kein Ableger von Life is Strange, wenn Alex nicht „anders“ wäre als andere Menschen. Sie verfügt natürlich über eine besondere Gabe: Sie kann die Gedanken anderer lesen und in deren Emotionswelt eintauchen. Dieses Feature nutzt ihr, um im teilweise frei erkundbaren Haven Springs auf Hinweissuche zu gehen. Je nachdem, welche Gedanken ihr lest, trefft ihr wohl unterschiedliche Entscheidungen. Das macht den Reiz der Reihe aus.
Spielerisch war es das aber auch schon größtenteils – ihr müsst also keine Rätsel lösen oder euer Geschick am Controller beweisen. Vielmehr verfolgt ihr einen interaktiven Film, bei dem ihr auf dem Regiestuhl sitzt. Daher eignet sich Life is Strange: True Colors auch für Spieler, die sonst wenig Erfahrung mit Konsolen haben und gerne eine gute Geschichte erleben würden. Und glaubt mir: Die Geschichte ist packend.
Ein Hauch Melancholie
Grafisch tauchen die Entwickler von Deck Nine wieder in den einzigartigen Comic-Stil der Reihe ein: Satte Farben, ein sanfter Comicartiger Look der Figuren und leider auch wieder teils hölzerne Animationen. Aber insgesamt schafft es die Optik samt der herrlichen Musikuntermalung mir ein aufs andere Mal Gänsehaut über den Arm zu jagen.
Das liegt aber auch daran, dass ich hier komplett eintauchen darf. Der Grund: Die Charaktere sind allesamt hervorragend geschrieben und vertreten ihre eigene Sichtweise auf die Welt. Alles fühlt sich irgendwie echt dadurch an und immer nachvollziehbar. Dass man nun nicht sonderlich viele Herausforderungen zu meistern hat oder experimentieren kann, wird dem ein oder anderen wohl weniger gefallen – der Geschichte tut dies jedoch keinen Abbruch.
Fazit
Life is Strange: True Colors ist mal wieder eine ergreifende Erzählung in Software-Form. Gerne teile ich die Sorgen und Ängste dieser virtuellen Charaktere und tauche in ihre Welt ein. Dass es dafür spielerisch wenig zu meistern gibt, stört mich nicht – ganz im Gegenteil kann ich mich so viel besser auf die ergreifende Story einlassen und das harte Leben, das Alex in Haven Springs hat. Der nächste Teil darf also ruhig kommen.
Erhältlich für: Xbox, PC, PS
Website: lifeisstrange.square-enix-games.com/de