Ich wollte mich ja schon immer in die Welt der Yakuza-Reihe stürzen – oder eben in Like a Dragon. Doch irgendwie habe ich nie den richtigen Zeitpunkt gefunden. Mit Like a Dragon: Ishin ändert sich das endlich. Nun darf mir Sega in diesem Spin-Off zeigen, was die Faszination der Serie ausmacht. Ich bin gespannt.
Historisch korrekt
Der Einstieg könnte kaum spannender sein: In einer coolen Cutscene werde ich Zeuge eines Mordes (bzw. mehrerer Morde) an einem einflussreichen Mann. Warum, wieso und weshalb, das werde ich erst in den nächsten 20 bis 30 Stunden in Erfahrung bringen. Jedenfalls wirft mich die Geschichte wieder etwas zurück in der Zeit. Wir befinden uns im historischen Japan zum Ende der Edo-Zeit, benannt nach der Hauptstadt Edo, die wir heute als Tokio kennen. Also im frühen 19. Jahrhundert.
In dieser Zeit kehrt Ryoma Sakamoto nach längerem Aufenthalt in Kyoto in sein verschlafenes Heimatörtchen zurück. Dort angekommen merkt er, dass sich der Ort ziemlich verändert hat: Nichtsnutzige Samurai schikanieren im Auftrag eines Herrschers die Bewohner:innen. Das kann Ryoma nicht auf sich sitzen lassen und mischt sich natürlich direkt ein – was nicht sonderlich gut ist. Über Umwege erfährt er dann von seinem alten Freund Takechi Hanpeita, der inzwischen eine rebellische Untergrundorganisation leitet. Dieser schließt sich Ryoma an und geht auf einen besonderen Rachefeldzug.
Ernst und abgedreht
Mehr verrate ich an dieser Stelle nicht über die Geschichte. Jedenfalls wird sie gut präsentiert und hat spannende Aspekte zu bieten. Wie es aber anscheinend für die Reihe und den japanischen Stil üblich ist, vermischt sich die ernste Erzählung immer wieder mit sehr heiteren Passagen. Besonders bei den Nebenaufgaben scheinen einige Entwickler:innen einen Clown gefrühstückt zu haben. Vom Karaoke, sexy Schnick-Schnack-Schnuck bis hin zu Hühnerrennen oder Kochen bietet euch Like a Dragon Ishin allerlei Ablenkung zur Haupterzählung. Einige sehr nette Ideen, in denen man sich leicht verlieren kann. Langsam verstehe ich den Reiz der Reihe.
Für mich persönlich war aber ein anderer Aspekt sehr reizvoll: In den teils ausufernden Dialogen werden bestimmte Begriffe markiert. Diese dienen nicht zur Quest, sondern sind historisch korrekte Bezeichnungen, die man vielleicht nicht direkt versteht. Ein Knopfdruck genügt und schon weiß ich, was sich dahinter verbirgt. So habe ich viel über die Edo-Zeit lernen können. Ein dickes Lob an dieser Stelle.
Such deinen Stil
Spielerisch befindet sich Like a Dragon: Ishin auf dem Pfad zwischen Adventure und Kampfspiel. Denn immer wieder müsst ihr euch gegen eine Überhand von Gegnern zur Wehr setzen. Dafür bietet euch das Spiel vier verschiedene Kampfstile an, die es zu meistern gilt: Mit Fäusten, mit dem Schwert, mit dem Revolver oder mit einer Kombi aus Revolver und Schwert. Hierbei könnt ihr nach Herzenslust entscheiden, welcher Stil euch mehr liegt. Je öfters ihr einen Stil benutzt, desto mehr Erfahrung sammelt er für diesen und schaltet damit Boni frei.
Die Kämpfe an sich sind nicht sonderlich fordernd – sofern ihr es nicht mit einem Boss zu tun habt. Dafür sind die Finish-Animationen übertrieben, aber amüsant in Szene gesetzt. Fast musste ich an eine Art japanischen Bud Spencer denken. Ein schöner Flow entsteht, wenn ihr mal am kämpfen seid. Am Ende hätte ich mir davon sogar etwas mehr gewünscht.
Grafisch und technisch steht Like a Dragon auf einem angestaubten Gerüst – und das hat seinen Grund: Das Spiel ist die Neuinterpretation eines PS4-Spiels. Daher übernahm man auch die ältere Technik und zwängte sie in dieses neue Gewand. Insbesondere bei einigen Animationen oder zu spät aufploppenden Umgebungsobjekten macht sich das bemerkbar. Im krassen Kontrast ste-hen aber die fein animierten Gesichter, die Sega hier sehr gut hinbekommen hat.
Fazit
Ich fasse mich etwas kürzer: Like a Dragon: Ishin ist ein wilder historischer Ritt in zweierlei Hinsicht: Zum einen haben wir hier eine teils historisch hinterlegte Geschichte, zum anderen ist das Spiel eine Art Neuauflage eines Klassikers. So oder so: Spielerisch macht das Ganze echt Laune. Und mich als Neueinsteiger hat das Like a Dragon Fieber packen können. Nun muss ich nur noch die Zeit finden, um mir auch andere Spiele der Reihe anzuschauen. Allen anderen kann ich den Ausflug in die Edo-Zeit nur wärmstens empfehlen.
Erhältlich für: PC, Xbox, PS
Website: ishin.sega.com