Little Nightmares III, erstmals von Supermassive statt Tarsier entwickelt, durfte ich direkt auf der gamescom erleben – und das war ehrlich gesagt schon ein netter Start: Mit den Entwicklern zu spielen, gemeinsam zu grübeln und zu sterben, war ein echter Spaß, wenn auch oft leicht chaotisch. Und es fehlte mir ein wenig die Innovation zu den Vorgängern. Nun konnte ich die finale Version ausgiebig testen. Kleiner Spoiler: Diese von mir empfundene Mischung bleibt auch im fertigen Spiel bestehen und spiegelt sich im Test. Mal glänzt der Titel mit schaurig-schönen Kulissen und glaubwürdigen Schockmomenten, mal kämpft man wie früher mit klobigen Bewegungen und unfairen Toden.
Dunkle Magie für Cozy-Horror-Fans
Die Stärke der Reihe bleibt die makabre, düstere Welt: Spielbare Kinderfiguren – diesmal Low und Alone – schleichen, klettern und flüchten durch eine wundersam verdrehte Version von „Nowhere“. Die Kulissen sind atmosphärisch brillant: Ob sandverwehte Wüstenstadt, kafkaeske Bürohölle, düsteres Candy-Fabrik-Labyrinth oder grotesker Circus – fast jede Umgebung punktet mit cineastischen Bildern, mutigen Kameraschwenks und einer Mischung aus Licht und Schatten, die Tim Burton und Coraline in den Schatten stellt.
Die Figuren Low (mit Bogen) und Alone (mit Eisenstange) wachsen einem wortlos ans Herz, ihre Bindung ist liebevoll animiert. Highlights sind die Momente, wenn Alone Low durch Lüftungsschächte hilft oder man gemeinsam sich durch die Welt kämpft. Die Story bleibt fragmentarisch, setzt auf Andeutungen und Gruselmotive: Spinnenhafte Antagonisten, gruselige Puppen und ein finsterer Zirkus sorgen für Gänsehaut. Leider setzen manche Kapitel zu sehr auf bekannte Muster (Puppen, Spinnen, Zirkus-Schrecken), statt neue Traumata zu erschaffen.
Mehr Chaos, weniger Innovation
Das Gameplay hält sich an Seriengewohnheiten: Klettern, Verstecken, Rätsel lösen, mal allein, mal im Online-Koop. Die neuen Werkzeuge – Bogen für Low, Eisenstange für Alone – werden meist zum Lösen von Schalter- und Wege-Rätseln genutzt, nicht im Kampf. Der Online-Koop ist cool und gut umgesetzt dank „Friend’s Pass“, einen Couch-Koop gibt’s leider nicht.
Mit Partner/in wird das Game definitiv leichter, es mindert aber die Spannung. Gerade erfahrene Little Nightmares-Fans hätten gern mehr Schrecken im Solo-Modus. Im Koop geht einiges an Atmosphäre verloren, auf der anderen Seite erhöht das Versuchen und laute Scheitern im Team den chaotischen Spaß. Ich bin hier hin und hergerissen.
Stagnation im Gruselkabinett
Leider bleiben klassische Schwächen: Die Steuerung ist nach wie vor „schwammig“, Perspektivwechsel und unklare Absprünge sorgen für Frust – besonders bei Platforming-Abschnitten. Instant-Death-Passagen, schlecht sichtbare Hinweise und manchmal nervige Checkpoints dämpfen den Flow.
Wie schon in den ersten Teilen gibt es Stellen, an denen man mehrere Male durch Try & Error stirbt und wiederholt – das kann nerven, selbst hartgesottene Serienfans bemängeln das im Test. Es gab genau zwei Stellen, bei denen ich später gar nicht wusste, was ich nun richtig gemacht habe im Gegensatz zu meinen vorherigen Fehlversuchen. Das nervt auf Dauer.
Features und Details
Technisch macht das Spiel einen guten Sprung: Die Optik ist schärfer, die Soundkulisse bleibt unheimlich und detailreich. Die Community freut sich über sinnvolle Zusätze wie Farbmodus, Kameraeinstellungen, Controller-Mapping und Hilfsanzeigen, die das Gameplay barriereärmer machen. Monster- und Bossdesign sind teils beeindruckend und glänzen besonders im finalen Kapitel samt clever eingesetzten Kameratricks. Aber wie gesagt: Wirklich neu ist das leider alles nicht.
Fazit: Gänsehaut mit Schönheitsfehlern
Little Nightmares III ist ein atmosphärisch dichter, optisch bemerkenswerter Seriennachfolger, der das Herz der Reihe am richtigen Fleck trägt – und erstmals einen echten Koop-Fokus bietet. Wer auf Grusel-Chaos und Team-Action steht, wird im Multiplayer seinen Spaß haben; Solo-Abenteurer bleiben manchmal recht unberührt und frustriert. Die besten Momenten entstehen aus der Mischung aus kindlicher Grusel-Fantasie und liebevoll gezeichneten Charakteren, auch wenn altbekannte Steuerungshürden und repetitive Abschnitte den Spielspaß dämpfen. Unterm Strich: Die Rückkehr nach Nowhere lohnt sich, aber mehr als ein „grundsolider“ Nachfolger wird kaum erreicht. Beim nächsten Teil muss deutlich mehr her, sonst findet die Reihe ihren eigenen Albtraum.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Webseite: en.bandainamcoent.eu/little-nightmares/little-nightmares-iii