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Lonely Mountains: Snow Riders

Eine eisige Abfahrt geht noch!

Lonely Mountains: Snow Riders ist das, was passiert, wenn jemand in ein wunderbares Downhill-Indie nimmt, tief einatmet und sagt: „Okay, und jetzt das Ganze als Ski-Urlaub – mit mehr Schnee, mehr Fluchen und mehr Freunden.“ Heraus kommt ein Spiel, das sich gleichzeitig nach Zen-Meditation auf der Piste und nach Crash-Kompilation im Zeitraffer anfühlt.

Von Downhill zu „Oh nein, Eis!“

Snow Riders ist kein DLC, sondern der vollwertige Nachfolger zu Lonely Mountains: Downhill. Statt Mountainbikes gibt es Ski, statt Sommerbergen eine Handvoll liebevoll gestalteter Wintermassive mit mehreren Trails, alternativen Linien und einem ausgesprochen bissigen Schwierigkeitsgrad.

Strukturell bleibt alles vertraut: Jede Strecke hat Checkpoints, Zeit- und Crash-Herausforderungen; wer einen Lauf sauber schafft, schaltet neue Trails, Ausrüstung, Kosmetik und schließlich die berüchtigten „Black Slopes“ frei – besonders gemeine Varianten bestehender Abfahrten. Das große Versprechen lautet wieder: „Stürzen, fluchen, lachen, nochmal.“

Zuerst Bambi, dann Bergziege

Die Steuerung ist zu Beginn ein kleiner Kulturschock. Wieder fährt man aus isometrischer Perspektive und steuert relative zur Kamera, nicht zum Fahrer – das Gehirn braucht ein paar Läufe, bis Links-und-rechts im Kopf nicht mehr mit den Bäumen kollidiert.

Dazu kommen die Schneefahrphysik: Tiefschnee bremst brutal, präparierte Spuren katapultieren einen nach vorn, Eisflächen sind verführerische Turbo-Geraden, auf denen ein Mikrowischer den Fahrer in eine Pirouette verwandelt, die bei Olympia vermutlich Abzüge in der B-Note bekäme.

Nach anfänglichem Bambi-auf-Eis-Feeling wird daraus genau das, was Fans lieben: ein System, in dem Millimeter und Timing entscheiden, ob man elegant am Felsen vorbeischrammt oder in exakt diesen Felsen verwandelt wird.

Besonders spannend ist, wie Snow Riders mit Sprüngen umgeht: Mal ist ein langer Flug die Lösung, mal die kurze, flache Kante; wer stumpf überall Vollgas drüberspringt, lernt schnell, dass „mehr Airtime“ nicht automatisch „bessere Zeit“ bedeutet.

Stille Berge, laute Einschläge

Wie schon der Vorgänger lebt Snow Riders von seinem Low-Poly-Stil und der Soundkulisse, die so tut, als hätte jemand das perfekte ASMR-Video für Wintersport gefunden: Swoosh des Schnees, knirschende Spuren, Wind, vereinzeltes Vogelgezwitscher. Kein Dauer-Gedudel, keine Kommentatoren – nur man selbst, der Berg und… und der sehr laute Sound, wenn die Spielfigur frontal in eine Felswand segelt.

Visuell ist jeder Trail ein kleines Kunstwerk: unberührte Hänge, auf denen euer erster Versuch feine Spuren ins Weiß zieht; später ein richtiges Narben-Netz aus eigenen Fehlversuchen, das wie eine Karte der eigenen Dummheiten wirkt. Gerade dieses „Die Welt merkt sich, was ihr getan habt“ gibt dem Ganzen eine charmante, fast schon pädagogische Note.

Chaos im Schneesturm

Die größte Neuerung gegenüber Downhill ist der Online-Modus. Bis zu 8 Spielende rasen gleichzeitig den Berg hinunter, wahlweise kooperativ (gemeinsam mit wenigen geteilten Checkpoints) oder kompetitiv im Rennmodus. Die Idee: Entweder als Team vorsichtig runter, sich gegenseitig wiederbeleben und strategisch Checkpoints setzen – oder einfach alles vergessen und in einem wilden Massenslalom um Bestzeiten kämpfen.

In der Praxis ist das großartig lustig und technisch (abgesehen von einigen Launch-Problemen) inzwischen ordentlich – aber nicht immer elegant. Skill-Unterschiede sind enorm: In manchen Lobbys sind drei Leute nach drei Minuten im Ziel, während der Rest noch versucht, dieselbe eisige Haarnadelkurve ohne Knochenbrüche zu überstehen. Wer früh ankommt, darf dann entweder im Ziel rumkurven oder den letzten verzweifelten Versuchen der anderen zusehen – wahlweise schadenfroh oder solidarisch.

Im Koop-Modus kommt hinzu, dass nicht alle verstanden haben, dass „Team“ mehr bedeutet als „zu zweit gleichzeitig ins gleiche Loch fahren“: Einige Spieler sprinten voraus, andere spielen freiwillig den Sanitäter – die Berge sind voll kleiner sozialer Experimente. Aber selbst wenn das Zusammenspiel chaotisch ist: Zu sehen, wie acht Figuren reihenweise an derselben Felskante scheitern, hat einen Slapstick-Humor, der erstaunlich gut funktioniert.

Großartig, aber schnell durch?

Hier scheiden sich die Geister. Kritiken loben durchweg das Streckendesign: Jede Route bietet zahlreiche Abkürzungen, riskante Sprungkombinationen und alternative Linien, die man mit der Zeit entdeckt und perfektioniert. Wer Leaderboards liebt, kann sich endlos darin verlieren, Sekundenbruchteile herauszuholen und perfekte Runs zu jagen.

Gleichzeitig gibt es Stimmen, die den Umfang der Solo-Challenges zum Launch als zu schmal empfinden. Wo man im Vorgänger mehrere Stunden brauchte, um alle Herausforderungen einer einzigen Strecke abzuschließen, berichten einige, dass sich die Snow-Riders-Challenges über alle Trails hinweg in etwa fünf Stunden abarbeiten lassen – danach bleibt vor allem Eigenmotivation und Jagd nach Bestzeiten. Hier müsst ihr selbst entscheiden, ob euch das reicht.

Fazit: Perfekter Wintertrip mit kleinem Rucksack

Lonely Mountains: Snow Riders ist im Kern genau das, was der Trailer verspricht: das Downhill-Gefühl des Vorgängers, übersetzt in knackige Skiabfahrten, die zwischen wohligem Flow und eiskalter Präzisions-Schinderei hin- und herpendeln. Die Kombination aus entspannter Naturkulisse, reduziertem UI und konzentrierter Steuerung macht jeden halbwegs guten Lauf zu einem Mini-Meditationsmoment – bis der nächste Felsen lacht.

Der neue Multiplayer bringt herrlich chaotische Rennen und Koop-Abfahrten ins Spiel, ist aber noch nicht für jede Lobby-Konstellation ideal. Solo ist das, was da ist, exzellent designt, könnte aber für Challenge-Sammler gern umfangreicher sein – ein Problem, das der angekündigte Nachschub voraussichtlich mildern wird.

Erhältlich für: Xbox, PC 
Webseite: lonelymountains.com