Eins muss man Publisher EA lassen: Jahr um Jahr überrascht der Publisher-Riese mit Titeln von kleineren Studios. Diese Bereitschaft, dass auch Indie-Entwickler hier ihren Traum verwirklichen können, macht sich bezahlt – jedenfalls für Gamer aus der ganzen Welt. Nun darf Zoink unter Beweis stellen, welche Vision sie mit Lost in Random verfolgt haben. Ein düsterer, aber faszinierender Trip erwartet euch.
Lost in Translation
Lost in Random verliert in der deutschen Version etwas an Charme. Warum? Weil die Wortwitze oder Anspielungen im Deutschen einfach nicht funktionieren. Doch das ist nur eine anfängliche Feststellung, die der eigentlichen Faszination nichts raubt. So dreht sich die Geschichte von Lost in Random um das Schwesternpaar Even und Odd (Gerade und Ungerade).
In einer dystopischen Welt, wie sie geradewegs aus Tim Burtons Kopf entstanden sein könnte, müssen sich die beiden Schwestern den Tücken des Lebens stellen. Allerdings ist das Leben in Random nicht so, wie wir es kennen. Neben der fast überall herrschenden Dunkelheit – jedenfalls zu Beginn – leben die Einwohner von Random in überdimensionierten Teekannen und anderen selbst gebastelten Unterkünften.
Menschen leben hier genauso vor sich hin, wie Fabelwesen mit Froschkopf oder schmierige Fische. Der Artstyle von Lost in Random ist schon außergewöhnlich. Das Leben wird jedoch von einem bestimmt: Dem Zufall (Random). Die Herrscherin dieser Welt ist eine böse Königin (hier kommen wieder Parallelen zu Alice im Wunderland auf), die Ordnung in die Welt bringt – und zwar mit einem Würfel.
Das Schicksal auf sechs Seiten
Jedes Kind, das das Alter von 12 Jahren erreicht, muss unter den Augen der Königin zum Würfel greifen, um sein Schicksal festzulegen. So auch Odd, die dem Ganzen zu entfliehen versucht. Je höher die Würfelzahl, desto schöner wird das Leben werden, das man anschließend hat – so jedenfalls der allgemeine Konsens. Als Odd gezwungen wird zu würfeln, erhält sie zwar eine Sechs, wird aber vor den Augen ihrer Schwester Even abtransportiert – weil Even und ihre Eltern eben in der Einserwelt leben.
Fortan macht sich Even auf die Suche nach Odd, weil sie nicht glaubt, dass es ihr gutgeht. Wie das Schicksal es nun will, beginnt für Even ein großes Abenteuer – so viel zur Geschichte, die alles andere als gewöhnlich daherkommt. Vielleicht muss ich noch eine Kleinigkeit erwähnen: Auf der Suche nach Odd landet Even an einem ungewöhnlichen Ort – einer Art Friedhof für Würfel. Eine dieser Würfel findet jedoch Gefallen an dem Mädchen und beschützt es in letzter Sekunde vor einem Schergen der Königin. Fortan sind die beiden ein sehr ungewöhnliches Team.
Spannende Mischung
Lost in Random spielt sich ziemlich interessant: Eine Art Action-Hack’n-Slay aus der Third-Person-Perspektive mit Würfel und Karten. Seid ihr nun etwas verwirrt? Kann ich verstehen. Aber ganz so wild es nicht, wenn ihr mich erklären lasst. Grundsätzlich finden die Kämpfe bei Lost in Random immer in abgeschlossenen Arealen statt: Ein dicker oder viele kleinere Kämpfer habt ihr dann vor der Nase.
Diese könnt ihr mit eurer Steinschleuder beharken – aber fügt ihnen damit keinen Schaden zu. Vielmehr bringt ihr damit Kristalle an ihren Körpern zum Platzen. Diese laden eure Karten auf. Soweit noch klar? Ist eine Karte aufgeladen, seht ihr sie auf eurer Hand, könnt aber damit noch nichts anfangen. Bis zu fünf Karten gleichzeitig könnt ihr aufladen – auf die Reihenfolge der Karten habt ihr übrigens keinen Einfluss.
Jetzt kommt der Würfel ins Spiel. Jede Karte kostet ein paar Punkte, um gespielt zu werden. Nehmt Dicey, den kleinen Würfel und werft ihn. Die Punktzahl, die oben landet, sind die Punkte, die ihr zum Aktivieren verwenden dürft. Anfangs könnt ihr nur Einser oder Zweier würfeln. Doch für den Start genügt das schon. Habt ihr beispielsweise eine Zwei gewürfelt, könnt ihr die Punkte verwenden, um Karten zu aktivieren.
Zum Beispiel könnt ihr eine starke Bombe herzaubern, die ordentlich Sprengkraft hat – aber auch zwei Punkte kostet. Oder ihr verwandelt eure Steinschleuder in einen Bogen mit zehn Pfeilen, die Schaden zufügen. Alternativ könnt ihr auch zum Schwert greifen, wenn ihr die entsprechende Karte habt. Dann beginnt die wahre Action.
Alles fügt sich zusammen
Es ist ein unterhaltsames Prinzip aus etwas Taktik, Glück und Kartenspiel. Je weiter ihr in Lost in Random voranschreitet, desto höher kann eure Würfelzahl ausfallen. Zudem deckt ihr euch im Verlauf des Abenteuers auch mit immer mächtigeren Karten ein, was den Reiz des Spiels ausmacht. Die Mischung aus Action, Karten und Würfeln funktioniert erstaunlich gut. Wenn ihr mal nicht am Kämpfen seid, dürft ihr kleinere Rätsel lösen oder die Bewohner der merkwürdigen Orte kennenlernen.
Ihr habt zwar in Dialogen immer mal wieder die Auswahl zwischen unterschiedlichen Optionen, aber wirklich verändern tut ihr damit nichts. Erfrischend sind auch die Geschicklichkeitspassagen oder Schleicheinlagen, die ihr zu absolvieren habt – auch wenn Even des Öfteren mal an einer unsichtbaren Kante hängenbleibt.
Fazit
Lost in Random ist ein durch und durch faszinierendes Abenteuer, für das ich EA sehr dankbar bin. Die Zoink Studios zeigen hier ihre kreative Ader und vermischen auf wunderbare Weise Würfel-, Karten- und Actionspiel miteinander – eingehüllt in eine schaurig schöne Tim Burton Welt. Wer mal abseits des Mainstreams ein besonderes Abenteuer erleben möchte, der sollte unbedingt hier reinschauen.
Erhältlich für: PC, PS, Xbox, Switch
Website: ea.com/de-de/games/lost-in-random