LOVE ETERNAL von Ysbryd Games und Solo-Entwickler brlka ist ein Psychohorror-Platformer, der euch mit minimalistischer Pixeloptik ködert und dann mit gnadenloser Präzisions-Plattformerei und einem fiesen Gravitationstrick das Gehirn einmal auf links dreht.
Ihr spielt die Teenagerin Maya, die von einem einsamen Gott entführt wurde und nun in einem düsteren Schloss gefangen ist, das aus Erinnerungen, Schuldgefühlen und surreal verzerrten Alltagsbildern gebaut zu sein scheint.
Minimal, aber sehr ungemütlich
Auf Screenshots wirkt LOVE ETERNAL fast bescheiden: kleinteilige Pixelgrafik, 4:3 Bild, simpel gesetzte Farben. In Bewegung entfaltet sich der Stil. Die minimalistische Pixelgrafik ist bewusst reduziert, aber sehr hübsch arrangiert; das Schloss wirkt wie ein endloser, bröseliger Albtraum aus Stein, Gitterstäben und Schatten, in dem sich immer wieder surreale Elemente ins Bild schleichen.
Die gruselige Atmosphäre entsteht weniger über Splatter, sondern über Leere, Hall und Unbehagen. Der Soundtrack arbeitet mit langen, getragenen Tönen, die Räume größer und bedrohlicher wirken lassen, als sie optisch sind. Oft lauern die Horrormotive eher am Rand des Bildschirms – flüchtige Silhouetten, verzerrte Familienmitglieder, Spinnenwesen – als euch direkt ins Gesicht zu springen. Das passt perfekt zur psychologischen Ausrichtung: Ihr sollt euch unwohl fühlen, nicht ständig erschrecken.
Von „ach, ein nettes Jump’n’Run“ zu „okay, ich schwitze“
Zu Beginn verkauft euch LOVE ETERNAL tatsächlich ein relativ lockeres Jump’n’Run. Ihr lauft, springt, lernt die Grundphysik kennen und bekommt die zentrale Mechanik erklärt: Maya kann pro Sprung einmal die Gravitation umkehren. Das heißt konkret: Ihr entscheidet, ob sie nach oben oder unten „fällt“. Berührt ihr Boden oder Decke, setzt sich das wieder zurück – außer ihr zerschmettert eine der roten Kugeln, die euren Gravitätswechsel zusätzlich auflädt.
Was anfangs noch wie ein netter Twist wirkt, baut sich schnell zu einer echten Herausforderung auf: einer Mechanik, die euch das Hirn verknotet. Räume bestehen aus eng gesetzten Stacheln, Lasern, beweglichen Plattformen und Schaltern, und ihr müsst im Kopf mehrere Zustände durchgehen: „Wenn ich jetzt flippe, hänge ich an der Decke, aber mein Schwung trägt mich noch ein Stück nach rechts, dort lauert aber…“
Vom Schwierigkeitsgrad her bewegt sich LOVE ETERNAL klar im Bereich „Präzisions-Plattformer“ à la Super Meat Boy oder Celeste. Jeder Tod – und davon gibt es viele – schickt euch sofort an den Anfang des aktuellen Screens zurück, der als Checkpoint dient. Das hält den Frust im Zaun und sorgt für diesen bekannten Loop: sterben, sofort neu, „noch ein Versuch“. Wenn ihr irgendwann einen Raum schafft, den ihr vorher 20 mal versucht habt, stellt sich dieses sehr befriedigende „geschafft, endlich sitzt der Flow“-Gefühl ein.
Stark in der Stimmung, nicht immer im Erzählfluss
Die Story wird größtenteils sparsam über kurze Texteinblendungen, Umgebungsdetails und ein paar zentrale Schlüsselszenen erzählt. Das sorgt für viel Interpretationsspielraum und unterstützt die psychologische Horror-Note, kann aber auch das Gefühl hinterlassen, dass der erzählerische Kern etwas diffus bleibt.
In der Praxis bedeutet das: Wenn ihr vor allem wegen der Spielmechanik da seid, trägt euch die Atmosphäre gut durch, ohne euch mit Dialogwänden zuzuschütten. Wenn ihr dagegen eine sehr klar erzählte, tief gehende Psychogeschichte erwartet, kann sich das Ganze stellenweise etwas dünn anfühlen.
Fazit: Für alle, die Schwerkraft-Puzzles lieben
LOVE ETERNAL ist ein brutaler, aber fairer Präzisions-Plattformer, auf den eine Schicht psychologischer Horror und starke Stimmung gelegt wurde. Die Pixelgrafik ist minimalistisch, aber hübsch, die Atmosphäre eindeutig gruselig, und aus einem zunächst recht lockeren Jump’n’Run wird sehr schnell ein anspruchsvolles Spiel, das eure Reaktionsfähigkeit und euer räumliches Denken fordert.
Wenn ihr Spaß daran habt, euch in fordernde Platformer mit cleveren Mechaniken hineinzubeißen, und ihr die Idee mögt, dass ihr jederzeit entscheiden könnt, ob euer Charakter „nach oben oder unten fliegt“, dann ist LOVE ETERNAL ein spannender Kandidat, der für etliche Abende „nur noch ein Screen, dann höre ich wirklich auf“ sorgen dürfte.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Webseite: loveeternalgame.com