Mafia ist eine der langlebigsten Crime-Reihen überhaupt. Seit dem legendären ersten Teil (2002), der mit filmischer Inszenierung und düsterem Storytelling Maßstäbe setzte, zog sie Spieler:innen weltweit in die familiäre Gewalt von Tommy Angelo, Vito Scaletta und Lincoln Clay.
Nach den Ausflügen in Amerika, von Lost Heaven bis New Bordeaux, wagt Mafia: The Old Country nun ein echtes Origins-Experiment: Man wird zurückgeworfen ins Sizilien der Jahrhundertwende, mitten hinein in die Geburtsstunde der Mafia, wo alles begann – weit weg von Großstadt, aber mit ungebrochener Atmosphäre und rauen Moralfragen. Eine wahnsinnig gute Idee, wie ich finde.
Ein italienisches Epos alter Schule
Ihr spielt Enzo Favara, der als Junge den brutalen Sulfitminen und der Herrschaft der skrupellosen Spadaro-Familie entflohen ist - ein toller und packender Einstieg, den Hangar 13 hier gezaubert hat. Man merkt dem Team an, dass sie Erfahrung im Mafia-Universum haben.
Die Odyssee führt Enzo zur rivalisierenden Torrisi-Familie – und tiefer in ein Gangster-Drama voller Loyalität, Verrat, Familienbande und verbotener Liebe. Die Geschichte nutzt die klassischen Mafia-Motive – Mentoren, ratlose Consiglieris, treue Freunde, Rivalitäts-Bosse und die unumstößliche Macht des Don.
Vorhersehbar? Ja. Aber hervorragend geschrieben und mit starker Synchronisation inszeniert (besonders Don Torrisi mit genialer Intensität). Politische Subplots, Intrigen, Herzschmerz und die Entwicklung Enzos machen das Abenteuer zu einer stimmungsvollen Reise durch rund 13 Stunden gut getimte Gangsterstory, dessen Ende einige Fans spaltet, aber erzählerisch stimmig bleibt. So, mehr wird hier nicht verraten.
Sizilien glänzt wie nie zuvor
Das Spiel ist ein visuelles Fest: Von den Pinienhügeln bis zum Lichtspiel auf den engen Gassen und prächtigen Villen erzählt Mafia: The Old Country von Sizilien wie in einem bildgewaltigen Mafiafilm. Das Worldbuilding ist herausragend detailliert, mit lebendigen Hintergründen, stimmungsvollen Innenräumen und einzigartigen Orten.
Die Gefährte, Pferde, Outfits und das komplette Mobiliar sind der Zeit angepasst und sehen grandios aus. Öfters mal habe ich mich einfach nur umgeschaut, um das Setting zu genießen. Hinzu kommen die feinen Charakteranimationen – selbst Nebenfiguren fallen durch Mimik und Bewegung positiv auf. Dazu gibt’s exzellente Musik, eine melancholische Soundkulisse und intensive Dialogszenen, die das Lebensgefühl des alten Landes spürbar machen.
Linear, filmisch, aber mit kleinen Schwächen
Das Gameplay kehrt zu den Wurzeln zurück – lineare Missionen statt klassisches Open World. Persönlich fühle ich mich dabei gut aufgehoben. Ihr folgt der Handlung durch abgesteckte Kapitel, erkundet Sizilien zwischen Schießereien und ruhigen Momenten. So kommt die Story auch viel besser voran.
Im Umkehrschluss heißt das: Keine Map-Türme, keine Sammel-Icons – hier dreht sich wirklich alles um die Story. Die wenigen Nebenmissionen sind klein – Fotos an pittoresken Orten, kleinere Jobs, ein bisschen Outfit- und Autokauf. Die Reise ist gestrafft, und die Erkundung der Welt wird laufend begrenzt. Passt für mich.
Kein Mafia ohne Waffen
Das Kampfsystem hat sich deutlich verbessert: Schusswechsel mit authentischen Waffen, explosionsstarkes Feedback und zerstörbare Deckungen machen Laune. Ihr habt Zugriff auf Revolver, Gewehre und Granaten, und die Gegner gehen oftmals clever zu Werke – sie flankieren, pushen und machen euch das Leben schwer, wenn ihr nicht aufpasst.
Noch mehr Dynamik bringen die Nahkämpfe: Gescriptete Bossduelle sind immer 1-gegen-1 bzw. Messer-gegen-Messer, mit Ausweichen, Parrieren und Konter. Anfangswirkt das sehr frisch, irgendwann wiederholt es sich dann zu oft. Am Ende hatte ich sogar das Gefühl, dass es den Spielfluss bremst.
Besondere Szenen wie Verfolgungsjagden über Dächer, Kämpfe im Opernhaus und spannende Autoeinlagen sind packende Highlights. Entgegen des ersten Mafia-Spiels ist das Fahrgefühl großartig und liefert echtes Oldtimer-Gefühl. Leider sind einige Rennen und Jagden zu einfach und hätten mehr Nervenkitzel verdient. Dafür zahlt es aber auf den cineastischen Aspekt ein.
Schönheit, die nicht immer rauslässt
Trotz der Schönheit und stimmungsvollen Inszenierung bleibt das Spiel manchmal zu stark auf Schienen. Nebenmissionen und Open-World-Freiheit sind minimal. Nach etwa zehn Stunden fühlt man, dass die Story einen zu schnell durchs Spiel jagt.
Das Balancing zwischen Action und Exploration hätte man etwas besser auslegen können. Wie gesagt: Ich fand das super so, weil ich nie viel Zeit für die Spiele habe. Die meisten von euch sehen das aber vielleicht anders. Aber ehrlich: Der Großteil an Messerduellen ist ein Gimmick, das seinen Zauber verliert – dennoch bleibt das Gesamtpaket angenehm fokussiert und anders als die meisten AAA-Rivalen.
Fazit: Mafia auf Sizilianisch – linear, intensiv und richtig atmosphärisch
Mafia: The Old Country liefert eine stimmungsvolle, erzählerisch dichte Rückkehr zu den Stärken der Reihe. Die Story ist klassisch, aber faszinierend umgesetzt; das Setting und die Visuals sind atemberaubend; das Gameplay ist linear und manchmal zu monoton, insgesamt aber cineastisch und frisch. Wer die Mafia-Saga liebt, findet einen intensiven Ausflug ins alte Sizilien – mit Herz, Verrat, Glanz und jeder Menge Italo-Feeling. Ein Mafiafilm zum Mitspielen – und ein Must-Play für alle, die Story, Atmosphäre und filmisches Erleben suchen!
Erhältlich für: Xbox, PS, PC
Webseite: mafia.2k.com/the-old-country