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Marathon

Wenn jeder gelungene Run ein kleiner Adrenalinschub ist.

Bungies neues Marathon ist kein klassischer Story-Shooter und auch kein lockerer Loot-Ausflug, sondern ein PvPvE-Extraction-Shooter, in dem kleine Teams auf gefährliche Karten geschickt werden, Ausrüstung einsammeln, KI- und Spielergegner überleben und dann möglichst heil wieder rauskommen müssen.

Gerade dieser Aufbau macht sofort klar, warum das Spiel so anders wirkt als viele große Mainstream-Shooter: Hier zählt nicht nur, ob ihr gut schießt, sondern ob ihr Risiken richtig einschätzt, Beute sinnvoll priorisiert und im entscheidenden Moment den Absprung schafft.

Für mich liegt darin schon der erste Reiz. Marathon will euch nicht bloß unterhalten, sondern euch permanent unter Spannung setzen. Jeder Ausflug ist ein kleiner Vertrag mit dem Chaos, und genau dieses Gefühl von „Noch läuft alles gut? Aber wie lange noch?“ ist der eigentliche Motor des Spiels - und ganz großes Kino.

Was Marathon besonders macht

Das Offensichtlichste zuerst: Das Schießen in Marathon ist großartig. Hier merkt man dem Team die jahrelange Wrfahrung in dem Genre an. Wenn Bungie eines richtig gut kann, dann Waffen so klingen, knallen und reagieren zu lassen, dass schon ein kurzer Feuerwechsel mehr Spaß macht als in manch anderem Shooter ein kompletter Abend.

Zusätzlich hat Marathon eine Identität, die im Genre nicht selbstverständlich ist. Statt graubrauner Militärtristesse setzt das Spiel auf kräftige Farben, eine sehr bewusste Sci-Fi-Ästhetik, dichte Soundkulissen und Karten, die nicht nur funktional wirken, sondern fast schon bedrohlich-schön.

Genau da hebt sich das Spiel für mich am deutlichsten ab: Es sieht nicht einfach gut aus, sondern fremd, kühl und ein bisschen unheimlich - was mich echt beeindruckt hat. Fast so, als hätte jemand einen Hochglanz-Cyberpunk-Entwurf mit echter Panik aufgeladen.

Voll im Flow

Und dann ist da noch die Spannung des Loops. Kaum habt ihr einen Run beendet, wollt ihr auch schon sofort den nächsten starten, weil Loot, Kartenkenntnis und die Hoffnung auf einen besseren Ausgang ständig an einem nagen. So ging es mir jedenfalls ständig.

Marathon ist gerade dann besonders stark, wenn es euch das Gefühl gibt, dass jede Niederlage eine Lektion und jeder erfolgreiche Extrakt ein kleiner persönlicher Coup ist. Ihr müsst es einfach selbst erleben, wie toll diese Momente nach einer erfolgreichen Extraktion sind.

Wo der Spaß leicht ausgebremst wird

So faszinierend das alles klingt, es gibt auch kleine Ecken und Kanten. So war ich persönlich nicht immer ganz happy mit dem Inventar, das mit dem Controller manchmal umständlich bedient wird. Auch die wenig intuitive Benutzeroberfläche und die eher faden Fraktionsaufträge könnten per Patch nachgebessert werden.

Was ebenfalls für manche von euch eine hohe Einstiegshürde sein könnte, sind die recht harten Matches. Einige finden diese genau richtig, für mich schrammte das knapp an der Frustration vorbei. Aber nur Geduld – man kommt dann doch schnell rein. Und das lohnt sich! Zudem bin ich sicher: Mit der Zeit wird sich Marathon immer besser formen, um wirklich jeden hier auf seine Set abzuholen.

Casual oder Leitungssport?

Für mich ist Marathon derzeit am interessantesten, wenn man es nicht als reinen Live-Service-Kandidaten betrachtet, sondern als eine Art Hochdruck-Shooter mit fast schon sportlicher Nervosität. Die Besonderheit liegt nicht allein im Extraktions-Prinzip, sondern darin, wie elegant Bungie Gunplay, Atmosphäre und Anspannung zusammenschnürt, bis selbst kleine Scharmützel eine unangenehme, herrlich elektrisierte Energie bekommen.

Gerade deshalb wirkt das Spiel auf mich auch nicht wie ein Titel für alle. Wer entspannte Progression, gemütliches Sammeln oder ein sofort zugängliches Regelwerk sucht, dürfte hier eher gegen Wände laufen. Wer aber diese Mischung aus Druck, Stil, Schussgefühl und „Ein Run noch“-Sog mag, bekommt mit Marathon einen der spannendsten Shooter des Jahres.

Fazit

Marathon ist für mich ein sehr starker, aber bewusst sperriger Shooter, der genau dann glänzt, wenn er euch in seine riskanten Runs hineinzieht. Das Spiel macht das Schießen, Lauschen und Überleben fast körperlich spürbar – was echt cool ist. Besonders ist, dass Marathon das Extraction-Genre nicht neu erfindet, sondern dass es ihm eine seltene Kombination aus Bungie-typischem Gunplay, eigenständiger Sci-Fi-Ästhetik und echtem Spannungsgefühl verpasst.

Zum ganz großen Wurf hat der Titel definitiv das Zeug. Es fehlt aktuell noch etwas Feinschliff bei Komfort, Auftragsdesign und Langzeitmotivation. Aber wenn ein Spiel es schafft, euch nach einer frustrierenden Niederlage trotzdem sofort über den nächsten Einsatz nachdenken zu lassen, dann macht es offensichtlich schon sehr viel richtig. Ein ganz starkes Spiel, Bungie!

Erhältlich für: PS, PC 
Webseite: marathonthegame.com