Was hatte ich mich dieses Jahr doch auf den Mai gefreut: Nach einer unsagbaren langen Dürreperiode für Tennis-Fans kamen gleich zwei vielversprechende, auf Realismus ausgelegte Titel auf den Markt, die endlich wieder den gelben Filzball ins Zentrum des Geschehens rückten.
Allerdings waren „AO International Tennis“ und „World Tennis Tour“ nur halbgare Produkte, die an vielen Stellen krankten. Langhaltigen Spaß hatte ich damit nicht. Zwei Monate später schlägt also nun auch Nintendos Maskottchen Mario auf – und trifft voll ins Schwarze. „Mario Tennis Aces“ ist vollgepackt mit grandiosen Ideen.
Schande mit U
Zunächst einmal kann ich viele Spieler verstehen, die „Mario Tennis Aces“ mit Skepsis betrachten: Der letzte Ableger, „Mario Tennis: Ultra Smash“, für die Wii U war nicht gerade der erhoffte Spaß-Garant. Dabei war das Grundgerüst des Spiels gar nicht schlecht: Allerdings gab es keine richtigen Inhalte, wie einen Singleplayer-Modus oder ein paar Mini-Spielchen. Mit all dem räumt „Mario Tennis Aces“ nun auf: Das Spiel serviert euch ein vollgepacktes Paket an verrückten Situationen, die Mario nur mit seinem Schläger meistern kann.
Lasst mich bitte mal alleine
Das Beste gleich zu Beginn: Für Solo-Spieler liefert euch Nintendo die volle Ladung Story-Modus. Darin trippelt ihr aber nicht nur lieblos von einem Match zum anderen, nein, ihr macht euch auf die epische Suche nach fünf Machtsteinen. Dass diese nur mithilfe von Tenniskünsten zu erlangen sind, mag zwar recht albern sein, aber Nintendo kostet diese Prämisse voll und ganz aus.
Einzelmatches gegen den Computer sind bei der Tour durchs Königreich eher die Ausnahme. Viel öfters stellt euch das Spiel vor teilweise knifflige Herausforderungen, bei denen ihr den Ball im Spiel halten sollt, bestimmte Punkte treffen müsst oder sogar gegen Endgegner kämpfen dürft. All das funktioniert grandios.
Neben den bekannten Schlägen, die es im Profi-Tennis auch gibt, wie Top Spin, Lob, Volley, Slice oder den geraden Schlag, setzt „Mario Tennis Aces“ auf ein Energie-System: Habt ihr oft genug den Ball übers Netzt gebracht, so lädt sich euere Energieleiste auf.
Diese Ressource nutzt ihr entweder, um besonders starke Bälle zu schlagen – samt präzisem Zielmodus – oder ihr verlangsamt kurzerhand damit die Zeit, um verloren geglaubte Bälle doch noch zu erwischen. Solltet ihr es schaffen, dass sich die Energieleiste bis zum Maximum füllt, könnt ihr per Knopfdruck einen mächtigen Spezialschlag auslösen, der sehr schwer zu blocken ist.
Gebrochene Freude
Wo wir gerade vom Blocken sprechen: Wenn ihr gegnerische harte Schläge zu früh kontert, verliert euer Schläger Lebensenergie. Ist diese auf Null, zerbricht der Schläger. Während eurer Reise findet ihr immer wieder neue, bessere Modelle.
Aber Vorsicht: Habt ihr in einem Match keinen Ersatzschläger mehr, gilt das als K.o. Auf diese Art lassen sich aber auch Gegner aus dem Weg räumen, was dem Spiel ungewöhnlich viel Taktik verleiht – großartig. Der Schwierigkeitsgrad des Story-Modus zieht im Verlauf der Kampagne deutlich an.
Bei mir kam einer dieser Aha-Momente, als ich dem zweiten Boss, einem Spiegelwesen, gegenüberstand: Erst nach rund zehn Versuchen habe ich es geschafft, diese Kreatur innerhalb des Zeitlimits zu legen. Danach hatte ich kaum noch Probleme an anderen Stellen.
Alles kam mir anschließend einfacher vor. Mag vielleicht auch daran liegen, dass ihr selbst bei Niederlagen Erfahrungspunkte sammelt, die euch im Level aufsteigen lässt. Das hat zur Folge, dass ihr härter schlagt und euch schneller bewegt. Eine nette Idee.
Mehr Tennis, mehr Unterhaltung
Sobald ihr den Story-Modus hinter euch habt, könnt ihr euch an die anderen Spielmodi heranwagen. Wie wäre es mit einem Online-Turnier? Oder bastelt euch selbst ein eigenes Turnier und bekämpft euch mit bis zu vier Spielern gleichzeitig auf den Tennisplätzen dieser Welt – oder eines anderen Universums. Denn in Sachen Tennisplätze setzt „Mario Tennis Aces“ mal wieder lustige Maßstäbe:
Auf Wunsch lauern diese Spielwiesen mit Gefahren auf, die euch ganz schön die Tour vermasseln können. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Schiffsmast mitten auf dem Feld? Oder heraneilenden Touristen, die einen Zug am anderen Ende des Spielfeldes erreichen wollen? Oder vielleicht doch lieber explodierende Mini-Bowser, die euch lahmlegen? Jedenfalls steckt hier viel Potenzial drin und garantiert unterhaltsame Partien gegen Freunde.
Fazit
Vergessen ist die Schmach von „Mario Tennis: Ultra Smash“. Der neuste Tennis-Ableger aus dem Hause Nintendo setzt wieder an die Spitze der Unterhaltungspyramide. „Mario Tennis Aces“ begeistert mit einer ungewohnten Spieltiefe und frischen, spaßigen Ideen. Ein dickes Dankeschön an Nintendo für die Singleplayer-Kampagne – echt großartig geworden. Damit ist für mich dieses Jahr in Sachen Tennis-Games für die Konsole letzten Endes doch noch gerettet – einem Klempner sei Dank!
Erhältlich für: Nintendo Switch
Website: nintendo.com/games/detail/mario-tennis-aces-switch