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MARVEL MaXimum Collection

Helden aus der Vergangenheit.

Hier bekommt ihr vor allem eines: eine liebevoll zusammengestellte Zeitmaschine zurück in jene Jahre, in denen Superhelden-Spiele nach Spielhalle, Videothek-Kassette und SNES-Modulen rochen. Das Paket lebt stark von Nostalgie, liefert aber genug Komfortfunktionen und Varianten, um auch heute noch Spaß zu machen. Selbst wenn ein paar der enthaltenen Spiele damals schon eher „interessant“ als wirklich gut waren.

Zurück in die 90er

Die Sammlung vereint die wichtigsten Fassungen von sechs frühen Marvel-Klassikern über Arcade, 8-Bit-, 16-Bit- und Handheld-Systeme hinweg, darunter X-Men: The Arcade Game, Captain America and The Avengers, Maximum Carnage, Separation Anxiety, Arcade’s Revenge und das berüchtigte Silver Surfer. Genau diese Mischung macht die Collection so reizvoll, weil sie nicht nur Highlights abfeiert, sondern auch das leicht schiefe, oft herrlich unfaire und manchmal komplett bekloppte Gesicht früher Lizenzspiele konserviert.

Und ja, schon beim Start dieses Pakets hört man innerlich wieder das Klacken von Arcade-Sticks und das verzweifelte Flehen eines Kindes, das bitte noch „eine Runde X-Men“ spielen will. Die Kollektion ist keine Hitparade der besten Marvel-Spiele aller Zeiten, sondern eher ein altes Comic-Kistenregal auf dem Dachboden: bunt, staubig, ein bisschen zerknittert, aber voller Geschichten.

Das große Zugpferd

Der unangefochtene Star ist X-Men: The Arcade Game. Das Spiel unterstützt hier online bis zu sechs Spieler mit Rollback-Netcode, was nicht nur ein starkes Technik-Upgrade ist, sondern genau die Art moderner Nachbesserung, die so ein Spiel heute wirklich braucht. Noch immer ist das kein tiefes Prügelspiel im modernen Sinne, aber es ist ein fantastisch lauter, bunter und vollkommen überzeichneter Brawler, der allein schon durch seine Musik, Sprites und ikonischen Sprachausbrüche ein breites Retro-Grinsen ins Gesicht meißelt.

Daneben ist auch Captain America and The Avengers eine schöne Erinnerung daran, wie charmant schlicht frühe Arcade-Action sein konnte. Weniger hübsch ist allerdings, dass ausgerechnet hier Multiplayer-Komfort fehlt und die Umsetzung deutlich weniger Liebe bekommen zu haben scheint als beim X-Men-Klassiker. Genau das zieht sich leider als Muster durch die ganze Sammlung: Das Herzstück glänzt, aber nicht jede Beigabe wurde mit derselben Sorgfalt geschniegelt.

Zwischen Kult und Kuriosität

Die Spider-Man-Ecke der Collection ist ein klassischer Fall von „Damals war das irgendwie größer“. Maximum Carnage lebt noch immer von seinem Comic-Kult, seinem Soundtrack und diesem wunderbaren Gefühl, als Kind unbedingt das graue Modul besitzen zu wollen. Spielerisch zeigen sich heute aber recht deutlich die Macken: monotones Gegnergeprügel, zähes Pacing und wenig Abwechslung. Separation Anxiety ist ähnlich nostalgisch aufgeladen, wirkt aber sogar noch stumpfer und unpräziser.

Dann wäre da noch Arcade’s Revenge, das in etwa so spielt, wie man sich eine schlechte Woche in einem 90er-Jahre-Freizeitpark vorstellt. Spannend als Zeitdokument, frustig als Spiel, und gerade deshalb irgendwie doch passend in dieser Sammlung. Die Handheld-Fassungen machen das Paket historisch interessanter, retten aber nicht jede Design-Sünde aus der Mottenkiste.

Silver Surfer, du Wahnsinn

Und nun zum Elefanten auf dem Surfbrett: Silver Surfer. Dieses Spiel hat sich seinen Ruf als absurd schwerer NES-Schmerztest redlich verdient, mit One-Hit-Toden, verwirrender Kollisionsabfrage und jener Sorte Leveldesign, bei der man schon nach wenigen Minuten dem Kosmos persönlich eine Beschwerde schicken möchte. Gerne erinnere ich mich auch an die Folge des Angry Video Nerds dazu. Dass die Sammlung Rückspulfunktion, Save Games und Cheats integriert, ist hier keine freundliche Zugabe, sondern beinahe humanitäre Hilfe.

Und trotzdem ist Silver Surfer nicht einfach nur schlecht. Man könnte den großartigen Soundtrack von Tim Follin und die starke Präsentation loben. Und mit den modernen Komfortfunktionen wird aus der früheren Folterkammer tatsächlich ein kurioses, stellenweise sogar faszinierendes Relikt. Es bleibt ein sadistisches kleines Monster — aber jetzt eben eines, das man mit Sicherheitsnetz anschauen darf.

Komfort und Grenzen

Was die Collection insgesamt aufwertet, sind die modernen Extras: Rückspulfunktion, Save Games, Cheats, CRT-Filter, Musikplayer und Archivmaterial machen aus der bloßen ROM-Schublade ein deutlich angenehmeres Gesamtpaket. Allerdings bekommt der Begriff „MaXimum“ auch ein kleines Fragezeichen, weil das Bonusmaterial zwar ordentlich, aber nicht überragend ist und sich gerade bei einer so historisch aufgeladenen Marvel-Sammlung noch mehr Hintergrundmaterial angeboten hätte.

Auch bei den Online-Funktionen ist Luft nach oben. Dass praktisch nur X-Men den großen Multiplayer-Auftritt bekommt, wirkt bei einer Sammlung voller Beat-'em-ups etwas geizig. Hinzu kommen kleinere Startprobleme bei Online-Performance oder ein paar Emulationsmakel, was den positiven Gesamteindruck nicht zerstört, aber eben zeigt, dass diese Collection nicht in jeder Ecke makellos poliert ist.

Fazit

MARVEL MaXimum Collection ist keine Schatzkammer voller Meisterwerke, sondern eine wunderbar nostalgische Marvel-Wundertüte mit starken Höhen, ehrlichen Tiefen und viel Comic-Charme aus einer herrlich unbeholfenen Ära. Wer mit diesen Spielen aufgewachsen ist, bekommt hier ein warmes Retro-Gefühl serviert, das von moderner Bedienbarkeit und einem exzellenten X-Men-Arcade-Stück getragen wird.

Wer dagegen nur nach objektiv zeitlosen Top-Spielen sucht, wird feststellen, dass diese Sammlung viel Herz, aber auch viel altes Gerumpel enthält. Gerade deshalb funktioniert sie am besten als nostalgischer Ausflug mit gelegentlichen Frustspitzen, einem ironischen Schulterzucken Richtung Silver Surfer und dem leisen Wunsch, dass dies erst der Anfang einer größeren Marvel-Retro-Offensive war.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch 
Webseite: limitedrungames.com/products/marvel-maximum-collection-standard-edition-switch-ps5-xbox