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Marvel's Guardians of the Galaxy

Brillantes Erlebnis für Einzelspieler – mit so viel Spaß hätten wohl die wenigsten gerechnet.

Ja, ich habe mich selbst dabei ertappt, ich gebe es zu. Als ich vor ein paar Monaten die ersten Screenshots von Marvel's Guardians of the Galaxy gesehen habe, dachte ich: Wieso sehen die denn nicht so aus wie im Film? Das wird wohl einigen von euch so ergehen. Aber lasst es mich gesagt haben: Es ist verdammt gut so, dass die Charaktere nicht aussehen, wie im Film, sondern sich stark an den Comics orientieren. Allein damit hat Eidos Montréal und Square Enix sehr viel richtig gemacht.

Eine Truppe, die man einfach lieben muss

Die Filme über die Guardians oft he Galaxy habe ich beide geliebt, weil sie mit so viel Herzblut gemacht sind und der Humor einzigartig im Marvel-Universum ist. Diese fünf Charaktere sind schon eine amüsante Truppe, die immer wieder zum Schmunzeln oder laut lachen einlädt. Eine zerstörerische, grünhäutige Superkämpferin und ein ebenso kampferprobter Muskelberg, der in Gamora immer wieder eine Betrügerin sieht; ein Baumwesen, das nur „Ich bin Groot“ sagen kann und ein schießwütiger Waschbär, der ein Genie in Technikfragen ist; angeführt von einem Menschen, Peter Quill, der sich selbst Star Lord nennt. Wer bitte denkt sich so was aus?

Ihr übernehmt jedenfalls die Rolle von Peter, der die Führung dieser bunt zusammengewürfelten Truppe übernimmt. Eidos Montréal und Square Enix setzen dabei auf ein klassisches Einzelspielererlebnis, das mit einer spannenden Geschichte und jeder Menge Action punkten will – was völlig legitim ist. Ich persönlich war so froh, dass mich hier keine x-te Open World erwartet hat, sondern ein Kapitel nach dem anderen, das durch schön gescriptete Ereignisse unterhält. Zudem dürft ihr in manchen Dialogen selbst Entscheidungen treffen, die auch hier und da tatsächlich Auswirkungen auf den Verlauf eurer Reise haben wird.

Guter Fokus, klar und spannend

Von der Story möchte ich euch gar nicht so viel erzählen, die sollt ihr selbst erleben. Einen fantastischen Kniff finde ich aber, dass ihr immer mal wieder gedankliche Zeitsprünge in Peters Jugend macht und so mehr über seine Hintergründe erfahrt. Spielerisch sind diese Abschnitte zwar leichte Kost, tragen aber immens zur Atmosphäre bei. In diesen Rückblicken durchstreift ihr Peters Haus und redet viel mit seiner Mum. Das hat schon Charme.

Wer nun ein wenig traurig war, dass anscheinend wenig auf die filmischen Umsetzungen geachtet wurde, für den gibt es Entwarnung: Wenn ihr die Charaktere aus den Filmen geliebt hat, dann werdet ihr die Versoftung auch lieben. Denn die Dialoge richten sich herrlich an den Gesprächen im Film und haben mich oft lachen lassen. Hier wirkt wenig aufgesetzt, sondern sprudelt manchmal aus den Charakteren heraus, dass ich das für sehr authentisch halte. Wenn Waschbär Rocket mal wieder einen Wutanfall hat, Drax Wortspiele nicht versteht oder Groot mit einem Weltraumlama kuschelt, ist das schon eine Liga für sich. Aber kommen wir mal zu den spielerischen Aspekten.

Von früheren Arbeiten inspiriert

Dass Eidos Montréal vorher mal an Tomb Raider gearbeitet hat, merkt man an einigen Stellen: Die Steuerung ist sehr ähnlich und mit eurem Visier habt ihr auch wieder eine Möglichkeit, die Welt zu scannen und Objekte zu entdecken. Auch der Blickwinkel über die Schulter erinnerte mich sehr an Laras Abenteuer. Auch wenn das Setting völlig unterschiedlich ist, erkennt man auch bei den Guardians of the Galaxy die Liebe zum Detail. Allein die erste Mission mit den überwiegend in rosa getauchten Farben ist schon ein Spektakel.

Wie gesagt steuert ihr lediglich Peter und gebt Befehle an eure Crew. Kommt es zum Kampf, dann greift Peter auf seine beiden Strahlenpistolen zurück. Jeder andere Charakter kann hin und wieder eine Spezialfähigkeit einsetzen, die danach eine Weile zum Aufladen braucht bis sie wieder einsatzbereit ist. So ballert ihr euch weitesgehend durch die Kämpfe und erteilt schnell per Tastendruck Befehle. Dabei vermischt ihr AoE-Attacken mit Stuns und gezielten One-Hits. Nach kurzer Eingewöhnung geht das locker von der Hand.

Entdecker gesucht

In den sehr linearen Levels haben die Macher euch aber einige Extras in Form von Credits, Technikteilen und Outfits versteckt. Mit Credits kauft ihr ab einem bestimmten Punkt neue Ausrüstung. Die Technikteile investiert ihr in neue Fähigkeiten für Peters Anzug oder seine Power-Stiefel. Outfits, nun ja, sind eben neue Outfits, mit denen ihr das Erscheinungsbild einzelner Teammitglieder verändert. Coole Sache.

Hin und wieder dürft ihr auch leichte Schalterrätsel lösen oder euch durch eine Horde schlafender Feinde schleichen. Die Höhepunkte sind aber die Kämpfe gegen meist haushohe Boss-Kreaturen. Dabei solltet ihr eine bestimmte Taktik nachgehen, um die Bestien zu besiegen. Und wenn ihr doch mal den Löffel abgebt, dann lassen sehr fair gesetzte Speicherpunkte keinen Frust aufkommen.

Guardians of the Galaxy gelingt es immer wieder eine schöne Balance zwischen Action-Passagen und Story-Elementen zu erschaffen. Ich hatte nie das Gefühl, dass grade zu viel gelabert oder geballert wird. Und das kommt echt selten bei mir vor. Vielleicht war ich aber auch von diesem so unverbrauchten Setting und den darin lebenden Charakteren begeistert, dass die Zeit wie im Flug verging, ich weiß es nicht. So oder so: Die Guardians of the Galaxy haben mein Herz erobert.

Fazit

Daher kann ich euch dieses Spiel nur ans Herz legen, wenn ihr auf Humor und Action steht oder die Filme mochtet. Ich finde es jedenfalls großartig, dass Guardians of the Galaxy gezielt Einzelspieler anspricht und nicht einen ungelenken Spagat zwischen Single- und Multiplayer versucht. Auch die Entscheidung, dass ich nur Peter spielen kann und den anderen lediglich Befehle erteile, trifft genau ins Schwarze.

Bei den Avenger’s letztes Jahr war ich nämlich sehr enttäuscht, dass sich alle Charaktere mehr oder weniger gleich angefühlt haben. Das ist hier nicht der Fall. Von daher kann ich euch die Guardians of the Galaxy uneingeschränkt empfehlen und gebe ein dickes Lob an Eidos Montréal und Square Enix – sehr gut gemacht. Davon könnte ich mir noch mehr Teile antun.

Erhältlich für: PC, Xbox, PS
Website: eidosmontreal.com/games/marvels-guardians-of-the-galaxy