Der liebe Otto hat ein Problem: Kaum hat er seine längst fällige Prüfung als sogenannter Former bestanden, wird seine Verlobte Ana, ihres Zeichens die oberste Formerin des Reiches, von einem Fiesling gespalten – ja, richtig gelesen! Ihre Elementarteilchen sind anschließend in der gesamten Region zerstreut. Außerdem steht das Land, in dem Otto bislang friedlich lebte, vor dem Untergang. Es muss also gehandelt werden. Die Ausgangsprämisse des Spielchens ist eine klassische „Rette die Prinzessin“-Situation, die lediglich dem weiteren Spielverlauf dient.
Macht aber nichts, da das eigentliche Gameplay nämlich äußerst unterhaltsam daherkommt. Um einen schnellen Vergleich über den grundsätzlichen Spielablauf zu geben, könnte ich Titel wie „Overlord“ oder „Pikmin“ erwähnen. Denn auch hier steht ein Held im Mittelpunkt, der sich gerne etwas im Hintergrund hält und seine Schergen, pardon geformten Anima-Wesen auf den Feind hetzt. Diese Helferlein halten nicht nur gegnerische Widersacher in Schach, sondern dienen auch dem Lösen von kleinen Rätseln. Aber mal der Reihe nach.
Auf dem Weg zum Helden
Zu Beginn kann Otto lediglich auf eine Art Diener zurückgreifen, die ihm mit Schwert und Schild zur Seite stehen. Je nachdem, wie hoch Ottos Level ist, kann er mehrere dieser Kreaturen beschwören. Im späteren Spielverlauf dürft ihr sogar gewonnene Erfahrungspunkte direkt in die Diener stecken, um sie in einigen Disziplinen stärker zu machen – ein durchdachtes System, das den eigenen Spielstil unterstreichen kann. Denn nicht alle Kämpfe laufen gleich ab, wie ihr gleich sehen werdet. Per Knopfdruck darf Otto seine Schergen zu bestimmten Punkten beordern. Macht er das nicht, laufen sie ihm blindlings nach. Taucht ein Gegner auf, so darf Otto seine treuen Anima-Knechte auf diesen hetzen, damit sie ihn verprügeln.
Und keine Sorge: Geht ein Knecht zu Boden, kann Otto einfach einen neuen heraufbeschwören – sofern ihr über genügend Anima-Energie verfügt. Diese Art Mana-Pool füllt sich allerdings nicht selbstständig auf, sondern wird über eingesammelte Kugeln aufgefrischt. Solche Anima-Kugeln finden sich jedoch ständig im Verlauf der Kampagne, sobald ihr etwas zerdeppert. Nur in den Boss-Kämpfen müsst ihr mit einer vorgegebenen Anzahl haushalten – was aber meist kein riesiges Problem darstellt, wenn ihr euch halbwegs geschickt anstellt.
Eine Fülle an taktischen Möglichkeiten
Apropos Geschick: Davon braucht ihr besonders in den späteren Abschnitten jede Menge. Denn anstatt seine Diener nur schnurstracks auf einen Feind zu schicken, kann Otto ihnen aber auch befehlen, dass sie ein bestimmtes Areal verteidigen. Zusätzlich darf er seinen Zauberstab schwingen und den Fieslingen eine Abreibung verpassen. Doch Vorsicht: Erwischt der Gegner Otto einmal zu oft, ist das Spiel aus. Daher lasst lieber eure geformten Anima-Kollegen für euch kämpfen.
Natürlich beschränkt sich Ottos Auswahl an herbeigerufenen Wesen nicht nur auf Schild- und Schwert-Kämpfer. Mission für Mission kommen neue Vertreter an Anima-Gestalten hinzu: So hat er bald den Befehl über Bogenschützen, Kommandeure oder sogar selbst wandelnde Geschöpfe – nur um einige zu nennen. Mit jeder neuen Variante wird das Spiel um eine taktische Stufe tiefer – und damit auch kniffliger. Gerade Gamepad-Spieler kommen hier ordentlich ins Schwitzen.
Schnelle Finger von Vorteil
Die Steuerung ist im Falle von „Masters of Anima“ wohl deutlich komfortabler für Maus- und Tastatur-Spieler. Denn die Befehle per Gamepad zu erteilen, kann im Eifer des Gefechts richtig knifflig und nervenaufreibend werden. Ein Tipp von meiner Seite: Zielt ein Gegner beispielsweise auf eure Bogenschützen (was immer deutlich mit einer roten Umrandung zu sehen ist), dann schickt eure Kameraden nicht zu einer anderen Stelle, sondern beordert sie per Knopfdruck zurück zu euch.
Anschließend könnt ihr sie woanders hinschicken. Dadurch greifen sie zwar für ein paar Sekunden nicht an, sind aber wesentlich einfacher zu kommandieren als wenn ihr sie von Stellung A nach B schickt. Ihr werdet schnell sehen, was ich meine. Die Feinde selbst variieren ebenfalls in ihren Angriffen: Mal habt ihr es mit Nahkämpfern, mal mit Fernkämpfern und mal mit einer Kombination aus beiden Klassen zu tun. Das Wichtigste hierbei ist dann die Mischung eurer eigenen Truppen: Wie viele Nahkämpfer benötige ich, um den Feind in Schach zu halten, damit meine Bogenschützen Schaden austeilen und meine Magier dem Feind Anima entziehen?
Persönlich musste ich bei einigen Gegnern öfters anlaufen, bis ich die ideale Mischung meiner Truppen herausgefunden hatte. Ein strategischer Kniff, der euch bis zum letzten Endgegner fordern wird – und für richtig gute Unterhaltung sorgt. Kurz noch zur optischen Darstellung: Auch wenn die Story nur in halbanimierten Standbildern präsentiert wird, überzeugt mich der Rest des Spielchens voll und ganz. Aus isometrischer Perspektive blickt ihr auf Otto von oben herab und habt damit immer genügend Übersicht, um in den Kämpfen entsprechend reagieren zu können. Der farbenfrohe Comic-Look passt dabei hervorragend zum restlichen Geschehen. Von mir gibt es da einen Daumen nach oben an das Team von Focus Home Interactive. Gut gemacht!
Fazit
Von Anfang an zieht das Spiel den Taktiker in mir Stück für Stück ins Geschehen: Auch wenn sich bei späteren Gefechten meine Gehirnzellen und Finger leicht verknoten, da ich in Sekundenschnelle taktische Entscheidungen zu treffen habe, macht es umso mehr Spaß, wenn ein Plan aufgeht und der Gegner besiegt ist. Passtech Games und Focus Home Interactive ist da ein kleines, feines Spielchen gelungen, das ich sehr gerne immer wieder angehe und das mich über die gesamte Dauer der Kampagne bestens unterhalten hat. Wer bereits mit Titeln, wie „Overlord“ oder „Pikmin“ seine Erfahrungen gesammelt hat und das Prinzip mochte, dem kann ich nur wärmstens empfehlen, auch hier einen Blick reinzuwerfen. Für mich ein echter Geheimtipp.
Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC, Switch
Website: mastersofanima.com