Als Fan des weißen Sports, der inzwischen gar nicht mehr so weiß ist, musste ich in den letzten Jahren ziemlich leiden. Tennis ist als Videospiel anscheinend schwer umzusetzen. Seit Top Spin 4 ist kein Tennisspiel mehr für Konsolen erschienen, das mich überzeugen konnte – und das war im Jahr 2011. Tennis World Tour 1+2 sowie AO Tennis 1+2 hatten zwar gute Ansätze, aber am Ende war es dennoch kein rundes Paket. Nun wagt sich der australische Entwickler Torus Games in den Ring, um im Tennis-Zirkus mitzumischen.
Kinderspiele als Grundlage?
Weder Publisher Kalypso noch die Entwickler:innen von Torus Games stachen mir in der Vergangenheit durch gute Sportsimulationen ins Auge. Torus Games kannte ich lediglich von Kinderspielen wie Beast Quest oder Ben 10. Daher war meine Skepsis etwas groß als ich von Matchpoint – Tennis Championships hörte. Aber ich könnte mich auch irren. Geben wir ihnen eine Chance.
Dass Torus Games ein australisches Studio ist, zeigt vielleicht auch das Cover. Warum sonst hätte das Team ihren Landsmann Nick Kyrgios für das Titelbild ausgewählt? Das passt jedenfalls schon mal zusammen. Also legen wir los.
Prima Einführung
Bevor ich mich in ein Match stürze, durchlaufe ich das Tutorial – ja, ich bin da ganz schön klassisch unterwegs. Aber bei Matchpoint – Tennis Championships empfehle ich euch das dringend, wenn ihr Erfolg auf dem Court haben wollt. Das Tutorial macht euch mit der kompletten Steuerung vertraut und gibt euch Tipps für den Start. Und ich muss sagen: Was ich hier spiele, gefällt mir sehr gut.
Anfangs ist es noch ungewohnt und leicht knifflig die Kontrolle über den Ball zu bekommen, aber das wird nach einigen Versuchen immer besser. Bei Matchpoint – Tennis Championships steuert ihr den Spieler nämlich mit dem linken Stick, während ihr das Zielfadenkreuz für den Ball mit dem rechten Stick steuert. Wie gesagt: Nach ein paar Versuchen klappt das ungemein gut. Dadurch habt ihr auch immer das Gefühl, den Ball kontrollieren zu können – ein Gefühl, das ich bei anderen Spielen dieser Art vermisst habe.
Alles fest im Griff
Die Kontrolle geht soweit, dass ich mich beim Aufschlag, bei Angriffsbällen und auch Lobs immer auf mein Geschick verlassen kann. In dieser Hinsicht zeigt Matchpoint – Tennis Championships eine herausragende Stärke. Mit gutem Gewissen stürze ich mich in den Karriere-Modus – die Vorfreude ist gigantisch.
Nachdem ich meinen neuen Spieler erstellt habe, mache ich mich auf den Weg zur Tennisspitze, indem ich das erste Turnier bestreite. Die Grundlagen habe ich ja bestens geübt. Was soll da also passieren – zumal das Turnier nur ein kleines ist. In der ersten Runde treffe ich auf einen unbekannten Typen, dessen Statuswerte nicht sonderlich überzeugend sind. Aufschlag, Vorhand und Rückhand liegen bei dem Wert 31 von 99. Meine eigenen Werte sind zwar mit 22 deutlich schlechter, aber das werde ich wohl kaum merken. Nach einem saftigen 0:6 gegen mich weiß ich es besser: Matchpoint – Tennis Championships ist kein Zuckerschlecken.
Ohne euch jetzt den Spaß nehmen zu wollen: Ihr braucht eine ordentliche Portion Frusttolleranz, um ganz oben mitzuspielen. Erst im dritten Anlauf, bei einem Show-Match, bekam ich etwas gerissen. Ansonsten hat mich die KI auf dem mittleren der drei Schwierigkeitsgrade förmlich zerstört. Das hätte ich nicht vermutet. Dabei liegt es weniger an meinem Können als vielmehr an den Teil unglaubwürdigen Schlägen meiner Gegner. Manchmal stolpern sie förmlich zum Ball, nur um mir das Ding dann mit 180 Sachen cross um die Ohren zu hauen. Autsch!
Minimale Rollenspielanteile
Als frische Idee während der Matches könnt ihr Stärken und Schwächen des Gegners aufdecken. So wisst ihr dann zum Beispiel, dass euer Gegenüber nach drei Schlägen immer nach vorne kommt oder schlecht auf der Rückhand retourniert. Nette Idee, die sich sogar auf die Matches auswirkt.
Neben dem harten Balancing ist mir noch eine Sache ins Auge gefallen: Die Länge der Matches. Normalerweise bin ich es gewohnt, dass ich mir aussuchen kann, wie lange ein Match geht. Bei Matchpoint – Tennis Championships könnt ihr das leider nicht. Ganz egal, welches Match euch in der Karriere erwartet, ob Turnier oder Show-Match, ihr müsst immer über die ganze Distanz von mindestens zwei Gewinnsätzen gehen. Das kann ebenfalls schwer an den Nerven zerren. Warum sich Torus Games dafür entschieden hat, bleibt mir ein Rätsel. Ist aber nichts, was sich nicht nachbessern ließe.
Kein Augenschmaus
Und wenn ich gerade am Meckern bin: Grafisch ist Matchpoint – Tennis Championships nun keine Augenweide. Die Spielermodelle sind okay, aber mehr auch nicht. Spieler wie Carlos Alcaraz hätte ich anhand des Charakters niemals erkannt. Aber das ist schon in Ordnung. Leider müsst ihr euch auch von der Kulisse im Stadion nichts Großes erhoffen. Hier sieht alle ziemlich steril aus. Aber was zählt, ist die Action auf dem Platz – und die stimmt zum größten Teil.
Damit ihr in eurer Karriere auch immer besser werdet, könnt ihr neben dem Training auch Gegenstände gewinnen, die euch stärken. Ein besserer Schläger, ein cooleres Outfit oder schickere Schuhe machen euch zu einem besseren Menschen – so oder so ähnlich. Jedenfalls eine nette Idee, um merklich besser zu werden.
Fazit
Am Ende ist Matchpoint – Tennis Championships nicht ganz der Heilsbringer für die Tennisspiele auf der Konsole und dem PC. Aber Torus Games hat hier dennoch ein unterhaltsames Werk erschaffen, auf das sich sehr gut aufbauen lässt. Denn spielerisch hab ich es hier mit einem der besten Titel seit Top Spin 4 zu tun – und das soll was heißen. Wenn Torus Games und Kalypso in Zukunft noch an ein paar Dingen wie dem Balancing, der Matchlänge und den Animationen schrauben, dann könnte ein potenzieller Nachfolger tatsächlich das Spiel werden, auf das ich schon seit langer Zeit gewartet habe. In der Zwischenzeit boxe ich mich eben hier nach oben auf den Thron.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC
Website: matchpoint-game.com/de