Survival-Games und ich haben ein schwieriges Verhältnis. Um jetzt nicht allzu weit auszuholen, mache ich es kurz: Irgendwie scheinen mich diese Spiele nicht zu mögen. Oder sie lieben es mich zu quälen und wie Dreck zu behandeln.
Ist aber schon okay – mich muss ja nicht jeder mögen. „Memories of Mars“ schmettert mir ebenfalls seine Verachtung entgegen, obwohl mir das Spiel wirklich gefällt. Nein, das hat nichts mit Stockholm-Syndrom oder dergleichen zu tun. Die Schuld trifft weniger „Memories of Mars“ selbst als die Menschen, die es noch spielen. Ein Beispiel verdeutlicht, was ich meine …
Gut aufgehoben
Nachdem ich das wirklich ausführliche und einsteigerfreundliche Tutorial, das gleichzeitig als Prolog dient, durch habe, eröffnet sich mir eine große, fremde Welt. Der Mars ist zugegebenermaßen nicht gerade die interessanteste Umgebung, aber was Limbic Entertainment hier an Ideen und Mechaniken reingepackt hat, überzeugt mich dann doch am Ende.
Jedenfalls betrete ich ein von mir ausgewähltes Areal und habe noch keinerlei Ahnung, was mich genau erwartet. Nun ja: Ich weiß nach dem Tutorial zumindest, dass ich ein Gerät habe, um Materialien abzubauen. Mit einem anderen Gerät konstruiere ich coole Sachen – sofern ich die Materialien und die nötigen Baupläne habe.
Und dann wäre da noch meine Knarre. Typisch für das Genre muss ich auch auf meine Vitalwerte achten: Wer nicht genügend trinkt, Sauerstoff zu sich nimmt oder seine Wunden heilt, wird bald Bekanntschaft mit dem kalten Marsboden machen. Aber für Einsteiger ist all das wirklich sehr übersichtlich gehalten und gut zu regeln. Kommen wir wieder zurück zu meinem Einstieg.
Verbotene Zone?!
Das Erste, was ich mache, ist das Sammeln von kleinen Felsbrocken, die unterschiedliche Ressourcen darstellen. Munter laufe ich durch die Gegend, bis urplötzlich eine Art Schutzschild vor mir auftaucht. Ist das eine Levelgrenze oder will mich da jemand abhalten einzudringen? Versuchen wir mal, ob ich das Ding anfassen kann – insgeheim habe ich schon mit meinem virtuellen Tod gerechnet. Aber nix da: Ich kann ungehindert durchstapfen. Merkwürdig.
Doch sobald ich den Bereich betreten habe, ploppen in weiter Ferne die Buchstaben A, B, C und D auf. Ich befinde mich in meinem ersten Zufallsevent. Oh Gott! Aber was habe ich zu verlieren – mache ich mich eben auf in Richtung C – der Punkt, der am nächsten an meiner Position ist. Da ich keine Ahnung habe, was zu tun ist, laufe ich schnurstracks auf C zu. Ein Gebäudekomplex. Alles ruhig. Im Inneren gehe ich eine Treppe nach oben und stehe vor einem Reglerpult, bei dem ich „Bestätigen“ drücken kann.
Sobald ich das gemacht habe, füllt sich meine Geldanzeige langsam auf. Okay, es ist kein Geld, aber die Ingame-Währung. Coole Sache, denke ich. Nach einer Weile ist der Ladestreifen voll und der Punkt B blinkt auf – da muss ich wohl als nächstes hin. Kaum draußen, höre ich Schüsse: Ein spinnenartiger Roboter rennt weit unterhalb einer Klippe in Richtung des Hauses, in dem Punkt B sein muss. Aus dem Haus kommen Schüsse und das Viech kippt um. Da drin ist also jemand. Soll ich „Hallo“ sagen? Na gut …
Der Tod hat viele Fassaden
Ich bin noch nicht einmal einen Schritt im Gebäude, da hält mir ein Mitspieler eine Waffe ins Gesicht. Da ich anscheinend sehr harmlos aussehe – ich habe ja noch nicht einmal eine Waffe, weil die aus dem Tutorial beim Start weg war – lässt er mich rein. Geduldig wartet er am Pult B und lädt sein Konto auf. Als ich den Schalter ebenfalls betätige, hört die Transaktion auf und geht bei mir weiter.
Ups, das wusste ich nicht. Also drückt er wieder den Knopf und schaut mich an. Da lasse ich ihn mal besser und mache mich zu Punkt A auf, weil ich denke, dass es dort weitergehen wird. Richtig gedacht: Bei Punkt A sind schon alle Gegner geplättet worden und ich muss nur den Schalter umlegen, damit das Geld fließt.
Bei halb geladenem Balken steht der andere Typ neben mir und drückt ebenfalls den Knopf. Hey, denke ich und reiße das Ruder wieder an mich. Das Spiel geht ungefähr viermal hin und her, bis der Typ völlig ausrastet und mich mit ungefähr 20 (!) Kopfschüssen aus dem Spiel katapultiert. Nach drei Treffern lag ich bereits am Boden, aber seine Wut war wohl zu hoch …
Neustart in eine bessere Welt
Etwas geschockt über diesen Ausraster beginne ich meine Reise wieder am Startpunkt und bin leicht ernüchtert über meine Mitspieler. Ein Glück, dass sich solche Situationen in den kommenden Stunden nicht wiederholt haben – dennoch bleibt ein herber Beigeschmack, wie manche Leute ticken. Den Rest meines Trips verbringe ich mit dem Abbau von Ressourcen und dem langsamen Aufleveln.
Denn verdiente Erfahrungspunkte könnt ihr in neue Techniken oder Fähigkeiten reinstecken, was unheimlich motivierend ist. Wollt ihr bessere Wände bauen können – Punkte investieren. Ihr wollt nicht so schnell verdursten? Dann buttert dort ein paar Punkte rein. Oder ihr wollt schneller Ressourcen sammeln können? Auch kein Problem. Das Spiel überlässt euch die Wahl.
Was die Story angeht, nun ja, da kann und will ich euch nicht zu viel verraten. Denn „Memories of Mars“ will, dass ihr selbst herausfindet, was hier vor sich geht. Nur so viel: Ihr erwacht als Klon auf dem Mars. Warum? Wieso? Weshalb? Findet es heraus! Mir jedenfalls gefiel dieses Element der Geschichte, das ich in einem solchen Spiel eigentlich nicht erwartet hätte.
Fazit
Halten wir uns kurz: „Memories of Mars“ ist ein cooles und preisgünstiges Survival-Game, das sehr viel richtig macht. Nur, weil ich immer wieder daran scheitere, heißt es nicht, dass es sich nicht lohnt hier auf Entdeckungsreise zu gehen.
Besonders Neulinge oder Gelegenheitsspieler werden sich freuen, da die Überlebens- und Erkundungssysteme sehr einsteigerfreundlich gehalten wurden – aber dennoch in die Tiefe gehen können. Wem das Setting zusagt und wer nun gespannt ist, wie sich die Story weiterentwickelt, der sollte unbedingt einen Blick riskieren.
Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC
Website: memoriesofmars.com