KI-Dämmerung im Neonrausch: Metal Eden entführt Spieler:innen in ein düster-vibrierendes Cyberpunk-Setting. Als Androidin Aska kämpft man sich durch die schwebende Stadt Moebius und ringt um die Rettung digitalisierter Menschheit. Die Geschichte rund um von KIs kontrollierte Megastädte, „Cores“ (digital gespeicherte Gehirne) und die Hoffnung auf Wiederauferstehung klingt zunächst episch, bleibt aber weitgehend Kulisse.
Viel läuft über Funksprüche und Bombastdialoge, die Atmosphäre wirkt dabei beeindruckend, aber die eigentliche Handlung ist schnell vergessen. Für Worldbuilding-Genießer sind die Neonpanoramen, Synth-Soundteppiche und futuristischen Designs dennoch ein Fest fürs Auge und Ohr.
Rasanter Parkour-Shooter mit cleverem Twist
Herzstück von Metal Eden ist das kompromisslos schnelle, präzise FPS-Gameplay – eine Mischung aus DOOM, Titanfall, Ghostrunner und einem Schuss Metroid Prime, wenn ich das so sagen kann. Ihr jagt durch acht kompakte, linear designte Levels, stürzt euch mit Wall-Runs, Jetpack-Sprüngen und Ziplines in Arenen, während überall Bosswellen, Robo-Horden und tödliche Blaster lauern. Stehenbleiben? Keine Option! Ständiger Druck, Bewegung und Angriff lauten die Devise. Da pumpt das Adrenalin ordentlich.
Herausragend ist das „Core-Ripping“-System: Feinden wird im Nahkampf ihr Energiekern entrissen, der dann als Granate oder Heiltrank genutzt werden kann – ein wuchtiges Gimmick, das Kombos, Taktik und Ressourcenmanagement vereint. Neben sieben Waffen mit unterschiedlichen Feuermodi sorgen zahlreiche Upgrades und ein variabler Skillbaum für Abwechslung: Man schaltet schnell neue Module frei, kann Aska zur blitzschnellen „Ramball“ transformieren und sich mit Bullet-Time durch Paniksituationen retten. Mein Herz pumpt immer noch aufgeregt.
Präsentation, Atmosphäre und Sound
Die Optik ist ein echtes Highlight: Neonfarben, Raytracing, Partikeleffekte und knackige Animationen sorgen für einen visuell packenden Look – jede Szene pulsiert vor Energie. Die Level sind wie schwebende Kunstwerke, stets hektisch und stimmungsvoll.
Auch akustisch wird geklotzt: Synthwave, Industrial und ein pumpender Bass-Score geben dem Spiel eine filmreife Klangkulisse, die mit guten Sprecherleistungen zusammenkommt. Die Inszenierung wirkt oft wie ein spielbarer Sci-Fi-Actionfilm.
Wiederspielwert und Kritikpunkte
Metal Eden ist anspruchsvoll: Wer nicht schnell reagiert, wird auf Normal schon ordentlich gefordert – Checkpoints sitzen aber fair, Respawns sind nahtlos und verhindern Frust. Arena-Kämpfe sind fordernd, Bosse stimmig inszeniert – allerdings sind es nur zwei „richtige“ Bossfights, da fast alle Großkämpfe wie Mini-Bosse wirken. Die Spieldauer fällt mit etwa 4–6 Stunden recht kurz aus; es gibt zwar Highscore-Jagden, Skilltrees und Zeitmissionen für Speedrunner, aber wenig substanzielle Post-Game-Inhalte.
Kleine technische Schwierigkeiten wie Frame Drops im Endgame oder Steuerungs-Bugs nach Respawns können auftreten, stören den Spielfluss aber selten gravierend. Spielerisch bleibt Metal Eden stets fordernd, doch die Gegnervielfalt und das Missionsdesign könnten breiter ausfallen – gerade erfahrene FPS-Veteran:innen wünschen sich wohl mehr Tiefgang und noch ausgefeiltere Mechaniken im Endgame.
Fazit: Cyberpunk-Speedrun mit Suchtpotenzial
Metal Eden ist ein atemloser Parcours aus Action, Parkour und Neon-Ästhetik – ideal für alle, die DOOM 2016, Titanfall 2 oder Ghostrunner lieben. Das Spiel fesselt mit unerhörter Geschwindigkeit, einem mitreißenden Sounddesign und spaßigen Ideen wie dem Core-Ripping-System. Die Kampagne ist kurz und die Story eher Staffage, aber wie ein musikalischer Actionrausch bleibt Metal Eden im Kopf. Für Genre-Fans und Speedrunner ein heißer Tipp – für Story-Sucher oder Vielspieler jedoch kein „Digital Eden“ für die Ewigkeit.
Erhältlich für: PS, Xbox, PC
Webseite: deepsilver.com/de/games/metal-eden