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Metal Gear Survive

Hideo Kojima und „Metal Gear“ waren nie getrennt – und das sollten sie auch nicht, wie dieses Spiel beweist.

Es ist immer so eine Sache mit großen Namen: Als ich das erste Mal von „Metal Gear Survive“ hörte, musste ich unweigerlich an Snake, Schleichen und Hideo Kojima denken. Schon gemein, wie mein Gehirn direkt versucht ein Spiel einzuordnen, nachdem der Name gefallen ist. Im Falle von „Metal Gear Survive“ werde ich dadurch direkt auf die falsche Fährte gelockt. Dieses Spiel hat nämlich so gar nichts mit der „Metal Gear“-Reihe zu tun. Den Namen nutzte Publisher Konami wohl nur, um Aufmerksamkeit zu schaffen. Dabei hätte man sich den Ärger, der dadurch entstand (Stichwort: Shitstorm) leicht ersparen können. Denn hinter dem Namen steckt eigentlich eine nette Idee, die allerdings viel Feinschliff vertragen könnte.

Gebt dem Spiel eine Chance

Nun gut, dann schlucke ich mal den Klops über die leichte Verärgerung der Namensgebung und tauche ein ins Abenteuer. Wichtig beim Namen ist nämlich das „Survive“, weil es sich hier um ein fast klassisches Survival-Abenteuer handelt, das irgendwie im „Metal Gear“-Universum angesiedelt ist. Um genau zu sein: Kurz nach dem MG5-Prequel „Ground Zeroes" geht eure Basis zu Bruch und wird in eine Art Dimensionstunnel gezogen, der euch in einer Parallelwelt zurücklässt. Übrigens könnt ihr euren Held oder Heldin selbst erstellen – dumm nur, dass dieser anschließen völlig stumm bleibt … Zurück zur Parallelwelt: Diese nennt sich Dite und ist von hirnlosen Zombies bevölkert, was wohl an dem giftigen Nebel liegt, der hier fröhlich vor sich hin wabert. Der erste Stresstest steht euch insofern bevor, dass ihr die Einführung überstehen müsst: Das Spiel macht anscheinend alles, um euch irgendwie fernzuhalten. Alles, was ich euch in den ersten Zeilen beschrieben habe, breitet Konami in fast einer Stunde (!!) Zwischensequenzen aus. Hin und wieder darf ich ein paar Sekunden selbst meinen Avatar steuern, aber das war’s auch schon. Hätte man locker um 95 Prozent kürzen können.

Ran an die Arbeit!

Nach überstandenem Tutorial weiß ich in etwa, wo der Hase langläuft. Typisch für Survival-Spiele gibt es auch hier eingeblendete Gesundheits- oder Vitalitäts-Balken, die ich besser im Auge behalten sollte. Hunger und Durst sind die wichtigsten Faktoren: Wenn ein Wert davon auf Null sinkt, dann war es das – Game Over. Also mache ich mich auf den Weg, um Nahrung in Form von Schafen zu sammeln. Zudem halte ich Ausschau nach Wasser. Das Spielprinzip mag zwar funktionieren, aber so richtig Spaß will noch keiner aufkommen – zumal die Werte richtig schnell in den Keller gehen und ich das Gefühl habe, dass das Sammeln eigentlich nichts bringt, weil ich dadurch meine Anzeige-Balken strapaziere. Merkwürdig. Zurück in der Basis wird es allerdings ganz unterhaltsam für eine Weile: Sobald ich genügend Materialien gesammelt habe, darf ich selbst Objekte herstellen. Das Crafting nimmt einen zentralen Aspekt des Spiels ein, wird aber nach einer Weile zur monotonen Fleißarbeit. Der Ausbau der Basis hingegen macht eine Zeit lang Spaß, da ich selbst entscheiden kann, wo was hin soll. Ein klein bisschen Tower-Defense haben die Macher hier ebenfalls eingebaut, wenn die Zombies mal angreifen. Apropos Zombies: Sobald die ins Spiel kommen, ist Action angesagt.

Metzger müsste man sein

Eigentlich sind die Kristallträger – ja, die haben da so ein leuchtendes Ding auf dem Schädel – ziemlich doof. In gerader Linie laufen sie auf ihre Widersacher zu. Baut ihr zwischen euch und die Horden einen Maschendrahtzaun, könnt ihr in aller Ruhe auf die Feinde einstechen, bis keiner mehr übrig ist oder der Zaun nachgibt. Natürlich habt ihr auch die Wahl verschiedene Schusswaffen mit ins Gefecht zu nehmen. So oder so: Dieser Teil des Spiels macht echt Laune, auch wenn er nicht sonderlich herausfordernd ist. Erst in späteren Missionen bedarf es etwas taktischer Vorgehensweise, wenn die Untoten aus verschiedenen Richtungen angreifen. Wie dumm die Feinde sind, zeigt sich jedoch manchmal fast peinlich an verschiedenen Stellen: Einmal bin ich auf einen Felsvorsprung geklettert, nur um zu bemerken, dass es meine Feinde nicht tun. Von oben hatte ich gefühlt alle Zeit der Welt, die Zombies ins virtuelle Grab zu schicken.

Sobald ein Kampf erfolgreich überstanden ist, geht es ans Looten der jetzt wirklich toten Gesellen. Dabei stellen sich euch aber zwei richtige Faktoren nervend in den Weg: Zum einen kann es sein, dass einige Feinde im grünen Giftnebel liegen. Diesen könnt ihr nur mit einer Gasmaske betreten. Aber lasst euch nicht zu viel Zeit – auch diese hat eine Sauerstoffanzeige. Womit wir beim zweiten Problem wären: Das Looten benötigt eine Ewigkeit. Immer wenn sich euer Avatar hinkniet, um eine Leiche zu untersuchen, müsst ihr quälend lange auf eine sich füllende Anzeige starren. Bei zwanzig Feinden hintereinander reißt mir dann schon mal der Geduldsfaden – zumal ich meine Hunger-, Durst- und Sauerstoffanzeige immer im Auge behalten muss. Ein Gewehr ist schneller zusammengebaut, als jemandem die Taschen zu leeren …

Und wieder ran an die Arbeit …

In der Basis selbst bekommen wir nach und nach Unterstützung von anderen „Gestrandeten“, denen wir Aufgaben zuteilen können. Zusammen mit der Nahrungssuche und dem Craften haben wir damit einiges zu tun. Nach ein paar Stunden fühlt es sich fast wie Arbeit an, immer alles im Auge behalten zu müssen. Das hätte auch spaßiger sein können, wenn man einige Aspekte nicht zu ernst genommen hätte. Optisch gibt es dagegen nichts zu meckern, da sich die Technik auf das starke Grafikgerüst von „Metal Gear Solid 5“ stützt. Nach meinem Geschmack hätte etwas mehr Farbe ins Spiel kommen können, aber das passt schon. Etwas unterhaltsamer wird der Titel zudem, wenn ihr einen Partner an eurer Seite habt, mit dem ihr auf Jagd geht. In diesem Punkt stimmt der Spielspaß – wiederum auch nur für eine begrenzte Zeit.

Fazit

Den Ärger über den gewählten Namen lasse ich mal beiseite. Hinter der Fassade steckt ein Survival-Spiel, das viele gute Ideen und an sich auch funktionierende Spielmechaniken hat. Nur irgendwie wollen sich diese nicht so recht zusammenfügen zu einem großen Ganzen. Das Kämpfen und Basisbauen macht sogar richtig Spaß, wird aber durch die nervige Suche nach Nahrung und anderem Loot arg ausgebremst. Wenigsten kommt gemeinsam ganz gute Stimmung auf über die Dauer der 20 bis 30 Stunden langen Kampagne. Es ist ein solides Durchschnittsspiel, das einiges richtig und einiges falsch macht. Wenn sich Konami beim nächsten Teil eventuell auf einen neuen Namen einigt, ein paar nervige Designentscheidungen überdenkt und seine Zwischensequenzen ordentlich kürzt, dann könnte es vielleicht sogar der Beginn einer netten, frischen IP werden.

Erhältlich für: Xbox One, PS4
Website: konami.com/mg/survive