19 lange Jahre ist es schon her, seit der letzte Teil (Remakes und Neuauflagen nicht mitgezählt) der kultigen Reihe um die Kopfgeldjägerin Samus Aran erschienen ist. Umso größer war die Vorfreude und Spannung, als Metroid Dread zur E3 angekündigt wurde. Ob das fertige Spiel den hohen Erwartungen standhalten kann, erfahrt ihr in unserem Test.
Eine tiefgründige Story für ein düsteres Metroid
Ich bin sicher nicht der Einzige, der die Tage bis zum Release-Date heruntergezählt hat. Und nicht nur das - ich habe es mir auch nicht nehmen lassen, zur Einstimmung das 16-Bit Meisterwerk Super Metroid über mein Switch-Online Abo wieder auszukramen und mich in die düstere Welt des Planeten Zebes zu begeben. Wahnsinn, wie gut dieses Spiel aus dem Jahr 1994 heute immer noch ist und wie auswendig ich es nach all den Jahren immer noch kenne.
Doch zurück ins Jahr 2021. Zur Einordnung - Metroid Dread knüpft an den Ereignissen von Metroid Fusion an, und die Geschehnisse werden uns in einem kurzen aber feinen Prolog zusammengefasst. Damals wurden die heimtückischen X-Parasiten vernichtet – aber nur vermeintlich. Denn die Galaktische Föderationen hat einen unbekannten Hinweis erhalten, dass dieser tödliche Parasit auf dem Planeten ZDR überlebt hat, was die gesamte Galaxis in Gefahr bringen kann.
Um der Sache ein Ende zu bereiten, werden sieben hochentwickelte Roboter des Typs Extraplanetar-Mobil-Multiform-Identifizierer – kurz E.M.M.I. – nach ZDR entsendet, die allesamt über einer nahezu unzerstörbare Panzerung verfügen und auch in der Lage sind, auf spezielle Verhaltensmuster in ihrer Umgebung zu reagieren. Umso mysteriöser erscheint es, dass der Kontakt zu den Robotern völlig abgebrochen ist.
Und hier kommt Samus ins Spiel, denn nach ihrer Infektion mit dem X-Parasiten in Metroid Fusion wurde ihr die Metroid-DNS injiziert, was die Weltrum-Legende als einzigen Menschen immun gegen den Erreger macht. Doch ihre Reise nach ZDR ist nicht nur von immenser Bedeutung für die gesamte Menschheit, sondern auch eine Reise zurück in ihre Vergangenheit. ZDR ist nämlich ein Heimatplanet der Chozo, ein vogelähnliches und hochentwickeltes Volk, bei dem Samus aufgewachsen ist.
Alte Vertraute
Kaum auf dem Planeten ankommen, macht Samus auch schon Bekanntschaft mit einem Krieger der Chozo, dem sie nur knapp entkommen kann, der ihr aber auch sehr zusetzt und sie vieler ihrer Fähigkeiten beraubt. Nicht gerade eine Erleichterung beim Erkunden von ZDR. Denn auch die E.M.M.I. erweisen sich noch als intakt, wurden aber so umprogrammiert, dass sie Samus als Gegnerin erkennen und gnadenlos Jagd auf sie machen.
Da hilft dann nur die Flucht, denn ein Duell mit einem E.M.M.I. bedeutet den fast sicheren Tod. Eine willkommene Hinzugabe zum Gameplay, die auf Dauer kann dies aber auch frustrierend sein kann, denn oftmals tauchen diese gemeinen Gegner so plötzlich vor einem auf, dass man kaum Chancen zur Flucht hat. Immerhin sind die Rücksetzpunkte sehr fair gesetzt. Hierbei bewegt ihr euch durch eine zweidimensionale Spielewelt mit vielen verschachtelten Bereichen.
Glücklicherweise ist Samus dieser nicht komplett hilflos ausgeliefert, denn sie verfügt weiterhin über ihren Blaster, mit dem sie sowohl Schüsse als auch Raketen abfeuern kann und damit nicht bloß Gegner zur Strecke bringt, sondern auch Ausgänge öffnen kann. Des Weiteren hat sie sich auch eine Nahkampftechnik angeeignet, mit der sie mit dem richtigen Timing feindliche Angriffe in einem Quick-Time Event blocken kann und so von der Defensive in die Offensive umschaltet.
Und Samus entwickelt sich auch im Laufe des Abenteuers weiter – beispielsweise verbessert ihr euren Blaster, was euch wiederum Schleusen öffnen lässt, durch die ihr vorher nicht passieren konntet. Landet ihr irgendwann an einer vermeintlichen Sackgasse oder kommt ihr nicht weiter, solltet ihr zunächst andere Areale von ZDR durchforsten, da sich auch die zum Weiterkommen benötigte Fähigkeit irgendwo anders verbirgt.
Als Beispiel trägt unsere Heldin zu Beginn lediglich einen Weltraumanzug, der ihr zwar einigermaßen Schutz bietet, jedoch nicht gegen extreme Kälte oder Hitze. So bleiben dann zunächst gewisse Areale tabu, bis es euch gelingt, ein Upgrade eures Anzug an einer anderen Stelle des Spiels zu erlangen. Ich muss sagen, dass solche Fälle des Öfteren vorkommen, aber dem Spielfluss in keinerlei Hinsicht schaden.
Ganz im Gegenteil – wie bei einem Spiel des Metroidvania-Subgenres üblich (ja, den Begriff habt ihr sicherlich schon vermisst) zwingt es euch dazu, auch andere Abschnitte der Spielewelt zu erkunden und lässt euch nicht nur linear in eine Richtung bis zum Ende laufen. Auch sorgt das weitere Erkunden für eine stete Verbesserung von Samus‘ Skills, denn eine erhöhte Energieleiste oder zusätzliche Munitionscontainer werdet ihr im weiteren Spielverlauf auch dringend benötigen.
Seid auf der Hut vor den E.M.M.I.
Denn in den Tiefen von ZDR warten Herausforderungen auf euch, die es in sich haben. Da wären zum einen die bereits erwähnten E.M.M.I., die regelmäßig Jagd auf euch machen und denen ihr regulär auch keinen Schaden zufügen könnt. Die nun feindseligen Roboter sind festen Gebieten zugeordnet und attackieren euch beim ersten Sichtkontakt. Der Sichtbereich der E.M.M.I. ist optisch hervorgehoben wodurch ihr euch besser orientieren könnt, wohin es auszuweichen gilt.
Im Laufe des Spiels bekommt ihr auch noch die Fähigkeit, euch mittels eines Umhangs zu tarnen und euch so besser zu verstecken. Zum anderen erwarten euch auch spektakuläre Bosskämpfe, in denen ihr alles in die Waagschale legen müsst, um diese zu besiegen und weiter im Spiel fortzuschreiten.
Gerade die Hinzunahme der E.M.M.I. ist nicht nur spielerisch sondern auch atmosphärisch ein zusätzliches Feature von Metroid Dread, denn es bringt noch eine extra Prise Suspense mit sich und auch Anleihen eines Stealthgames à la Metal Gear Solid. Da passt es auch ganz gut ins Geschehen, dass das Bild wie in einem Horrorfilm leicht grobkörnig wird, sobald ihr mit einem der Roboter konfrontiert werdet.
Vom Feinsten
Auch von der technischen Seite gibt es nichts zu meckern. Bei Switch-Spielen haben wir ja des Öfteren gesehen, dass das Zocken im Handheld-Modus grafisch etwas abgespeckt zum TV-Modus ist – Metroid Dread läuft allerdings in beiden Versionen wunderbar flüssig mit 60FPS.
Atmosphärisch ist es auch fantastisch umgesetzt – seien es die Soundeffekte, die auch direkt aus Super Metroid stammen könnten, oder die schön animierten Hintergründe. Auch wenn man bei der Steuerung aufgrund neuer Fähigkeit zu Beginn etwas Eingewöhnung benötigt, so funktioniert diese doch einwandfrei. Das Entwicklerteam von Mercury Steam haben also ganze Arbeit geleistet.
Fazit
Wer den Testbericht bis hierhin gelesen hat, der kann nur zu dem Schluss kommen, dass ich für Samus‘ neuestes Abenteuer einen Daumen nach oben gebe und eine klare Empfehlung ausspreche. Ein anderes Fazit würde hier gar keinen Sinn machen. Hier stimmt so vieles – angefangen von der Story, der Steuerung, den Rätseln, der verzweigten und düsteren Welt von ZDR bis hin zu den bedrohlichen Konfrontationen mit den E.M.M.I. Das lange Warten hat sich absolut gelohnt. Ein sehr guter Mix aus Erkundung, Kampf und Stealth. Auch technisch ist das Ganze hervorragend umgesetzt und man spürt förmlich die düstere Metroid-Atmosphäre. Metroid Dread gehört ganz klar zu den Top-Titeln auf der Switch.
Erhältlich für: Switch
Website: nintendo.de/Spiele/Nintendo-Switch/Metroid-Dread-1987653.html